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Unwetter

16.05.2015

Tornados: Ist die Region besonders gefährdet?

Aus einer Gewitterwolke senkt sich der für Tornados typische Rüssel herab.
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Aus einer Gewitterwolke senkt sich der für Tornados typische Rüssel herab.
Bild: Steffen Vogler

Nach dem verheerenden Tornado fragen sich viele, ob die Region besonders gefährdet ist? Wir sprachen mit einem Wetterexperten.

Am Tag drei nach dem Tornado, der am Mittwoch eine Schneise der Verwüstung in Langweid-Stettenhofen und Affing hinterlassen hat, herrscht Verunsicherung. Kann so etwas noch öfters vorkommen?

Für den Meteorologen Klaus Hager aus Neusäß besteht kein Grund zur Beunruhigung: „Wir leben hier in keiner besonders gefährdeten Region für Tornados.“ Jedoch: Wirbelstürme seien ein „natürliches Phänomen, das extrem schwer vorherzusagen ist“. Zwar seien sie vor allem aus Amerika bekannt, aber auch in Europa kommen sie vor, würden zumeist „Windhosen“ genannt.

So entstehen die Superzellen

Wirbelstürme können entstehen, wenn zwei Luftschichten mit großen Temperaturunterschieden übereinanderliegen. „Wenn es am Boden extrem warm ist, aber in der Luft besonders kalt, dann kann die Luft ungehindert nach oben ziehen“, erklärt Hager. So entstehen die „Superzellen“ genannten Gewitterwolken. Kommen dann auch noch unterschiedliche Windrichtungen je nach Höhe hinzu, kann es zu den typischen Verwirbelungen oder „Rüsseln“ kommen. Diese extremen Wetterlagen kommen in Deutschland aber seltener vor als im Mittleren Westen der USA. „Dort trifft arktische Luft auf tropische Luft, das ist eine ganz andere Lage als bei uns hier.“

Der Tornado hat in der Region eine Schneise der Verwüstung zurückgelassen und schwere Schäden angerichtet.
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Tornado richtet schwere Schäden in der Region an
Bild: Erich Echter; Mario Lindner, Luftsportverein Aichach

Das Mikroklima des Lechtals fördere laut Hager die Entstehung von Tornados nicht besonders. „Wir haben hier allenfalls etwas Nebel durch die Flüsse – das ist alles.“ Dass der Mensch die Entstehung extremer Wetterlagen unterstützt, daran glaubt Klaus Hager nicht. „Das bilden sich viele ein. Früher hat man auch geglaubt, dass daran Hexen schuld sind. Die Natur steckt schon einiges weg.“

Eine verlässliche Vorher sage ist schwierig. „Sie dürfen sich die Natur nicht wie im Bilderbuch vorstellen. Da ist alles labil und alles in Bewegung. Wann genau der Tornado entsteht und welche Bahn er nimmt, ist nicht vorauszusehen. Tornados entstehen wie die Fettaugen in Suppen“, sagt Klaus Hager. Allenfalls könne man das Entstehen einer Superzelle erkennen, und auch das nur eine halbe Stunde vorher. „Ich kann verstehen, dass die Bevölkerung Klarheit haben möchte – aber die kann es nicht geben.“

Nimmt die Zahl der Stürme in der Region zu?

Ob die Zahl der Wirbelstürme spürbar zunehme – Hager ist mit einer Prognose vorsichtig. „Es sind ja nicht nur Wirbelstürme, es sind ja generell Gewitter. Und da gibt es immer wieder Schwankungen. Da hat man ein Jahrzehnt lang Ruhe und im nächsten ein Unwetter nach dem nächsten. Das ist eben die Natur“, sagt der Meteorologe. Auch würden Tornados erst seit wenigen Jahrzehnten in Deutschland gezählt. „Wir bräuchten aber eine einordnende Bezugsgröße. Wie viele Tornados gab es vor hundert Jahren? Es wird heute durch die Neuen Medien viel besser dokumentiert als damals.“ Sprich: Hatte man früher einen Tornado gesehen, war das zwar genauso faszinierend oder gefährlich wie heute – aber es wurde nicht zentral erfasst oder überhaupt für die Nachwelt festgehalten. Heute gibt es Smartphones und die sozialen Medien. Da könne er nicht sagen, ob die Zahl der Tornados zunimmt oder nur mehr entdeckt werden als früher. „Meistens toben die ja außerhalb der Ortschaften. Bei dem Tornado jetzt war eben das Dramatische, dass er die Orte erwischt hat.

Der Tornado hat in unserer Region ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Jetzt heißt es erstmal: Aufräumen und den Geschädigten helfen.
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