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Meitingen

14.09.2016

Tot, heiß und schmutzig?

An dieser Stelle läuft das Kühlwasser aus den Lech-Stahlwerken wieder in den Lechkanal. Messungen finden zwar statt, aber nicht im Kanal, sondern am Ablauf des Klärbeckens. 
Bild: Foto: Marcus Merk

Das Kühlwasser der Lech-Stahlwerke landet im Lechkanal. Wie stark es mit Schadstoffen belastet ist, wollen die Freien Wähler wissen.

Die Lech-Stahlwerke dürfen seit langem Wasser aus dem Lechkanal zur Kühlung ihrer Anlagen nutzen. Den Bürgerinitiativen und den örtlichen Fischern war das schon immer ein Dorn im Auge. Denn das Wasser wird anschließend wieder in den Lech eingeleitet. Es handle sich um zig tausende Liter totes, ungeklärtes und viel zu warmes Wasser, so Horst Kammer vom Fischereiverein.

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In den Absetzbecken des Stahlwerks könnten sich höchstens grobe Stoffe niederschlagen, „nicht aber die Gifte“, betont Kammer und beklagt, dass sich seit Jahren an dieser Situation nichts geändert habe. Bestimmte Stoffe wie Aluminium würden nicht einmal überprüft.

Die Freien Wähler haben das Thema nun aufgegriffen. FW-Kreisrat Fabian Mehring richtete eine Anfrage ans Landratsamt und FW-Landtagsabgeordneter Johann Häusler eine gleichlautende Anfrage an die bayerische Staatsregierung. Darin weisen die beiden Politiker darauf hin, dass das Wasser im Lechkanal oberhalb des Stahlwerks bei Gersthofen noch die Gewässergüte 2 habe und damit nahezu Trinkwasserqualität aufweise.

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Im Unterlauf des Stahlwerks dagegen zeigten Daten aus einem Fisch- und Muschel-Schadstoffmonitoring bei Feldheim eine hohe Belastung des Lechwassers mit stahlwerkstypischen Schwermetallen wie Molybdän, Vanadium und Wolfram auf. Die Freien Wähler wollen wissen, wie es dazu kommen kann. Diese Verschlechterung der Wasserqualität stehe nicht im Einklang mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Weitere Fragen nach Überwachung, Messstellen am Lechlauf, Grenzwertüberschreitungen und möglichen Auswirkungen auf Natur und Fische stellen die beiden Politiker in diesem Zusammenhang ebenfalls.

Zudem fordern sie Auskunft darüber, ob die Rechtsaufsicht tatsächlich auf eine dauerhafte Messung der Wasserqualität im Umfeld des einzigen bayerischen Stahlwerks verzichte.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte dazu das Landratsamt Augsburg, es gebe sehr wohl Messungen, die unangemeldet durch das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth erfolgten. Die Messstelle befinde sich am Ablauf des Klärbeckens vor der Einleitung in den Lechkanal. „Es gab und gibt auch derzeit keinen Grund zu Beanstandungen“, so das Landratsamt. Die Anforderungen an das Abwasser, das im Wesentlichen aus dem Prozesswasser- und Kühlwasserkreislaufsystem stamme, seien im behördlichen Bescheid festgelegt und würden erfüllt.

Auch Stahlwerksleiter Knut Rummler erläuterte gegenüber unserer Zeitung, dass es sehr wohl Messungen der Behörden gebe. Die Vermutungen der Freien Wähler stimmten nicht. „Wir haben kein schlechtes Gewissen“, betonte Rummler. Im einzelnen erläuterte LSW-Sprecher Markus Kihm, dass es bereits eine erste geschlossene Kühlkreislaufführung gebe. Eine zweite Ausbaustufe sei genehmigt und solle teilweise bis 2018 und teilweise bis 2021 umgesetzt werden. Das Lechkanalwasser laufe dabei zur Kühlung an sogenannten Plattenwärmetauschern vorbei; es komme also gar nicht direkt in Kontakt mit dem Werkswasser.

Um einen offenen Kreislauf handle es sich dagegen beim Prozesswasser, zum Beispiel im Walzwerk. Das Lechwasser komme hier also direkt mit den Werksanlagen in Berührung. Es werde aber über verschiedene Filteranlagen geschickt und gereinigt, bevor es in den Lechkanal eingeleitet werde. Hier fänden auch Messungen des Wasserwirtschaftsamts statt.

Zum Niederschlagswasser, das sich auf dem Werksgelände ansammelt, sagte Kihm, zur Erfassung sei ein neues Kanalsystem mit Sammelbecken geplant. Man warte auf den Genehmigungsbescheid des Landratsamts. Der Bescheid werde noch heuer ergehen, teilte das Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das Stahlwerk könne mit einer positiven Entscheidung rechnen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

17.09.2016

Tja, man sollte sich vorher informieren bevor man irgendwas nachplappert und veröffentlicht. Da diverse bayerische Flüsse (Fische und Muscheln) höher mit den "stahlwerkstypischen Schwermetallen" ( :-) ) belastet (siehe meinen Leserbrief) sind als der Lech stellt sich die Frage: Betreibt LSW noch diverse andere Zweigstellen und produziert dort im Geheimen noch viel mehr Stahl als in Herbertshofen? Produzieren die überhaupt in Herbertshofen? :-)

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