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Deuringen

23.07.2020

Trails sind gesperrt: Mountainbiker weichen ins Anhauser Tal aus

In Deuringen sind illegale Mountainbiketrails schon gesperrt.
Bild: Marcus Merk

Plus In Deuringen sind illegale Trails inzwischen gesperrt. So suchen sich die Sportler Strecken im Diedorfer Wald. Auch dort reagiert das Rathaus.

Das Thema Mountainbiken in den Westlichen Wäldern zieht weiter Kreise: Das Landratsamt und die untere Naturschutzbehörde sind involviert, Waldbesitzer wehren sich gegen den Ansturm der Sportler, und auch Gemeinden sehen sich mit der Frage konfrontiert, wie man mit dem Trendsport in den Wäldern umgehen soll. Da die Biker zunehmend im Anhauser Tal unterwegs sind, war der Sport Thema im Umweltausschuss der Gemeinde Diedorf.

Verbotsschilder an den Trails in Deuringen aufgestellt

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Anna Röder, die in der Verwaltung für die Waldflächen im Gemeindegebiet zuständig ist, die Situation: „Grundsätzlich merken wir, dass in Deuringen jetzt sehr offensiv vorgegangen wird.“ Am Eingang zu den Trails und Pfaden, die die Radler gerne nutzen, wurden in den letzten Monaten Verbotsschilder aufgestellt und Baumstämme über die Strecken gezogen. „Die Mountainbiker orientieren sich jetzt anders“, erklärt Anna Röder.

Wie soll man mit Mountainbikern umgehen, die im Wald auf Trails fahren? Auch bei den Grünen gehen die Meinungen auseinander.
Bild: Uwe Zucchi, dpa (Symbol)

Die Strecken zum Beispiel im Anhauser Tal seien jetzt mehr befahren, und mehr illegale Bauwerke würden im Wald entdeckt. Das Problem: Sobald die Gemeinde oder andere Waldbesitzer von hohen Sprungschanzen oder Ähnlichem wissen, sind sie bei einem Unfall rechtlich angreifbar. Auch im Wald gilt die Verkehrssicherungspflicht für Grundstücksbesitzer, solange es nicht um „waldtypische Gefahren“ wie fallende Äste geht.

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Deshalb gehe es in Diedorf um die Frage, wie man mit den Bauten umgehen sollte, denn „gegen Radfahren im Wald hat niemand etwas“, so Röder. Die Verwaltung werde jetzt prüfen, welche der bei Mountainbikern beliebten Strecken man tolerieren könne und wo man Schanzen und Sprünge „zurückbauen“ müsse, erklärt Röder. „Wir wollen auf keinen Fall den ganzen Wald sperren, aber an einigen Stellen ist es unbedingt notwendig, zu reagieren“, stellt sie klar.

Mountainbiken ist in Zeiten von Corona besonders beliebt

Alles in allem kann sie nachvollziehen, dass Mountainbiker ihren Sport gerade in Zeiten der Corona-Krise in der Nähe des Wohnortes ausüben wollen. Trotzdem werden jetzt auch im Wald bei Diedorf Verbotsschilder aufgestellt. Außerdem soll der Wald so umgestaltet werden, dass eingezäunte Kulturen junger Bäume die illegalen Trails zum Teil versperren. Eine endgültige Lösung ist das aber auch für Röder nicht. Sie betont: „Beide Seiten müssen Kompromisse machen.“ In diesem Zusammenhang begrüßt sie auch die Gründung des Vereins MTB Augsburg.

Ähnlich geht es Thomas Miehler, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bund Naturschutz (BN) Bayern in Stadtbergen. Er beobachtet die Situation in den Westlichen Wäldern schon seit geraumer Zeit und kennt sich auch im Wald bei Diedorf gut aus. Der Naturschützer und Förster bekräftigt grundsätzlich: „Es gibt ein Betretungsrecht, aber kein Befahrungsrecht des Waldes in Bayern.“

Legale Trails sollen die Konflikte im Wald beenden

Die Gründung des Vereins MTB Augsburg begrüßt Miehler: „Es ist gut, dass es jetzt eine Vertretung der Mountainbiker gibt.“ Die Initiative verfolgt das Ziel, legale Trails auszuweisen und dadurch die Konflikte im Wald beizulegen und den Strom der Sportler zu kanalisieren. Miehler sieht die Verantwortung beim Verein, der ein Konzept vorlegen müsse, das alle rechtlichen Gegebenheiten berücksichtigt.

Dabei sei nicht nur das Waldgesetz relevant, sondern auch das Naturschutzgesetz und der Bodenschutz. Außerdem brauche es eine Lösung für das Problem der Verkehrssicherungspflicht. Im Moment sieht Miehler nur eine Möglichkeit, wie sich Waldbesitzer endgültig absichern könnten, sollten sie Trails erlauben wollen: eine Rodung. „Im Wald spricht man häufig von Baumlängen, das bedeutet, es geht um breite Schneisen.“

Mountainbiker: Sport soll als Realität anerkannt werden

Was die Gemeinde Diedorf aktuell erlebt, entspricht auch den Argumenten der Mountainbiker. Unter anderem Vertreter der deutschen Initiative Mountainbike appellieren immer wieder dafür, den Sport als Realität anzuerkennen und gesetzliche Möglichkeiten für legale Trails zu schaffen. Im Gespräch mit unserer Zeitung betonte ein Sprecher zum Beispiel, dass gesperrte Mountainbike-Trails meist nur zu einer Verlagerung des Problems noch tiefer in den Wald hinein führen würden. Auch der Verein MTB Augsburg will durch ein legales Trailareal eine Reduzierung der wilden und illegalen Trailbauten in den Westlichen Wäldern erreichen.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Nur Gäste im Wald

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23.07.2020

Man kann hier nur den Kopf schütteln! Unsere freie Natur die nun von den Eignern und Nutzern durch breite Forststraßen, Rückegassen und andere massive Eingriffe und Maßnahmen maschinengängig gemacht wurden sind in Gefahr durch Radfahrer! Es ist richtig, dass durch das Errichten von Schanzen und teils waghalsigen Erdlöchen Gefahren drohen, jedoch ist das bei weitem kein Massenphenomän und auf einige wenige Akteure begrenzt. Der Großteil der Mountainbiker die in unseren Wäldern Erholung suchen haben Freude an der Bewegung draußen und üben sich im Befahren kniffliger Steckenteile jedoch eben nicht mit Schanzensprüngen und selbstmörderischen Downhills. Sie reiben sich die Augen wenn ihnen gesagt wird sie zerstören den Boden, denn sie sind gerade an den Spuren einer zig Tonnen schweren Rückemaschine vorbeigefahren in deren halb Meter tiefen verdichteten Rinnen sich gerade das Wasser des Regens der vergangen Tage sammelt. Der Jäger der gerade mit dem SUV seinen Jägerstand tief im Wald über die gut ausgebaute Forstautobahn ansteuert wirkt wenig ressourcenschonend und naturgerecht, gerade wenn auf dem Radl das unbehagen mitschwingt gleich belehrt zu werden ja den breiten Weg nicht zu verlassen man könnte Tier und Pflanze stören. Noch vor nicht allzulanger Zeit war die Atmosphäre deutlich weniger aufgeheizt und man konnte gut miteinander auskommen, die Waldnutzer die Erholungssuchenden und Naturgenießer. Nun bricht bei allen Fraktionen das Ego durch und jeder meint er sei der alleinige im Recht. Es ist klarerweise Unfug halsbrecherische Schanzen zu bauen von denen eine Gefahr ausgeht, aber es ist eben auch eine nachgewiesenerweise strafbare Handlung Schilderpfosten mitten in Wege zu betonieren oder Baumstämme über Pfade zu legen, die obendrein noch vor Jahren von der Gemeinde als Trimmdichpfad angelegt wurden. Auch hiervon gehen große Unfallgefahren aus die zumindest grob fahrlässig in kauf genommen werden. Summa summarum würde es bestens gehen wenn man miteinander wollen würde.

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