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Auftritt

30.01.2017

Traumfabrik: Der etwas andere Zirkus

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2 Bilder
Klassische Clown- und Slapstick-Nummern – auch das gehört zum Zirkusprogramm der Traumfabrik.

Zum ersten Mal ist die Gruppe aus Regensburg in Gersthofen zu Gast. Und begeistert ihr Publikum gleich mehrmals

Es ist ein schönes Zusammentreffen, dass die Tournee im 37. Jahr ihres Bestehens 37 Auftritte umfasst. Aber es ist auch typisch für die Regensburger Traumfabrik, aus dem poetischen Potenzial des Zufälligen ein Programm zu machen. Daher könnte das Zusammentreffen auch kein Zufall sein. Etwas Atmosphäre aus Erin Morgensterns „Nachtzirkus“ spielt mit, wenn mit Licht, Ton und Akrobatik der eigenen, verspielt-melodramatischen Art scheinbar Naturgesetze ausgehebelt werden.

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Anders als beim herkömmlichen Zirkus sind Lichtregie und Stückwahl in der Traumfabrik auf Augenhöhe mit dem Akrobaten und selten sieht man die Bewegungen so genau abgestimmt mit der Musik. Zum ersten Mal gastierte die Traumfabrik nicht in Augsburg, sondern im Zuge der Theatersanierung in der Stadthalle Gersthofen, dafür schlug das Team um Rainer Pawelke, nun am Schluss ihrer Gastspielreise, ein ganzes Wochenende lang hier die Zelte auf. Jede Vorstellung war nahezu ausverkauft.

Im Grunde sind es traditionelle Künste, die gezeigt wurden: Jonglage, Clownerie und Comedy, Pantomime, Balancierkunst, Akrobatik und Tanz. Doch ihre Präsentation und Einbettung, manchmal auch die Kombination, macht die Traumfabrik zu einer Fantasie-Gesamtkunst-Show, die noch dazu ohne eigenes Zelt touren kann. Die vier Jonglier-Weltmeister von Jonglissimo etwa sind nicht nur tatsächlich Gewinner der Jonglage-WM, sondern kombinierten ihre verblüffende Kunst mit Leuchtkeulen oder Lightpainting. Der akrobatische Anteil trat hinter der Schönheit der sichtbar gemachten Wurf-Bewegungen zurück und wird fast sublimiert. Dass ein Jonglieren im Dunkeln nicht gerade leichter ist, sei anbei bemerkt. Auch die Musik war oft eine Collage aus Klassik, aus Vivaldi oder Mozart und moderner bis ultra-perkussiver Techno-Musik oder Metal.

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Nina Hagens ironisch überdeklamiertes „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ sangen die leuchtend roten Lippen, die aufgrund ihrer Farbe näher schienen, in der „Geisterstunde“, die aus virtuosem Zusammenspiel des unsichtbaren Teams und fluoreszierenden Linien spukhafte Symbiosen, Metamorphosen, Erscheinungen zauberte. Manche Ideen könnten aus dem Alltäglichen geboren sein, und es machte einen Teil des Charmes aus, dass die Traumfabrik auf den Zauber im Unscheinbaren verweist. Das „Windballett“ war eigentlich nur das Spiel hauchzarter Stoffe im Strom einer Ventilatoren-Runde. Doch die Flugfiguren entfalteten die Grazie von Balletttänzern, das Textil wirkte lebendig und die szenische Verbrämung mit Live-Geigenspiel und dem Oliver-Twist-Outfit Uta Kepplers entrückten in eine Traumwelt.

Auch Julie Lavergne begeisterte mit ihrem Cyr Wheel, dem übergroßen Reifen, seiner kreiselnden Rotation und der atemberaubend schwerelosen Balancier-Ästhetik. Jubel erhielten ebenso Les Vitaminés, zwei Tänzer-Akrobaten im urkomischen Pas de deux mit übergroßen Gummibällen und Boxhandschuhen, virtuosen Abläufen, meisterlicher Körperbeherrschung. Die hohe Kunst des Traumfabrik-Teams, die außerwirklichen Performances, das geschickte Konzept ergaben buchstäblich eine „Traumfabrik“, die höchste Anerkennung verdient.

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