Newsticker

Erneut mehr als 11.000 neue Corona-Fälle in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Tüftler verändern die Maibaum-Welt mit ihrer Erfindung

Kreis Augsburg

25.04.2015

Tüftler verändern die Maibaum-Welt mit ihrer Erfindung

Gleich steht er: Im vergangenen Jahr bewährte sich die Erfindung von Andreas und Bernhard Stöckle aus Wollbach.
Bild: Eberhard Thriemer

Tüftler aus der Region Augsburg haben eine hydraulische Hebevorrichtung erfunden, die einen Mai-Baum innerhalb von Minuten gefahrlos aufrichtet. So funktioniert das.

Gut möglich, dass die Maifeier an der Alten Schule in Wollbach einen Ansturm wie noch nie erlebt. Alle wollen die Konstruktion sehen, die die Maibaum-Welt revolutioniert: Eine Hebevorrichtung, die den Baum hydraulisch aufrichtet. Ein Traktor und 160 Bar Druck reichen dafür aus. Ausgetüftelt haben die Anlage Bernhard und Andreas Stöckle. Feuertaufe war vor einem Jahr.

Damals stellten die Stöckles den Stamm vor der eigentlichen Feier auf – nur zur Probe. Die Technik funktionierte und mancher Wollbacher wunderte sich: Ein nackter Maibaum – wie soll denn jetzt der Schmuck in die Höhe gebracht werden? Kurz darauf ließen die Tüftler den Baum wieder abkippen – unter großem Staunen.

Ursprünglich wollten die Stöckles, die im Ort einen Landmaschinen-Fachbetrieb haben, einen Seilzug entwerfen, der den Baum mit Muskelkraft in die Senkrechte bringt. Doch die Idee erwies sich als nicht praktikabel. „Da hätte man 6000 Umdrehungen gebraucht. Das ist nicht schaffbar“, erinnert sich Bernhard Stöckle. Zusammen mit Feuerwehrkameraden entstand dann die Idee zur hydraulischen Hebevorrichtung.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Neue Technik soll sicher sein

Der Baum wird in ein kippbares, etwa 1,50 Meter hohes Rohr geklemmt, aus dem er nicht ausbrechen kann. Die ganze Vorrichtung ist mit 28 einbetonierten Hülsen fest mit dem eigens statisch berechneten Fundament verbunden. Und die Hydraulik? Sie ist mit speziellen Sperrblock-Lastventilen ausgestattet. Das heißt: Wenn ein Schlauch platzt, dann steht alles still. „Da kann nichts passieren“, versichert Stöckle.

Der Druck für die Hydraulik wird über einen Traktor oder einen Unimog aufgebaut. Steht der Baum in der Senkrechten, dann wird die gesamte Halterung arretiert und die Hydraulik-Zylinder wieder eingefahren. Die Grube mit den selbst angefertigten Bodenzargen lässt sich danach komplett verschließen. Und niemand ahnt, welche Technik dahintersteckt. Und wie einfach das Aufstellen war. „Und wie sicher“, betont Stöckle.

Denn anders als mit dem Autokran oder mit den althergebrachten Scheren hält sich niemand im Gefahrenbereich auf. Ein weiterer Vorteil: Wenn ein Sturm den Baum an der Spitze beschädigt, dann muss er nicht mehr umgesägt werden. Mit der Hydraulik wird der Stamm einfach in die Waagrechte gebracht und repariert. Generell wird der Abbau leichter – oft fehlen ja die motivierten Helfer.

Für die Erfindung gibt es kein Patent

In die Serienproduktion gegangen ist die neue Hebevorrichtung nicht. Konkrete Nachfragen gab es auch noch nicht, sagt Stöckle. Dafür großes Interesse. Der Statiker, der die Berechnung für das Fundament mit mehreren Kubikmetern Beton erstellt hatte, sei von der neuen Konstruktion begeistert gewesen, berichtet Stöckle. Lob gibt’s auch von Feuerwehrkommandant Matthias Helmschrott: „Ein Meisterstück.“

Für die Konstruktion gibt es übrigens kein Patent. „Das geht nicht. Im Prinzip kann es ja jeder nachbauen“, meint Stöckle. Vielleicht ließe sich die Hebevorrichtung schneller und preiswerter als Gebrauchsmuster schützen.

Apropos Geschwindigkeit: Wie schnell der Maibaum aufgerichtet wird, lässt sich mit der neuen Erfindung steuern. So nehmen die Stöckles allen Zauderern den Wind aus den Segeln, die behaupten, dass Brauchtum eben auch seine Zeit brauche. Gegen Hydraulik ist jedenfalls kaum etwas einzuwenden: Schließlich funktioniert jeder Autokran damit.

Termin Der Wollbacher Maibaum wird am Donnerstag, 30. April, ab 15 Uhr geschmückt. Aufgestellt wird er ab 18 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren