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Gersthofen

27.11.2017

Über ein unglaubliches Leben, oft nah am Abgrund

Sieht auf diesem Bild ein bisschen nach Volkshochschul-Dozent aus, ist aber einer der bekanntesten Abenteuer der Welt: Reinhold Messner.
Bild: Marcus Merk

Reinhold Messner sprach in der Gersthofer Stadthalle über Berge, Tote und Schwimmflügel. Eine Geschichte ließ die meisten der gut 900 Besucher erschaudern

Der Beifall der rund 900 Menschen ist noch nicht richtig verklungen, da ist er schon auf dem Sprung. Reinhold Messner, grauer Bart, helles Jacket, schwarzes Hemd, eilt von der Bühne ins Foyer: Autogramme schreiben, Bücher signieren. Dazwischen noch rasch ein Blick zur Uhr: Halb elf ist’s am Freitagabend. „Mein Gott, schon wieder so lang,“ sagt der Südtiroler.

Wie soll es auch anders sein, wenn er erzählt über sein Leben, das er seit Jahrzehnten zu Markte trägt als Extrembergsteiger, Abenteurer, Buchautor, Medienstar und Museumsmacher? Messner, der mit acht Geschwistern „halb wild“ – wie er sagt – in den Südtiroler Bergen aufwuchs, hat einen unglaublichen Weg hinter sich. Dass er dabei nicht zu Tode kam, ist wesentlicher Bestandteil der Story, die auch am Freitagabend in der Gersthofer Stadthalle mehr als 900 Menschen hören wollen.

„Über Leben“ heißt der mit Lichtbildern und kurzen Filmeinspielungen garnierte Vortrag (es gibt auch einen gleichnamigen Buchtitel), in dem Messner erzählt, über sein Leben, übers Leben und eben übers Überleben.

Schon als Fünfjährigem nahmen in seine Eltern mit hinauf auf einen Dreitausender, als Jugendlicher versuchte er sich an immer schwierigeren Felswänden. Auf dem Weg zum Ruhm verlor der Extrembergsteiger am Nanga Parbat seinen Bruder Günther und überlebte selbst unter größten Strapazen nur mit knapper Not. Das Bergdrama war Stoff für Bücher, Filme und Prozesse.

Den heute 73-jährigen Messner hat es später immer wieder in die Nähe seines Schicksalsbergs gezogen. Überreste der Leiche seines Bruders gibt der Gletscher erst Jahrzehnte später frei, Messner zeigt ein Bild der Feuerbestattung vor Ort.

Reinhold Messner hat als erster Mensch der Welt und ohne zusätzlichen Sauerstoff alle 14 Achttausender der Welt bestiegen, er ist zu Fuß und „mit einem Schlitten im Kreuz“ 2800 Kilometer quer durch die Antarktis gezogen, hat die Wüste Gobi durchquert und Grönland. Vielleicht wäre er auch durch den Atlantik geschwommen, doch Schwimmen hat er die gelernt. Zum 70. habe ihm seine Tochter Schwimmflügel geschenkt, erzählt er.

Heute sieht er sich als Geschichtenerzähler

Messner, der Schlossherr, der Museengründer, der auch einmal ein paar Jahre für die italienischen Grünen im Europaparlament saß, sieht sich heute vor allem als Geschichtenerzähler, wie er sagt. Freilich ein Erzähler, der auch in reifem Alter durch steile Felshänge kraxelt. In seinen Schilderung übers Leben beschränkt sich der drahtige Mann nicht darauf, seine eigenen Erlebnisse zum Besten zu geben. Die Geschichte und Kultur der Bergvölker hat es ihm angetan und dabei sorgt er für den vielleicht größten Gänsehauteffekt in Stadthalle. Haarklein und mit Fotos schildert der 73-Jährige eine tibetische Himmelsbestattung. Ein Schaudern geht durch die Menschen in Gersthofen, als sie sich vorstellen, wie sich Geier Stück für Stücke eine menschliche Leiche holen. Messner dagegen sagt: „Ich für meine Person könnte mir diese Begräbnisart vorstellen.“ Nur mit dem Import der Geier könne es Schwierigkeiten geben. Aber so weit ist es noch nicht. Nach Gersthofen ging es nach Memmingen. Dort sprach Reinhold Messner am Samstag – vermutlich wieder zu lang.

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