1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Umgehung und Supermarkt: Umweltschützer fürchten um Wiesen

Dinkelscherben

13.07.2019

Umgehung und Supermarkt: Umweltschützer fürchten um Wiesen

Copy%20of%20Dinkelscherben_Flaechenverbrauch0015.tif
2 Bilder
Hier, auf den Wiesen rund um Dinkelscherben, leben geschützte Tiere, sagen Vertreter des Bund Naturschutz. Auch deshalb wollen sie eine Umgehungsstraße durch dieses Gebiet unbedingt verhindern. Konkret sind die Pläne dazu zwar noch nicht. Erste Überlegungen gibt es aber bereits. 
Bild: Andreas Lode

Der Bund Naturschutz kritisiert die Umweltpolitik in Dinkelscherben. Die Kommune sei ein Beispiel für den umweltfeindlichen Umgang mit Flächen.

Der Bund Naturschutz holt in Dinkelscherben zum Rundumschlag aus. Ein zusätzlicher Supermarkt, Gewerbegebiete, eine mögliche Umgehungsstraße – in der Marktgemeinde laufe einiges schief. Das sieht zumindest der Landesvorsitzende der Umweltschützer, Richard Mergner, so. Vor allem das Thema Flächenfraß werde in Dinkelscherben zum Problem.

Zum Beispiel auf der grünen Wiese am Ortseingang. Hier, neben Lidl und Netto, könnte bald noch ein Supermarkt sowie ein Drogeriemarkt entstehen – samt Parkplätzen. Mergner: „Wenn wir das zulassen, wird Dinkelscherben sein Gesicht verlieren.“ Es sei ein „Unding“, dass ein Supermarkt neben den anderen gestellt werde. Und das außerhalb vom Ort auf grüne Wiesen. Das sieht auch Kathrin Flinspach so. Sie ist Mitglied der Ortsgruppe des Bund Naturschutz. Wenn man zulasse, das hier ein Drogeriemarkt entstehe, gehen etwa zwei Hektar Wiese verloren. Dabei leben hier geschützte Insekten, sagt Flinspach. Außerdem sei die Wiese auch für den Hochwasserschutz wichtig.

Braucht es noch einen Supermarkt in Dinkelscherben?

Anders sieht das Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb. Er hält die zusätzlichen Geschäfte an dieser Stelle für „sinnvoll“. Schließlich müsse man sich am Verbraucher orientieren. Und der fordere schon seit Langem einen Drogeriemarkt. Außerdem belebe mehr Konkurrenz unter den Supermärkten in Dinkelscherben das Geschäft. Kalb befürchtet außerdem, dass der Investor in einer der Nachbargemeinden baue, wenn die Marktgemeinde den Antrag ablehne.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Aber müssen die Geschäfte auf der Wiese am Ortseingang entstehen? Der Bund Naturschutz schlägt eine Alternative vor. Die Gemeinde besitze ein großes Grundstück auf dem Gelände am Bahnhof. „Wir wollen, dass die Geschäfte im Ort bleiben“, Kathrin Flinspach. Hier wäre ein zusätzlicher Supermarkt sinnvoller. Kalb hingegen erklärt, dass es an diesem Standort an Parkplätzen fehle. Außerdem bringe das nur noch mehr Verkehr in den Ort.

Dabei seien die vielen Autos und Lastwagen, die täglich durch Dinkelscherben brausen, schon jetzt ein Problem, sagt Kalb. Vor Kurzem hat die Gemeinde eine Verkehrszählung in Auftrag gegeben. Noch liegen die Ergebnisse nicht vor. Doch sie gelten als entscheidend, für eine mögliche Umgehungsstraße. Sollte die Zählung ergeben, dass über die Hälfte aller Fahrzeuge bei einer Umgehungsstraße nicht durch den Ort fahren würden, könne man Fördergelder für den Bau der Straße beantragen, erklärt Kalb. Er gehe davon aus, dass eine Umgehung für „mehr Lebensqualität“ im Ort sorge.

Sie wollen eine Umgehung verhindern. Von links: Joachim Aumann, Richard Mergner Johannes Enzler, Verena Fischer und Kathrin Flinspach.
Bild: Andreas Lode

Naturschützer wollen Umgehung verhindern

Auch das sehen die Naturschützer völlig anders. Bis zu acht Hektar Land würde die Umgehung verbrauchen, rechnet Verena Fischer vom Bund Naturschutz Dinkelscherben vor. Auch hier gehe es um Wiesen, auf denen bedrohte Tiere leben. Kiebitze zum Beispiel. Auch Joachim Aumann vom Bündnis für Heimat und Umwelt ist ein erklärter Gegner der Umgehung. Schließlich sei nur einer kleiner Teil der Fahrzeuge, die jeden Tag durch den Ort fahren, Durchgangsverkehr. Eine Verkehrszählung aus dem Jahr 2009 habe ergeben, dass täglich 11 000 Fahrzeuge in Dinkelscherben unterwegs sind. „Zum Vergleich: In Diedorf sind es mehr als doppelt so viele“, sagt Aumann. Auch der Dinkelscherber Landwirt Hubert Lutz spricht sich gegen die Umfahrung aus. Er fürchtet, dass Landwirtschaft große Flächen verloren gehen. Dabei sei der Grund schon jetzt viel zu teuer. „Alle Landwirte in der Umgebung würde das treffen“, sagt Lutz.

Konkret sind die Pläne zu einer Umgehung allerdings nicht. Zunächst wolle man prüfen, ob sie überhaupt realisierbar sei, sagt Kalb. „Realistisch wird das vielleicht in zehn oder 20 Jahren.“

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren