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Landkreis Augsburg

23.06.2020

Verhindern die Corona-Regeln auch andere Infektionen im Augsburger Land?

Die Corona-Zahlen im Augsburger Land gehen gegen Null. Dämmen die Abstandsregeln auch andere Krankheiten ein?
Bild: Andrea Warnecke, dpa (Symbol)

Plus Die Corona-Maßnahmen schützen offenbar nicht nur vor dem Covid-19-Virus. Zahlen des Landratsamts bestätigen das. Überraschend ist die Zahl der Krankmeldungen.

Die Corona-Zahlen im Augsburger Land gehen mittlerweile gegen null. Die strengen Maßnahmen scheinen zu fruchten. Aber nicht nur Covid-19-Erkrankungen haben abgenommen: Laut Zahlen vom Gesundheitsamt haben sich zwischen März und Mai auch die Zahlen vieler anderer meldepflichtiger Krankheiten reduziert. Hier ein Blick auf die Lage.

Krankheiten im Augsburger Land: Weniger Fälle von Windpocken

Im vergangenen Jahr waren in dieser Zeit elf Keuchhustenfälle bekannt. 2020 waren es nur noch sechs. Ein Rückgang um etwa 46 Prozent. Hepatitisfälle haben sich um mehr als 57 Prozent reduziert (von 35 auf 15). Ein besonders starker Rückgang ist bei Windpocken zu verzeichnen. Dort gibt es nur noch rund 27 Prozent der Fälle von 2019 (von 63 auf 17). „Es liegt die Vermutung nahe, dass die Maßnahmen zur Eindämmung von Corona auch zur Eindämmung anderer Infektionskrankheiten beigetragen haben – insbesondere derer, die ebenfalls per Tröpfcheninfektion übertragen werden können“, schätzt Jens Reitlinger , ein Sprecher des Landratsamts.

Bild: Angelika Warmuth (dpa)

Das habe man auch in der Behörde selbst gemerkt: „Beobachten lässt sich das beispielsweise daran, dass sich die Zahl der Krankmeldungen wegen Erkältungskrankheiten im Landratsamt seit Einführung der übrigen Hygienemaßnahmen auf einem niedrigen Niveau bewegt“, beobachtet Reitlinger. In der Behörde gilt seit März eine Masken- und Abstandspflicht. Auch Desinfektionsmittel werden dort ausgegeben. Belastbare Zahlen gebe es aber nur zu nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtigen Krankheiten.

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Corona-Krise: Besucherverkehr in Arztpraxen hat abgenommen

Auch in den Arztpraxen hat der Besucherverkehr abgenommen: „Wir haben weniger Patienten als sonst um diese Jahreszeit“, sagt Bernhard Baur vom Diabeteszentrum Diedorf. Dazu komme auch eine jahreszeitlich bedingte Abnahme von Patienten. Nicht nur Infektionskrankheiten seien zurückgegangen. Es habe auch weniger Unfälle und Zeckenbisse gegeben: „Das liegt daran, dass die Leute weniger unterwegs waren“, meint er. Viele Ärzte beschreiben auch eine Scheu vieler Patienten, sich im Wartezimmer mit Corona anzustecken. Deswegen werde häufig auf einen Arztbesuch verzichtet. „Das ist natürlich nicht gut. Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig und Krankheiten sollte man schnell behandeln, sonst können sie verschleppt werden und verschlimmern sich“, erklärt Baur.

Der Arzt versucht, seinen Patienten die Angst zu nehmen, indem er Corona-Verdachtsfälle nicht in die Praxis lässt: „Ich sage ihnen, sie sollen im Auto bleiben und mache den Abstrich dort“, sagt er.

Apotheker im Augsburger Land verlieren Umsätze durch Corona

Auch Thomas Metz vom bayerischen Apothekerverband bemerkt einen Umsatzrückgang bei bayerischen Apotheken. Er zitiert Zahlen des Marktforschungsinstituts Insight Health, laut denen in der letzten Märzwoche 11,3 Prozent weniger rezeptfreie Medikamente verkauft wurden als im Vorjahr. Rezeptpflichtige Medikamente seien um 19,5 Prozent zurückgegangen. Sogenannte OTC-Medikamente, die zwar ohne Rezept zu haben sind, aber hinter dem Schalter aufbewahrt werden, sind sogar um 23,5 Prozent weniger verkauft worden. „Viele Leute haben sich im Februar bevorratet“, sagt er. Auch hier habe die Angst vor Ansteckung mit Corona eine Rolle gespielt. „Viele haben sich deswegen wohl gedacht: Den Schnupfen sitze ich aus“, beobachtet er.

Die AOK Bayern kann dieses Bild nicht bestätigen: „Uns liegt noch keine Auswertung nach Krankheitsursachen vor, aber schon jetzt lässt sich sagen, dass sich während der Hochphase der Corona-Pandemie deutlich mehr Versicherte krank gemeldet haben als in den Vorjahren“, so Dr. Annette Scheder, Gesundheitswissenschaftlerin bei der AOK Bayern.

Zuletzt gab es deutlich mehr Krankschreibungen im Landkreis Augsburg

Zwischen dem 16. März und dem 5. April habe es 54 Prozent mehr Krankschreibungen gegeben als im Vorjahr. Hier dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass Krankschreibungen bis Ende Mai per Telefon möglich waren. Die Zahl der Krankschreibungen habe sich in den Osterferien allerdings normalisiert und liege mittlerweile vier Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

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