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03.06.2020

Viel weniger Verkehr: So leer war die A8 zu Corona-Zeiten

Ein ungewöhnliches Bild hat unser Leser Herbert Kailich während der Corona-Ausgangsbeschränkung an einem Wochenende aufgenommen. Es zeigt die leere Autobahn A8 bei Zusmarshausen.
Bild: Herbert Kailich

Plus Während der Ausgangsbeschränkungen wurden auf der A8 in der Region hunderttausende Kilometer weniger zurückgelegt. Profitiert davon haben Anwohner und Umwelt.

Etwas Positives hatten die Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie für Stefan Vogg: „Es war deutlich leiser. Man konnte sogar die Vögel zwitschern hören“, sagt der Streitheimer. Vogg wohnt in der Nähe der A8 und ist vom Verkehr und den zahlreichen Unfällen auf der Autobahn genervt. Immer wieder beschwert er sich bei Politikern über die Lärmbelästigung und den Schleichverkehr nach Vollsperrungen. Vogg hat bereits dutzende E-Mails geschrieben, unter anderem an Verkehrsminister Scheuer. Darin fordert er ein Tempolimit für die A8. Davon erhofft sich der Anwohner weniger Verkehr - und weniger Lärm. Während des Corona-Lockdowns sei dieser Wunsch für kurze Zeit in Erfüllung gegangen.

„Es wäre gut, wenn wir dauerhaft für weniger Autoverkehr sorgen könnten“, sagt Vogg. Während den Ausgangsbeschränkungen in Bayern war dies der Fall. Dies belegen auch die Zahlen der Autobahndirektion an der Messstelle Zusmarshausen. In dieser Zeit sind deutlich weniger Autos vorbeigefahren. Im April fuhren durchschnittlich nur 29.000 Fahrzeuge pro Tag dort entlang. Im April vor einem Jahr waren es dagegen 71.700. Das bedeutet einen Rückgang um fast 60 Prozent.

Die Zahlen für März und Mai sind zwar weniger imposant – aber dennoch deutlich. Das liegt daran, dass die Beschränkungen nicht den ganzen Monat gültig waren. Im März reduzierte sich der Verkehr, im Vergleich zum Vorjahr, um rund 35 Prozent von 68.300 Fahrzeugen auf 45.000 Fahrzeuge. Und im Mai waren es circa 42 Prozent weniger Fahrzeuge. Statt 68.600 düsten lediglich 39.900 Autos und Lastwagen über die A8.

Stau auf der A8 - solche Bilder waren vor den Corona-Ausgangssperren an der Tagesordnung.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Besonders stark zurückgegangen ist der Verkehr am Ostersonntag. Während im Vorjahr noch 46.650 Fahrzeuge an dem einen Tag unterwegs waren, fuhren in diesem Jahr gerade einmal 7550 Fahrzeuge am Feiertag über die Schnellstraße. Dies bedeutet einen Rückgang um 84 Prozent. Das hängt laut einem Sprecher der Autobahndirektion vor allem mit der Reduzierung des Reiseverkehrs zusammen. Der Appell, auf Besuche und Ausflüge zu verzichten, hat offenbar gefruchtet.

Laut den Zahlen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union mit Sitz in Luxemburg, beträgt die Länge einer durchschnittliche deutschen Autofahrt etwa elf Kilometer. Demzufolge wurden allein im April auf der A8 bei Zusmarshausen mehr als 477.000 Kilometer eingespart. Eine Strecke, die fast zwölf Mal um den Äquator führt.

Allein bei Zusmarshausen wurden 477.000 Kilometer weniger gefahren

Würde diese Strecke mit einem Kraftfahrzeug zurückgelegt, hätte der Ausstoß an Treibhausgasen rund 46 Tonnen betragen. Dies belegen die Zahlen des Umweltbundesamts. Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts kostet eine Tonne CO2 etwa drei Quadratmeter Polareis. Das würde umgerechnet bedeuten, dass allein die Verkehrsreduzierung im April auf der A8 bei Zusmarshausen 140 Quadratmeter Polareis gerettet hätte, wenn ausschließlich Autos auf der A8 fahren würden.

Insgesamt ist die Ersparnis wahrscheinlich geringer, weil der Anteil an Auto stärker zurückgegangen ist, als der Anteil an Lastwagen, wie die Autobahndirektion mitteilt. Diese stoßen deutlich mehr Treibhausgase aus.„Der Güterverkehr fährt natürlich trotz Ausgangsbeschränkungen. Sonst sind irgendwann die Supermarktregale leer“, erklärt der Sprecher der Autobahndirektion, Josef Seebacher. Zusätzlich habe der durch den reduzierten Verkehr gewonnene Freiraum auf den Autobahnen zu höheren Geschwindigkeiten geführt. Das habe wiederum einen höheren Benzinverbrauch und damit mehr Emissionen zur Folge.

Die A8 ist eine stark befahrene Verkehrsroute. In Corona-Zeiten hat sich das geändert.
Bild: Ulrich Wagner

Seitdem die Ausgangssperren gelockert wurden, sind die Verkehrszahlen noch nicht auf das Normalmaß zurückgekehrt. Am 25. Mai fuhren 51400 Fahrzeuge an der Messstelle vorbei. Im Jahr zuvor waren es an diesem Datum 69.000. Das entspricht einem Rückgang um 26 Prozent. Laut Seebacher fahren aktuell sogar elf Prozent mehr Lastwagen als letztes Jahr um diese Zeit. Er führt das auf Nachholeffekte nach den Öffnungen zurück.

Polizei rechnet nun mit mehr Unfällen auf der A8

Josef Sitterer von der Autobahnpolizei in Gersthofen führt die fehlende Menge an Verkehrsteilnehmern restliche Diskrepanz vor allem auf den Mangel an grenzüberschreitendem Verkehr zurück. Er rechnet mit mehr Unfällen, nachdem diese während den Ausgangsbeschränkungen deutlich zurückgegangen waren: „Verkehrsunfälle steigen zusammen mit dem Verkehrsaufkommen. Das ist ein proportionaler Zusammenhang“, erklärt er.

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