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Pandemie

28.08.2020

„Viele haben Angst zu reisen“

Wie die Kunden in den Reisebüros auf die Urlaubswarnungen für immer mehr Länder reagieren

Die zunehmenden Reisewarnungen für Länder in Europa verunsichern die Urlauber. Das bekommen auch die Reisebüros im Augsburger Land zu spüren. Wir haben nachgefragt, wie die Kunden auf die Pandemie reagieren.

Die finanzielle Lage bei Eva Maria Schneider ist angespannt. Sie ist Inhaberin des Reisebüros Stiller in Stadtbergen und vermittelt vor allem Kreuzfahrten. Die Schiffe ankern momentan meist in den Häfen. Hinzu kommt die Verunsicherung der Kunden, die nicht wissen, wohin sie reisen können: „Man muss von Woche zu Woche schauen, welche Reisen möglich sind.“ Insgesamt sei die Reiselust gebremst. „Wenige sitzen gerne mit der Maske im Bus oder im Flieger“, sagt die Tourismus-Fachwirtin.

Beim Reisebüro Riss in Gersthofen ist das anders, hier seien die Kunden weniger verunsichert:„Wir haben unsere Kunden frühzeitig informiert, dass Sie umbuchen oder doch reisen können“, sagt Gabriele Riss. Innerdeutsche Reisen sieht sie kritisch: „Urlaub in Deutschland, wie Markus Söder ihn fordert, kann sich nicht jeder leisten, vor allem den Familienurlaub nicht.“ In anderen Ländern ist der Urlaub angenehmer: „Meine Tochter ist gerade in Griechenland, so einen entspannten Urlaub hat sie noch nie gehabt. Die Strände sind fast leer, die Strandliegen haben einen Sicherheitsabstand. Das Essen wird in Buffetform durch das Personal gereicht.“ Die Reiseziele Griechenland und Italien seien derzeit bei den Urlaubern sehr beliebt.

Griechenland empfiehlt auch Andreas Stetter, der das Reisebüro Reisewelt24 mit Sitz in Gersthofen und Meitingen leitet. Trotzdem seien seine Kunden sehr verunsichert: „Viele haben Angst, dass es so kommt wie auf Mallorca und es während des Urlaubs eine Reisewarnung gibt.“ Reisebüros hätten es zurzeit schwer: „Wir haben seit November kein Geld verdient“, sagt Stetter. Wenn eine Reise storniert wird, geht das Geld zurück zu den Anbietern, die Reisebüros gehen leer aus. Dadurch haben viele Reisebüros Mehrarbeit, an der sie nicht verdienen. Stetter stört das Image, das Auslandsreisende zurzeit haben: „Steigende Infektionszahlen werden häufig nur auf Reisende zurückgeführt, dabei sind es laut RKI aktuell etwas unter vierzig Prozent. Mehr als die Hälfte hat sich im Inland angesteckt“, sagt Stetter.

„Ich glaube, man steckt sich eher in Deutschland an, als auf Mallorca“, sagt auch Petra Kaddur, Inhaberin eines Reisebüros in Schwabmünchen. Sie verweist auf volle Strände an Nord- und Ostsee. Urlaub im Ausland ist aus ihrer Sicht vor allem wegen der Flüge problematisch: „Das Ansteckungsrisiko im Flieger ist tendenziell größer, als im Urlaub an den Stränden.“

Problematisch ist auch die Entwicklung des Geschäfts. Momentan verdiene sie gar nichts, weshalb sie ihre Tochter, die einzige Angestellte, schon im März in komplette Kurzarbeit geschickt habe. Wie es in der Branche nun weitergeht, weiß Kaddur nicht. „Vor Frühjahr nächsten Jahres wird nicht mehr viel kommen“, vermutet sie. Im Herbst würden vielleicht noch einige Urlauber nach Griechenland reisen. "Aufgefallen

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