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Kutzenhausen

27.09.2019

Vom Jeep der US-Army bis zum Bauernschlepper

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3 Bilder
Der Vereinsvorsitzende der Oldtimerfreunde Kutzenhausen, Gregor Winkler, am Steuer eines US-Militärjeeps aus dem Jahr 1965.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Die Oldtimerfreunde Kutzenhausen haben nicht nur Freude an ihren Schmuckstücken. Sie wollen ihr Wissen auch sammeln und weitergeben.

Wenn Gregor Winkler die Tore seiner Halle öffnet, leuchten seine Augen. In Reih und Glied stehen dort historische Fahrzeuge. Ein Opel Kadett A, Baujahr 1962, ein NSU- und DKW-Motorrad aus den Anfängen der 1950er-Jahre bis hin zu einem Jeep der US-Army und eine Vielzahl alter landwirtschaftlicher Maschinen.

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Der Vorsitzende der Oldtimerfreunde Kutzenhausen hat seine Leidenschaft für die alten Sammlerstücke schon in jungen Jahren entdeckt. Ähnlich sei es bei den Vereinsmitgliedern. Dabei seien die Gründe für die Anschaffung eines Oldtimers ganz verschieden. „Sie resultieren aus den Erfahrungen, die man persönlich mit alten Autos und Geräten gemacht hat“, erzählt Winkler. Technisches Interesse habe ebenfalls einen hohen Stellenwert wie das Besitzen eines etwas anderen Fortbewegungsmittels. Bei vielen sei einfach auch nur ein Oldtimer der Eltern oder Großeltern vorhanden.

Winklers erstes Stück war eine Zündapp Super Combinette aus dem Jahr 1962 mit 50 Kubikzentimeter Hubraum. „Ich habe sie mit 14 Jahren von einem Bekannten im Dorf erstanden.“ Wegen des fehlenden Führerscheins musste damals noch sein Vater unterschreiben. „Bis sie zum Einsatz kam, stand sie drei Jahre im Dachboden.“

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Eine Zeitreise durch die Automobilgeschichte

So wie bei ihm weisen bei etlichen Mitgliedern die Sammlerstücke eine Zeitreise durch die Automobilgeschichte auf oder sind ein illustres Abbild landwirtschaftlicher Vergangenheit. Die Palette könnte nicht unterschiedlicher sein. „Bei den Motorrädern reicht sie von den gängigen Marken NSU und DKW bis hin zu weniger bekannten Modellen wie eine Tornax K20, Baujahr 1937“, sagt Winkler. Bei den Autos seien ein Militärjeep ebenso vorhanden wie die Fahrzeuge der sogenannten Wirtschaftswunderzeit, also Käfer, Borgward Isabella, NSU-Prinz, Goggomobil, Lloyd oder Fiat 600.

„Gleichzeitig sind bei den Oldtimerfreunden alte landwirtschaftliche Fahrzeuge und Gerätschaften nicht wegzudenken“, sagt der Vereinschef. Als Beispiel dafür nennt er einen Deutz F1M414, Baujahr 1958. Landläufig als Bauernschlepper oder Elfer-Deutz. Er stellte damals eine große Hilfe für kleine landwirtschaftliche Betriebe dar. Ähnlich wie der Schmotzer Kombi Rekord, der wenig Zugkraft, aber Präzisionsarbeit vereint. „Er besitzt neben einem mittig platziertem auch jeweils ein seitlich positioniertes Lenkrad“, so Winkler. Durch die Sitzposition außen habe sich dem Fahrer eine wesentlich bessere Übersicht beim Ziehen schnurgerader Reihen geboten. „Vorteile, auf die einst vor allem Saatzüchter und Gemüsebauer Wert gelegt haben.“

2001 organisierte der neue Verein das erste eigene Oldtimertreffen

Den heute 74 Mitglieder umfassenden Verein Oldtimerfreunde Kutzenhausen gibt es seit September 1998. Zuvor hatten sich einige junge Männer auf dem Weg zu einem Oldtimertreffen gemacht. Danach regten sie an, einen eigenen Club zu gründen. 2001 organisierte der neue Verein um die Gemeindehalle in Kutzenhausen das erste eigene Oldtimertreffen. Drei Jahre später ging man in die zweite Runde, diesmal am Zirkuszelt in Buch.

Zum zehnjährigen Bestehen verständigten sich die Mitglieder auf ein anderes Konzept: weg von der grünen Wiese und hin in den Bucher Ortskern. Diese Neuorientierung bewährte sich. Beim Oldtimertreffen vor einigen Wochen kamen 320 Aussteller, die die Veranstaltung zu einem kleinen, mit vielen Emotionen behafteten Mekka für Fans, Sammler und Schraubern machten.

„Einen Oldtimer muss man nicht sein Eigen nennen, um Mitglied zu werden“, betont Winkler. Allein die Freunde, Altes zu bewahren, sich für historische Technik zu interessieren oder sich an Geschichten aus dem Alltag zu begeistern, als die Oldtimer noch regelmäßig in Einsatz waren, reiche aus.

Fast jedes Wochenende in Sachen Oldtimer unterwegs

Winkler ist stolz, dass der Verein sehr unterschiedliche Mitglieder aufweist. „Das älteste ist 85, das jüngste 20 Jahre“, berichtet er. „Manche sind nur wegen des gemeinsamen Interesses oder der Geselligkeit dabei.“ Andere seien dagegen fast jedes Wochenende in Sachen Oldtimer unterwegs. „Im Mittelpunkt stehen bei den Treffen aber immer die Fahrzeuge und Geräte, Restaurationsfragen und die Beschaffung von Ersatzteilen.“

In diesem Zusammenhang verweist Winkler auf den Vereinsgrundsatz: den Erhalt von alten Gerätschaften, Maschinen und Fahrzeugen aller Art. Dazu gehöre auch das Wissen über deren Bedienung, merkt er an. „Die wollen wir sammeln und an Interessierte weitergeben, damit Menschen auch in Zukunft einen Bindemäher bedienen oder beim Dreschwagen die richtige Drehzahl am entsprechenden Klang erkennen können.“

Billig sei dieses Hobby nicht. „Die Kosten variieren natürlich extrem“, sagt er. Ein altes Fahrrad sei anders zu bewerten als ein Fahrzeugschatz aus der automobilen Ecke. „Da ist unser Mitgliedsbeitrag noch die günstigste Komponente“, sagt Winkler und lächelt.

  • Kontakt Die Oldtimerfreunde Kutzenhausen sind zu erreichen über den Vereinsvorsitzenden Gregor Winkler unter Telefon 08236/9624220 oder per E-Mail unter info@oldtimerfreunde-kutzenhausen.de.
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