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Fund

05.11.2013

Von Russland nach Streitheim

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Das 508 Gramm schwere Stück eines Meteoriten stürzte am 15. Februar bei Tscheljabinsk ab. Dunkel ist die Schmelzkruste, das helle Teil ist das „Fenster“. Im Hintergrund eine Karte, auf der Karl Wimmer die Flugkurve der Steine erfasst hat. Im Fallen wurde der Stein vom Wind abgelenkt, deswegen machte er scheinbar einen Haken.

Martin Mayer hat ein Meteoritenstück aus Tscheljabinsk erstanden, ein ganz besonderes Stück

Zusmarshausen-Streitheim Dieser schwarze Brocken hat vielleicht etwas mitgemacht. Erst im Weltall unterwegs und dort mit einem anderen Meteoriten zusammengekracht, am 15. Februar mit voller Wucht in Russland abgestürzt, danach zugeschneit, Mitte April gefunden worden und schließlich per Post nach Nördlingen geschickt. Dr. Karl Wimmer aus Nördlingen hat den 508 Gramm schweren Brocken für den Leiter der Sternwarte Streitheim erstanden. Nun nahm Martin Mayer den schwarzen Stein sichtlich gerührt in Empfang. Er hat auch schon einen Platz in seiner Sternwarte dafür vorgesehen.

Der Meteorit, der Mitte Februar bei Tscheljabinsk, rund 1500 Kilometer östlich von Moskau einschlug, hatte eine gigantische Explosion und eine mächtige Druckwelle ausgelöst. Noch heute, ein gutes halbes Jahr später, sind nicht alle Schäden behoben, erzählt Wimmer. Auch das Nördlinger Rieskratermuseum hat einen der Funde, jedoch sei der nicht so groß wie Mayers. „Du hast weit und breit das größte Teil des Tscheljabinsk-Meteoriten“, hob Wimmer bei der Übergabe hervor. Der Stein, für den Laien ein faustgroßer, dunkler Klumpen, verrät dem Fachmann seine ganze Vergangenheit. Ein „Fenster“ nach innen, wo etwas Kruste fehlt, offenbart Schockadern, die vom Aufprall im All stammen. Wimmer weiß auch, in welcher Position er durch die Atmosphäre schoss und dass der Stein auf der Erde eine Birke streifte, bevor er auf den Boden fiel. Weil das Metoritenstück erst im Frühjahr, nach der Schneeschmelze entdeckt wurde, hat er ein paar Rostflecken „Aber das trägt zum Charme bei“, meinte Wimmer, der das wertvolle Stück nur mit Handschuhen berührte. Er und der Leiter der Sternwarte in Streitheim sind seit Jahren befreundet, die beiden waren beim Fall Neuschwanstein, einem Meteorit, der 2002 bei Schloss Neuschwanstein herunterfiel, „Streitgefährten“, sagte Wimmer.

Martin Mayer bedankte sich bei Wimmer für dessen „große Tat: Er hat ermöglicht, dass ich diesen Stein bekommen kann“. Das sei nicht selbstverständlich. Wimmer hatte über das Internet recherchiert und mit dem Finder des Steins in Russland Kontakt aufgenommen, den gewünschten Betrag bezahlt und dann gehofft. „Der Finder hat mir den Stein über den Zoll geschickt, das hat schon gedauert, aber Gott sei Dank geklappt“, sagte Wimmer immer noch erleichtert.

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Der Meteorit soll in der Pergola der Volkssternwarte ausgestellt und von drei Seiten beleuchtet werden, kündigte Mayer an. „Ein Meteorit ist etwas Handgreifliches. Wenn die Menschen so etwas fühlen, dann spüren sie etwas, das wesentlich weiter weg war, als der Mond es ist“, betonte er.

Sonderausstellung Im Rieskratermuseum in Nördlingen ist noch bis Sonntag, 24. November, eine Sonderausstellung über den Meteoritenfall im Februar zu sehen: „Chelyabinsk 2013 – Warnschuss aus dem All?“ Das Museum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 12 und von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet.

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