Die mächtige Tür der Wallfahrtskirche Biberbach knarzt, wenn sie sich dem Besucher öffnet. Dahinter wartet eine Fülle von Geschichten aus vielen Jahrhunderten darauf entdeckt zu werden. Eine Menge über die Entstehung der Kirche und der Wallfahrt zum „Liaben Herrgöttle von Biberbach“ erzählen die Ministranten Paula und Benedikt jedem, der ein internetfähiges Handy oder Tablet dabeihat. Den QR-Code vom neuen Kinder- und Familienkirchenführer eingelesen und schon kann es losgehen mit der Reise in die Vergangenheit an 12 Stationen.
„Wir überlegten, wie ein kindgerechter Kirchenführer aussehen müsste“, beschreibt Markus Halder vom Arbeitskreis Ehe und Familie der Pfarrgemeinde die erste Ideensammlung. Ein Audioguide soll es sein, wurde schnell beschlossen. Doch die Umsetzung stellte die Macher vor eine Herausforderung. Fünfstellig wären die Kosten gewesen, hätte man Profis damit beauftragt. Keine Option, war klar. „Dann müssen wir eben selbst lernen, wie es geht“, stand für die Aktiven im Arbeitskreis fest. Bei Vhs- Kursleiter Michael Daum gingen Mechthilde Eder, Silke Jarasch, Angelika Breit und Markus Halder in die Lehre. Mit Begeisterung schlossen sich Pfarrer Ulrich Lindl, Katharina Motzet und Klaus Gerstmayr an und alle übten gleich mal ihre Sprecherqualitäten. Ergänzt wurde das Sprecherteam von Pater Jan Wojcik und Andrea Steger. Die Ministranten Paula und Benedikt sind Paula Huber und Benedikt Halder.
Anni Fries, die Kirchenführungen speziell für Kinder anbietet, lieferte die Idee für die häppchenweise Präsentation der Informationen an zwölf Stationen. Wie das Herrgöttle nach Biberbach kam, wird in kurzen Hörsequenzen ebenso erzählt wie davon, wie sich die berühmte Wallfahrt entwickelte. Der Orgelwettstreit, den sich der junge Wolfgang Amadeus Mozart mit einem Biberbacher Wunderkind lieferte, wird lebendig und die Bedeutung der Votivtafeln erklärt. Sogar einem Pilger auf seiner langen Reise auf dem Jakobsweg begegnen die Besucher.
Ein gutes halbes Jahr waren sie beschäftigt und sind mit Recht stolz auf das „komplett selbst gemachte“ Ergebnis. Der liebevoll von Kati Bayer gestaltete und mit Fotos von Heinz Kraus bebilderte Faltführer liegt nun im Kirchenraum aus. Um die Technik der Verbindung zwischen dem Lesen und dem Hören hat sich Roland Rataj gekümmert. Nach dem Auslesen des QR-Codes wird der Führer zum hörbaren Geschichtsbuch. Wer gut aufgepasst hat, der kann die Fragen auf der mitgelieferten Rätselkarte ausfüllen und mit dem richtigen Lösungswort eine kleine Überraschung gewinnen.
Viel näher als bisher können die Besucher dem Herrgöttle und der prächtigen Ausstattung der Kirche ab dem Fest der Kreuzerhöhung am 15. September kommen. Nachdem Maßnahmen getroffen wurden, um die Votivtafeln und Figuren vor Diebstahl zu schützen, werden die Gitter, die den Kirchenraum außerhalb der Gottesdienste bisher unzugänglich gemacht haben, geöffnet bleiben. „Wir möchten die Menschen einladen und die Wallfahrt beleben“, freut sich Pfarrer Ulrich Lindl auf viele Pilger. Und auf die Kinder mit ihren Familien. Die dürfen auch gerne seine Klingel am Pfarrhof drücken und wenn er daheim ist, dann macht er auch auf, versprechen Paula und Benedikt ihren neuen Freunden.