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Gablingen

17.05.2019

Warum Hubert Liebherr auf 100 Millionen Euro verzichtete

Hubert Liebherr hat alles verlassen um für seinen Glauben zu leben. Sein Ort des Friedens ist Medjugorje in Herzegowina, der meist besuchte Wallfahrtsort der Katholiken weltweit.
Bild: Diana Zapf-Deniz

Das Leben des Unternehmers veränderte sich nach einem Unfall komplett. In Gablingen erzählt er, wie er ohne Geld sein Glück fand.

Was ist wahrer Reichtum? Diese Frage stellt sich beinahe von selbst, wenn man zwei Brüder vergleicht, die vom materiellen Vermögen unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Willi Liebherr zu den reichsten Menschen der Welt zählt (Platz 240 in der Forbes Liste), besitzt sein Bruder Hubert Liebherr kein finanzielles Vermögen. Wie und warum es dazu kam, erzählte der Jüngste der fünf Liebherr-Geschwister im Pfarrsaal der Gemeinde Sankt Martin in Gablingen.

Pfarrsaal Gablingen ist prall gefüllt

Das Interesse an seiner Geschichte ist groß und der Saal prall gefüllt. Es ist die Geschichte eines Mannes, der im katholischen Glauben erzogen wurde, den Weg völlig verließ, später zurückfand und drastische Änderungen in seinem Leben vornahm. Hubert Liebherr wurde am 25. September 1950 in Memmingen geboren. Bis 1988 war er als Mitgesellschafter der Liebherr-Werke (Baumaschinen, Flugzeugausrüstung, Kühl- und Gefriergeräte und Werkzeugmaschinen) tätig. Nach einem Autounfall im Jahr 1981 begann seine Bekehrung, in deren Folge er auf sein Erbe verzichtete und sich ganz in den Dienst Gottes stellte. „Hätte man mir vor 30 Jahren gesagt, dass ich in einem Pfarrsaal Glaubenszeugnisse geben würde, hätte ich gesagt, dass ich das niemals mache“, beginnt Liebherr, und er fährt fort: „Aber der Mensch denkt – und wer lenkt?“

Er berichtet, wie seine Eltern nach dem Krieg in einer Zwei-Zimmer-Baracke im Illertal bei Ulm lebend, den Liebherr-Konzern aufbauten, das Gebet zu Hause stets wichtig war, ebenso der sonntägliche Kirchgang. Als er 1968 ins Internat nach Heidelberg kam, sah er sich auch mittendrin in der Zeit der Auflehnung gegen Ordnung: „Wir wollten die ganze Welt verändern, nur nicht uns selbst. Es herrschte ein Geist der Überheblichkeit, Arroganz und Selbstgerechtigkeit.“ Davon distanziert sich Liebherr heute völlig: „Ich verändere die Welt und fange bei mir an. Und da ist nichts fertig. Aber auch gar nichts.“

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Die sexuelle Revolution nahm er einst ebenso mit. „Ich war alles andere als frei und wurde von meinen inneren Trieben getrieben.“ Der heutige Zeitgeist sei nicht anders und führe uns in die Abhängigkeit unserer Schwächen.

Nach dem Abitur und dem Studium war er vier Jahre in Algerien. Er errichtete für seinen Vater eine große Fabrik und brachte sie zum Laufen. Während dieser Zeit durchquerte er die Sahara, übernachtete unter freiem Himmel und war fasziniert: „Woher kommt die unglaubliche Schönheit der Sterne?“

Da war sie erstmals, die Frage nach einem Schöpfer. „Von nix kommt nix, und nix isch nix.“ Der sympathische Mann mit seinen vielen Lachfältchen im Gesicht verfällt beim Erzählen gerne ins Schwäbeln und freut sich, wenn er im Schwobaländle nichts übersetzen muss.

Ein schwerer Autounfall war der Auslöser

Als er 1981 in einen schweren Autounfall verwickelt wurde, fuhr er immer wieder hin zu dieser Stelle. Eines Tages bemerkte er eine Kapelle unweit vom Unfallort und ging hinein. Das war der Beginn seines Glaubensweges. 1987 war seine Wallfahrt zu Fatima. Während er zu seiner ersten Wallfahrt mit dem Privatjet hinflog, waren alle Wallfahrten von da nur noch zu Fuß. Insgesamt 5000 Kilometer.

Sein Begleiter war oftmals Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin, der Urenkel des Luftschiffbauers. Beiden ist der Glaube Lebenselixier. Über Albrecht, wie er seinen Freund nennt, kam er nach Medjugorje in Herzegowina, ein sehr gut besuchter Wallfahrtsort. Dort erlebte Liebherr alles, was ihn dazu brachte, auch wirklich alles Materielle aufzugeben. Er kehrte zu seinem Vater nach Hause zurück, gab seinen bereits überschriebenen Erbanteil – umgerechnet etwa 100 Millionen Euro – zurück und verzichtete auf sein Erbe. Sein Vater, Hans Liebherr, war erst nicht erfreut, sagte dann aber: „Wenn es dein Weg ist, gehe ihn.“ Liebherr ist heute der Vorsitzende des Vereins Medjugorje Deutschland.

Regelmäßige Zahlungen

Es wurde vereinbart, dass Hubert und seine Frau bis zu ihrem Lebensende eine regelmäßige Zahlung erhalten. „Das ist der Grund, warum ich heute alles ehrenamtlich machen kann“, erklärt Liebherr. Er wollte nichts haben, wofür er nichts tut und hat großen Respekt vor seinen Geschwistern, die täglich sehr hart im Konzern arbeiten, der über 46000 Mitarbeiter zählt und 2018 einen Umsatz von gut zehn Milliarden Euro einfuhr.

Er ist mit seiner Frau nach wie vor verheiratet. Sie hatte ihm aber schon 1993 den Rücken gekehrt und so lebe er im unfreiwilligen Zölibat, schmunzelt er. Viele Freunde und Bekannte erklärten ihn für verrückt, hätten ihn gerne beim Psychiater gesehen und nahmen ihn nicht ernst. Aber für ihn gab es keinen anderen Weg. „Die zehn Gebote sind die beste Betriebsanleitung, um glücklich zu sein.“

Ein Priester sagte ihm, dass er so viel Gnade von Gott erhalten habe und diese nicht für ihn alleine sei. Das ist der Grund, warum er heute, wann immer es gewünscht wird, Vorträge hält, in der Schweiz ins Auto steigt und losfährt. Die Technik begeistert ihn noch immer, verrät er: „Ich muss oftmals am Straßenrand anhalten, wenn ich eine neue Baumaschine sehe.“

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22.05.2019

Er wurde vom Saulus zum Paulus. Es ist auch eine Gnade das Geld den Armen zu spenden.Viele reiche Menschen haben verlernt wie man sein Geld richtig spenden kann. Ich lebe von 650 Euro Rente doch wenn jemand meine Hilfe braucht dann helfe ich auch. Im Leben ist alles nur geliehen,denn der Tod kennt weder Arm noch Reich. Herr Hubert Liebherr auf Millionen zu verzichten ist das eine ,aber seine Millionen den Armen zu spenden das zeigt Größe. Der weg zu Gott führt nicht über den Reichtum oder über einen Autounfall.sondern der Weg zu Gott führt über das teilen. Jeden Tag sterben tausende Menschen an Hunger und sie hätten mit
ihren Millionenverzicht das Unrecht lindern können. Jeder Mensch kann tun und lassen was er will mit seinem Reichtum. doch ich hätte das Geld für die armen Menschen gespendet

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