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Gersthofen

31.10.2019

Was bedeutet Europa für die Jugend?

An der Mittelschule in Gersthofen haben die Schüler mit dem Europaabgeordneten Markus Ferber über die Situation in Europa gesprochen.
Bild: Marcus Merk

An der Gersthofer Anna-Pröll-Mittelschule spricht der Europaabgeordnete Markus Ferber mit den Schülern über ihre Sicht auf die Europäische Union.

Wenn ein Europaabgeordneter mit Schülern über Politik sprechen will, dann ist der Ausgang dieser Diskussion oftmals unsicher. Was frage ich einen Berufspolitiker? Gibt es überhaupt dumme Fragen? Und wie betrifft mich eigentlich die Politik im Alltag? Fragen, die sich Schüler angesichts ihres Gesprächspartners sicherlich im Vorfeld gestellt haben. Als der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber an der Anna-Pröll-Mittelschule in Gersthofen für eine Diskussionsrunde zu Besuch war, zeigte sich: Für die Schüler spielt Europa in vielen Lebensbereichen eine große Rolle.

Wofür stehen die zwölf Sterne auf Flagge der EU?

Die Schule ist geschmückt mit den Flaggen der 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – die Flagge mit den prägnanten goldenen zwölf Sternen auf blauem Grund hänge aber verkehrt herum, stellte Ferber eingangs fest: „Die Zacken sollten nach oben zeigen.“ Er erklärte die ursprüngliche Bedeutung der Sterne: Als Symbol der Vollkommenheit stehen sie für die Einigkeit zwischen Staaten und Völkern. Die Aufmerksamkeit der Schüler war Markus Ferber danach gewiss. Er berichtete, wie er seit Beginn der 90er-Jahre Europa erlebt hatte. Eine Politik aus einer Zeit, in der es noch keinen Euro, noch Grenzen zwischen den europäischen Staaten und nur zwölf Mitglieder als Teil der EU gab. Für die um die Jahrtausendwende geborenen Schüler eine Zeit, die sie nur aus Erzählungen kennen.

Die Mittelschüler erleben heute, rund 30 Jahre später, ein anderes Europa: keine Grenzen auf der Durchreise durch Europa, eine einheitliche Währung, überall Handyempfang, aber auch der schnelle Weg ins Ausland durch Schüleraustausch. In einem Video erzählten mehrere Schüler von ihren Erfahrungen. „Für mich bedeutet Europa Vielfalt, unterschiedliche Kulturen und das Zusammentreffen vieler Menschen“, erzählten einige auf Englisch. Für die Gersthofer Mittelschule spielt die Vernetzung mit anderen europäischen Schulen nämlich eine wichtige Rolle. So leben im Zuge des Erasmus-Programms die Jugendlichen während eines Schüleraustauschs in Gastfamilien – beispielsweise in Frankreich, Zypern, Spanien oder Bulgarien.

Was bedeutet Europa für die Jugend?

Migrationshintergrund der Schüler spielt bei Europapolitik eine wichtige Rolle

Bei der anschließenden Fragerunde der Schüler spielte dann der eigene Migrationshintergrund eine große Rolle. So fragte ein Schüler nach Ferbers persönlicher Einstellung zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Ferber nutzte die Frage des Schülers, um die Beitrittsanfrage der Türkei zu thematisieren und sagte: „Mitglied werden dürfen nur demokratische Rechtsstaaten, die Teil Europas sind und das EU-Recht übernehmen sowie dem Druck des europäischen Binnenmarkts bestehen können.“ Ob das bei der Türkei der Fall sei, fragte Ferber in die Runde. Ein leises Murmeln war die Antwort, als Ferber auf die fehlende demokratische Basis im Land und die instabile Währung hinwies.

Langsam verloren die Schüler die anfängliche Scheu vor dem Europapolitiker, ihre Fragen betrafen immer mehr aktuelle politische Problembereiche. So wollte eine Schülerin wissen, wie Ferber die Klima-Debatte um Greta Thunberg bewerte. „Die Intention stimmt zweifellos, aber ich frage mich, ob es in dieser Radikalität sein muss“, sagte Ferber und fügte an: „Ich würde es begrüßen, wenn die Demos nach der Schulzeit stattfinden würden.“

Schüler interessiert Markus Ferbers persönliche Einstellung zu aktuellen politischen Fragen

Ebenso interessierten sich die Gersthofer für die Austrittsverhandlungen Großbritanniens. „Wer hat Schuld am Brexit?“, wollte eine Schülerin wissen. Ferber sieht die Schuld in der Regierungszeit von dem damaligen Premier David Cameron. Erst durch die Austrittsabstimmungen 2016 sei der Brexit in seiner heutigen Form in Gang gekommen. Die Folgen habe das Land heute zu tragen, ergänzte Ferber und sagte: „Dadurch werden Importe wie Lebensmittel aus dem EU-Binnenhandel viel teurer.“ Wieder ging ein Raunen durch die Schülerreihen und zeigte, dass die Themen Abschottung und Nationalismus einzelner Staaten auf Resonanz stießen.

Die Hände der Schüler schoben sich langsam nach oben. „Was halten Sie denn von der Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump“, fragte ein Schüler. „Gar nichts“, antwortete Ferber knapp. „Ich traue ihm nicht zu, seiner politischen Verantwortung gerecht zu werden.“ Allerdings sei sein Wahlsieg auch durch die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft bestärkt worden, sagte der Europaabgeordnete.

Seine Ausführungen nutzte eine Schülerin zur Frage, warum denn auch in Europa rechte Parteien erstarkt seien. „Die wirtschaftliche Erholung ist nicht überall angekommen, die Löhne sind unterschiedlich hoch“, erwiderte Ferber. Das führe zu sozialen Spaltungen innerhalb der Gesellschaft und der Suche nach der Ursache für die eigenen Probleme. Flüchtlinge dienten, so Ferber, in der Suche als Sündenbock. Die Frage einer Schülerin, wie in der Flüchtlingspolitik gehandelt werden solle, beantwortete Ferber abschließend so: „Alle 28 Mitgliedsstaaten müssen von Beginn an zusammenarbeiten.“ Aber auch die Grenzen sollten strenger kontrolliert werden. So könne verhindert werden, dass ausgewiesene Menschen wieder einreisen, sagte Ferber.

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