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Kreis Augsburg

17.01.2014

Was steckt hinter der mysteriösen Lichtkugel über Aystetten?

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5 Bilder
Ein Fotograf machte eine rätselhafte Beobachtung am Abendhimmel: Eine rote Lichtkugel, die schnell unterwegs zu sein scheint.

Ritva Unger machte beim Fotografieren rätselhafte Beobachtungen am Abendhimmel: eine rote Lichtkugel, die schnell unterwegs zu sein scheint.

Aus ihrer Heimat Finnland ist es Ritva Unger gewöhnt, eigenartige Lichtspiele am Himmel zu sehen. Kein Wunder, schließlich sorgt das Polarlicht dort regelmäßig für ungewöhnliche Himmelsbilder. Was laut Unger am 7. Januar über den Himmel ihrer neuen Heimat Aystetten zu sehen war, lässt sie aber ohne Erklärung zurück. Unger, die eine Wohnung im Aystetter Schloss angemietet hat, erzählte unserer Zeitung: „Ich habe mit meinem Handy die Wolken fotografiert und fand den Farbenkontrast schön. Doch das, was sonst noch auf dem Bild zu sehen war – das hat mich sehr verwundert.“

Von ISS bis Nebensonne:  Auf der Suche nach Erklärungen

Was Unger meint: Auf den sechs Bildern, die allesamt innerhalb von etwa fünf Minuten entstanden sind, ist ein kleiner goldener Fleck zu erkennen. Der ist mal hinter einer Wolke, mal frei stehend am blauen Himmel zu sehen.

Auf zwei Bildern, die nur 18 Sekunden nacheinander aufgenommen wurden, legt dieser goldene Punkt zudem eine beachtliche Distanz zurück. Die Finnin war davon verwundert. Von einem Ufo wollte sie zwar nicht sprechen: „Aber mich hat die ganze Geschichte sprachlos zurückgelassen.“

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Auf der Suche nach Erklärungen wandte sich Unger an ihren Vermieter, Schlossherr Max von Stetten. Auch er konnte sich die Aufnahmen nicht erklären: „Ich glaube schon, mich ein wenig am Himmel auszukennen – ich kann etwa sagen, wann man die Raumstation ISS oder die Venus in etwa sehen kann. Doch dafür habe ich keine Erklärung.“

Was von Stetten besonders stutzig machte: „Dieser Punkt wird ganz offensichtlich nicht von der Sonne angeleuchtet und scheint somit eine eigene Lichtquelle zu sein.“ Ein Skybeamer, wie ihn etwa Diskotheken benutzen, scheidet aus: „Dieses Licht ist nur dann zu sehen, wenn es auf eine Wolke trifft. Dieser Punkt ist aber alleine auch am Himmel zu sehen.“ Auch ein Papierballon, der durch Teelichter und deren Wärmewirkung fliegt, komme wegen der Größe nicht infrage.

Die offiziellen Stellen konnten nur wenig weiter helfen: Wie Marcus Kröber von der Pressestelle des Polizeipräsidiums mitteilte, seien an diesem Tag keine Mitteilungen von Himmelssichtungen bei der Polizei eingegangen. „Und wenn etwas am Himmel fliegt, sind die Bürger schon sehr aufmerksam.“ Auch die deutsche Flugsicherung in München hatte keine Erklärung für die mysteriösen Himmelsbeobachtungen: Nach einer Auswertung aller Flugbewegungen an diesem Tag kam laut Sprecherin Sandra Teleki nur ein motorbetriebenes Sportflugzeug infrage, das möglicherweise das Licht reflektierte: „Von der Uhrzeit her hätte es das theoretisch sein können.“ Nach einem Flieger sieht das Licht aber nicht aus.

Christoph Mayer, der Leiter der Sternwarte in Violau, hatte eine Theorie, als er von den erstaunlichen Aufnahmen hörte: „Das könnte eine Nebensonne sein.“ Dieses Phänomen entstünde dann, wenn sich das Licht in der Atmosphäre bricht und für eine höhere Reflexion sorgt. Nach Sichtung der Bilder war aber auch diese These erledigt. Mayer sagte: „Ich habe noch nie so eine scharfe Nebensonne gesehen, die sind sonst immer sehr diffus.“

Für Aufruhr sorgten die Bilder beim Betreiber der Diedorfer Sternwarte, der Astronomischen Vereinigung Augsburg. Deren Vorsitzende Christine Zerbe beratschlagte sich mit den Vereinsmitglieder Thomas Winterer und Alexander Groos.

Entwarnung - Es ist nur eine Spiegelbild der Sonne

Und der Verein präsentierte schließlich etwas, was die Lösung für das Rätsel sein dürfte: „Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass es sich bei dem orangen Objekt auf den Fotos um einen Reflex im Objektiv der Kamera handelt, also um ein Spiegelbild der Sonne mit den Ästen davor.“ In einer Vergrößerung des leuchtenden Punktes meinen die Vereinsmitglieder auch darin Äste zu erkennen. Tatsächlich scheint eine grafische Bearbeitung der Bilder zu zeigen, dass der Reflex immer spiegelverkehrt auf der anderen Seite einer gedachten Achse auftaucht (siehe bearbeitetes Bild).

Nach einer Woche des ungläubigen Zweifelns scheint damit das Rätsel erklärt zu sein. Auch für Ritva Unger und Max von Stetten. Er sagt: „Dank der genauen Untersuchung der Sternwarte betrachte ich die Geschichte als so gut wie aufgeklärt.“ Stehen bleibt für ihn ein Spiegeleffekt – der sei erstaunlich, aber eben doch nachvollziehbar.

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