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Videoüberwachung

03.12.2014

Wenn die Kamera auch in der Pausenhalle läuft

Zuerst waren die Neusässer Gymnasiasten verunsichert. Bis sich herausgestellt hat: Die Kameras an der Decke in der Schule sind gar nicht echt.
Foto: Marcus Merk

Immer öfter wird an Schulen per Video überwacht. Am Gymnasium Neusäß findet dazu gerade ein Experiment statt – mit einer Überraschung für alle Beteiligten.

Wo man auch steht in der Pausenhalle und im Schulgang, mehrere Kameras sind auf einen gerichtet. Sie hängen an allen Ecken von der Decke, schwarze Gehäuse mit Kabeln, die in der Wand verschwinden. Totalüberwachung am Justus-von-Liebig-Gymnasium in Neusäß? Könnte man meinen, denn manche der „Geräte“ sehen täuschend echt aus. Sind sie aber nicht. Es handelt sich um ein Kunstprojekt der neunten Klasse – das aktueller nicht sein könnte. Denn um Videoüberwachung an Schulen ist in Bayern jüngst ein Streit entbrannt.

Nach offiziellen Zahlen des Innenministeriums sind an 172 bayerischen Schulen Kameras installiert. Und Medienberichten zufolge werden dabei nicht immer alle nötigen Datenschutzregeln eingehalten. So müssen etwa Schilder gut sichtbar darauf hinweisen, dass aufgezeichnet wird – in vielen Fällen aber fehlten sie.

In Neusäß hängen keine Schilder: „Unsere Kameras sind ja aber auch nicht echt“, sagt der stellvertretende Schulleiter Franz Weichselgärtner. Wer genauer hinschaut, sieht das auch: Da blitzt unter der schwarzen Farbe mal der braune Karton durch. Oder der Kleber, der die Plastik-Linse festhalten soll. Trotzdem hielten die Achtklässlerinnen Sarah und Lea sie zunächst für real: „Da waren wir schon eingeschüchtert und haben uns überwacht gefühlt“, sagen sie. Erst als sie vom Projekt erfuhren, fanden sie es „witzig und cool“.

Auch ihre Mitschüler Moritz, Marcel und Tobias reagierten erleichtert auf die Nachricht, dass es keine wirklichen Geräte seien: „Sonst wäre das nicht so toll, die Schule sollte schon unsere Privatsphäre respektieren“, sagen sie. Die Sechstklässlerinnen Kim und Lena sehen das anders. So viele Handys seien in letzter Zeit in der Schule gestohlen worden: „Da wären echte Kameras nicht schlecht.“

Schon seit einigen Monaten sind die Kunstarbeiten installiert: Ziel sei es gewesen, die Schüler mit einem aktuellen Thema zu konfrontieren: „Überall hängen ja jetzt Kameras“, sagt Kunstlehrer Rainer Braun. Man wollte auch sehen, wie Eltern und Besucher reagieren – und erlebte laut Weichselgärtner eine Überraschung: „Wir hatten eigentlich einen Aufschrei erwartet.“ Tatsächlich aber habe nur der Verwalter der Schulkantine mal nachgefragt.

Echte Kameras in oder an der Schule kommen für Weichselgärtner dennoch nicht infrage: „Ich wüsste nicht, was die bringen sollten“, sagt er. Probleme mit Vandalismus gebe es zwar zuweilen am Fahrradstellplatz neben dem Gebäude – dort aber stehen so viele Bäume, dass die Überwachung technisch aufwendig und zu teuer wäre.

Auch für Michael Kühn waren Kameras noch kein Thema: Es gebe momentan keinen Grund, das Haus oder den Pausenhof zu überwachen, sagt der Leiter der Realschule in Meitingen. Ähnlich äußert sich Horst Walther, Leiter der Realschule in Zusmarshausen: „Der Nutzen von Kameras ist zweifelhaft.“ Man könne sie außer Gefecht setzen oder vermummt vorbeigehen. Weil aber schon mal in den Computerraum der Schule eingebrochen worden sei, ist der nun mit einem Bewegungsmelder ausgestattet: Verschafft sich abends oder nachts jemand gewaltsam dort Zutritt, geht ein Alarm los.

Peter Krauß hätte dagegen schon gerne Kameras für den Außenbereich des Paul-Klee-Gymnasiums in Gersthofen. Der Schulleiter denkt an den Weg zwischen Gymnasium und Mittelschule und den gemeinsamen Pausenhof. Immer wieder lande dort Unrat und Müll, jeder könne sich Zutritt verschaffen. Drei Einbrüche habe es zudem in den vergangenen Jahren ins Schulgebäude gegeben. Mehrfach habe er deshalb schon beim Landkreis nach Kameras gefragt, denn der ist Sachaufwandsträger der Gymnasien, Realschulen und beruflichen Schulen im Kreis. Das Landratsamt aber habe abgelehnt – aus Kosten- und Datenschutzgründen, wie Krauß sagt.

Bei Anfragen werde beides sorgfältig geprüft, bestätigt Heidemarie Heuchler, Sprecherin des Landratsamts. Und bisher sei das Ergebnis stets gegen die Kameras ausgefallen. Mit einer Ausnahme: An der Realschule Bobingen wird seit 2007 der äußere Eingangsbereich gefilmt – mit den nötigen Hinweisschildern. Dort sei immer wieder etwas zerstört worden, sagt Heuchler. Und dies habe die Videoüberwachung geändert: „Seitdem gab es keine Vorfälle mehr.“

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