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07.03.2019

Wenn es im Garten wie im Schwimmbad riecht

In Gablingen-Siedlung sorgte Chlorgeruch für Rätsel. Sogar die Feuerwehr rückte an. Inzwischen ist die Sache geklärt

Als Johannes Smola am Donnerstag in der letzten Woche sein Haus in Gablingen-Siedlung verließ, stieg ihm ein unangenehmer Geruch in die Nase. Am Samstagabend fiel ihm der Geruch erneut auf und er beschloss, mit den Nachbarn Kontakt aufzunehmen. Eine Nachbarin vermutete Chlor und Smola verständigte die Feuerwehr.

Die Nachforschungen der Feuerwehr Gablingen ergaben, dass der unangenehme Geruch von einer Biogasanlage in der Nähe stammte, die gerade eine Revision durchführte. Immerhin konnte die Feuerwehr Johannes Smola und seine Nachbarn beruhigen: Der Geruch sei nicht mit gesundheitsschädlichen Substanzen verbunden.

Das bestätigt auch der Kommandant der Gablinger Feuerwehr, Dominik Merktle. Doch was bedeutet „Revision“ und wie entsteht der Chlorgeruch in der Biogasanlage? Betreiber Anton Liebert erklärt, was sich in der vergangenen Woche an der Anlage getan hat. Er und seine Kollegen hätten eine große Revision durchgeführt und dabei auch Teile des Kühlkreislaufs erneuert. „Wir haben für circa 3000 Euro Kühlkörper ausgetauscht und wollten mit denen so sauber wie möglich starten“, sagt er. Deshalb hätten sie die Chlordosierung im System zeitweise etwas erhöht.

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Die Chlorung sei für die Biogasanlage meist eine „Gratwanderung“, sagt Liebert. Natürlich wolle man die Geruchsbelästigung für die Bevölkerung durch das verdampfende Kühlwasser so gering wie möglich halten. Allerdings müsse das System auch eine Zeit lang stabil gechlort werden, bis belastbare Messungen durchgeführt werden können. Außerdem muss die Anlage Vorgaben des Bundesemissionsschutzgesetzes erfüllen. Auch dafür ist die Chlorung notwendig.

Nach den Beschwerden der Nachbarn und dem Feuerwehreinsatz hat Liebert Kühlwasser abgelassen und die Chlorkonzentration heruntergefahren. „Vor Ort kann man nur schlecht einschätzen, ob der Geruch belästigt oder nicht“, sagt er und ergänzt: „Vielleicht haben wir es etwas zu gut gemeint.“

In Gablingen ist also klar, wo der Geruch herkommt. In einem anderen Teil des Landkreises gab im April vor zwei Jahren ein ähnlich beißender Geruch Bewohnern und Behörden in mehreren Gemeinden Rätsel auf. In Burgau, Ustersbach und Dinkelscherben wurde der chemische Gestank gemeldet.

Zuerst wurden Kesselwaggons auf Güterzügen verdächtigt. Allerdings betonte die zuständige Bundespolizei, dass ihr kein Problem bekannt sei. Es komme nur bei sehr hohen Temperaturen vor, dass Gas aus den Überdruckventilen austrete, erklärte ein Sprecher damals. Diese Dämpfe seien aber für Menschen ungefährlich.

Die Suche ging also weiter. Auch die Wissenschaftler des Landesamts für Umwelt konnten den beißenden Gestank nicht erklären. Das Amt betreibt ein bayernweites Überwachungsnetz mit Messstation zur Luftreinheit.

Auch die Landwirte in der Region gerieten ins Visier: Gülle kam als möglicher Auslöser des Gestanks auf. Kreisobmann Martin Mayr nahm seine Berufskollegen allerdings in Schutz. Sein Argument: In Burgau wurde am Karfreitag 2017 zweimal Gasalarm ausgelöst. Der Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei verlief ohne Ergebnis. Mayr betonte, dass kaum ein Landwirt am Feiertag Gülle ausfahre.

Auch im Zusammenhang mit dem Gestank im westlichen Landkreis Augsburg war irgendwann eine Biogasanlage als Auslöser im Gespräch. Für zwei Landwirte roch es nach dem Material, das bei so einer Anlage ausgefahren wird. Doch auch diese Spur führte nicht zur Lösung des Rätsels. Sie erklärte nämlich nicht, warum der Gestank auch in Dinkelscherben für Aufregung sorgte.

Anders als jetzt in Gablingen konnte man im westlichen Landkreis im Jahr 2017 keine konkrete Ursache für die Dämpfe feststellen, obwohl Feuerwehr und Polizei mehrmals ausrückten und sich viele freiwillige Helfer an der Suche beteiligten. (mit mcz)

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