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Meitingen

01.07.2016

Wer will Familien unter die Arme greifen?

Familien brauchen manchmal schnell und unkompliziert Hilfe, vor allem dann, wenn es keine Großeltern in der Nähe gibt. Für Meitingen und Umgebung gibt es dafür seit einem Jahr eine Anlauf- und Koordinationsstelle. Es fehlen aber noch ehrenamtliche Helfer.
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Familien brauchen manchmal schnell und unkompliziert Hilfe, vor allem dann, wenn es keine Großeltern in der Nähe gibt. Für Meitingen und Umgebung gibt es dafür seit einem Jahr eine Anlauf- und Koordinationsstelle. Es fehlen aber noch ehrenamtliche Helfer.

 Maria Töltsch ist eine der Ehrenamtlichen, die etwas Zeit mit jungen Familien verbringen. Warum das Team noch dringend Unterstützung braucht und wer dafür in Frage kommt

Meitingen Die Mutter zweier Söhne aus dem nördlichen Landkreis möchte Maria Töltsch gar nicht mehr hergeben. Seit Oktober besucht sie als Ehrenamtliche im Namen der St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe die kleine Familie und geht regelmäßig mit dem Jüngsten spazieren. Ab und zu nennt der Bub sie liebevoll „Oma“. Meist schläft der Eineinhalbjährige selig im Kinderwagen und Maria Töltsch genießt die freie Zeit an der frischen Luft. „Es ist entspannend für mich - und hilft der Mutter“, erklärt sie und berichtet, wie sie zu dieser Aufgabe kam: „Als ich über das Projekt gelesen habe, fand ich es interessant.“ Eigentlich wollte sie gar nicht selbst mitmachen. Doch Maria Töltsch hilft gerne und als sich bei der Informationsveranstaltung nur noch eine weitere Frau zur ehrenamtlichen Unterstützung bereiterklärt hat, konnte sie nicht mehr nein sagen.

Mittlerweile sind es drei Ehrenamtliche, die im Kooperationsprojekt von „Koki Netzwerk frühe Kindheit“ und der St. Gregor-Jugendhilfe aktiv sind. „Und das sind mit Abstand zu wenig“, erklärt Jessica Weglehner, die bei der St. Gregor-Jugendhilfe als Herz und Kopf des Projekt agiert. Regelmäßig bekommt sie Anfragen seitens des Landratsamts.

Dort können sich die jungen Familien melden, die sehen, dass das alltägliche Leben mit Kindern aus den Fugen zu gleiten droht. Das Landratsamt wägt dann ab, ob der Bedarf der Familie zum Ehrenamtsprojekt passt, denn das Angebot der St. Gregor-Jugendhilfe hat den Fokus klar auf die Prävention gelegt. „Wir helfen im Vorfeld“, erklärt Jessica Weglehner das Konzept, jungen Familien mit Kindern bis zu sechs Jahren im Alltag zu helfen – durch Anleitung, Begleitung, Gespräche oder Auszeiten für die Mütter.

Doch das Ungleichgewicht zwischen den Anfragen und den Ehrenamtlichen, die sich engagieren möchten, ist groß. Eine der drei Freiwilligen ist Maria Töltsch, die als Kinderkrankenschwester frischgebackene Mütter auf der Entbindungsstation des Josefinums in Augsburg betreut, im Pfarrgemeinderat St. Wolfgang Meitingen aktiv ist und eigentlich auch sonst keine Langeweile hätte, doch die Zeit für den kleinen Jungen nimmt sie sich heute gern. Da sie selbst Mutter dreier Kinder ist, passt sie sehr gut zu der Familie mit den zwei kleinen Jungs, die sie ebenfalls bereits in ihr Herz geschlossen haben. Einmal in der Woche besucht sie die Familie.

Neben Maria Töltsch gibt es noch eine weitere Ehrenamtliche, die eine junge Mutter mit Baby betreut. Da die Oma sehr weit entfernt wohnt, fungiert sie hier als Tippgeberin und Vertraute. Die Treffen werden mittlerweile ganz individuell und auf dem „kurzen Dienstweg“ via Smartphone organisiert. Und noch einen dritten Ehrenamtlichen kann Jessica Weglehner in der Runde der Engagierten nennen. Er hat für sich die Betreuung von Säuglingen und Kindern ausgeschlossen, ist aber für Nachhilfetätigkeiten oder das Ausfüllen diverser Anträge Jessica Weglehners erste Wahl. „Aktuell lernt er mit einer jungen Mama auf ihre Gesellenprüfung“, verrät sie. Auch konnte er eine andere junge Frau beim Ausfüllen zahlreicher Anträge wie etwa Kindergeld, Elterngeld und Hartz IV begleiten.

Ganz unterschiedlich sind die Fälle, die das Leben nun mal schreibt, und bei der die St. Gregor-Jugendhilfe häufig auch echte Teamarbeit leistet. Selbst wenn die Familie durch eine ambulante Fachkraft der Einrichtung bereits Hilfe erfährt, kann die Begleitung durch einen Ehrenamtlichen helfen, Lücken zu schließen - und zwar die, die nicht fachlicher Natur sind.

Psychologen und Pädagogen sind die Ehrenamtlichen, die sich aktuell engagieren, allesamt nicht. „Und das ist auch nicht nötig“, erklärt Jessica Weglehner. „Man sollte Freude am Umgang mit Menschen haben und auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe sein“, beschreibt Maria Töltsch diejenigen, die aktuell händeringend gesucht werden. Da der Zeitaufwand überschaubar ist, kann diese Zeit wirklich jeder aufbringen, findet die engagierte Frau.

Und wer - wie viele - die Angst hegt, mehr helfen zu wollen, als das im Rahmen des Ehrenamts-Projekts überhaupt möglich ist, wird von Jessica Weglehner schon eingebremst. Regelmäßig tauscht sie sich mit ihrem kleinen Team an Ehrenamtlichen aus und erklärt: „Es muss allen Beteiligten bei der Familienbegleitung gutgehen.“

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