Newsticker
Ämter melden 15.974 Corona-Neuinfektionen und 1148 neue Todesfälle in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Wie Corona das Abitur im Augsburger Land auf den Kopf stellt

Landkreis Augsburg

10.07.2020

Wie Corona das Abitur im Augsburger Land auf den Kopf stellt

Mit reichlich Abstand absolvierten die Abiturienten, wie hier im Schmuttertalgymnasium in Diedorf, in diesem Jahr ihre Prüfungen.
Bild: Marcus Merk (Archivbild)

Plus Corona traf die Schulen und Abiturienten kurz vor dem Abschluss. Was das für die Schüler und deren Noten im Augsburger Land bedeutet.

Im März sind für Dardan Gllareva die nächsten Wochen schon durchgeplant. Gelernt wird für die Matheklausur, es wartet eine Abfrage. Der Schüler des Justus-von-Liebig Gymnasiums in Neusäß möchte dieses Jahr Abitur machen. Doch dann kommt Corona – und plötzlich sind die Schulen zu.

„Am Anfang dachte ich, nächste Woche geht es weiter“, berichtet der 19-Jährige. „Auch die Lehrer haben weiter auf die Klausuren vorbereitet“. Doch für über einen Monat blieben die Schulen geschlossen. Der Online-Unterricht sei abhängig vom Lehrer gewesen, sagt der Abiturient. Manche hätten sich kaum gemeldet, andere leichte Arbeitsaufträge gegeben, um zumindest ein bisschen Stoff zu schaffen. Erst wenige Tage vor den Prüfungen konnte Dardan Gllareva wieder in die Schule. Am Anfang habe es noch Unterricht in allen Abiturfächern gegeben, später dann nur noch Englisch, Deutsch und Mathe. „Die Abiturvorbereitung hat eigentlich zu Hause stattgefunden“, sagt der Abiturient.

Die Lehrer hätten keinen Stoff mehr machen können, sondern nur noch letzte Fragen beantwortet. Einige hätten sich mit ihren Kursen zu privat vereinbarten Terminen getroffen. Das Abi selbst sei ähnlich abgelaufen, wie in den Vorjahren. „Wir mussten eine halbe Stunde früher da sein, damit sich keine Menschenmassen bilden“, erinnert sich Gllareva. „Die Lehrer haben nett bewertet, aber da gibt es nicht viel Spielraum“, meint er. Wenn in Mathe etwas falsch sei, sei es nun mal falsch. Trotz aller Widrigkeiten hat Dardan Gllareva jetzt sein Abitur.

Das Abitur in Bayern wurde wegen Corona drei Wochen nach hinten verlegt

Dabei gab es einige Sonderregelungen: Das Abitur wurde drei Wochen nach hinten verlegt, was mehr Zeit zum Lernen gab. Die Klausuren des zweiten Halbjahres fielen aus. Diese Noten konnten durch die Günstigerregelung ersetzt werden. Das heißt, die fehlenden Noten wurden entweder durch die bereits erbrachten Leistungen des letzten Halbjahres errechnet, oder durch die der vergangenen Oberstufen-Semester – wie es für den jeweiligen Schüler am günstigsten war. In ganz Bayern erreichten die 35000 Absolventen einen Durchschnitt von 2,25 – besser als in den Vorjahren. Mit 2,61 Prozent lag die Anzahl der Schulabschlüsse mit 1,0 sogar wesentlich höher als sonst.

Elias Mira, ebenfalls Abiturient in Neusäß, meint, die Abivorbereitung sei „optimal“ gewesen. „Wir hatten ganze fünf Wochen, in denen wir uns nur auf unser Abi konzentrieren konnten“, sagt der Westheimer. „Nur in einem Kolloquium musste ich eine Maske tragen“, sagt Mira.

Schulleiter Stefan Düll: „Nervliche Leistung ist bewundernswert“

Die Schulleiter waren sich der Schwierigkeiten und Besonderheiten für die Schüler durchaus bewusst: „Die nervliche Leistung unserer Abiturienten ist bewundernswert“, sagt Stefan Düll, Schulleiter des Justus-von-Liebig Gymnasiums. „Trotz dieser Unsicherheit, ob es überhaupt ein Abitur geben würde, haben die Schüler sich motiviert und organisiert“. Mit all diesen Belastungen legte die Q12 ein Abitur hin, das den Ergebnissen der Vorjahre in nichts nachstehe. 15 Schüler erreichten einen Schnitt von bis zu 1,5. Wie auch letztes Jahr schafften zwei Schüler sogar 1,0. Drei Schüler fielen dieses Jahr leider durch – dieselbe Anzahl wie im Vorjahr. „Es war ein vollwertiges Abitur“, betont Düll. „Niemandem wurde etwas geschenkt.“

Auch das Gymnasium Wertingen hat ähnliche Abiturergebnisse wie in den vergangenen Jahren. Schulleiter Bernhard Hof berichtet von einem 1,0 Abiturient. Die Anzahl der Durchgefallenen sei nicht signifikant anders also sonst. „Der Unterrichtsausfall war ein herber Bruch“, sagt Hof. Durch Ersatzprüfungen habe es die Möglichkeit gegeben, die fehlenden Noten des zweiten Halbjahres aufzupolieren. Diese habe aber niemand genutzt. Deshalb schließt der Schulleiter darauf, dass auch die Schüler mit ihren Ergebnissen zufrieden seien.

Auf einen Abiball müssen die meisten Abiturienten heuer verzichten

Nicht überall gleichen die Leistungen den üblichen. Die Abschlussklasse des Paul-Klee-Gymnasiums in Gersthofen war sogar besser. Es gab zwar keine sieben 1,0–Abiturienten, wie es vor zwei Jahren der Fall war. Aber 30 Prozent der 102 Schüler erreichten einen Einserschnitt, zwei die 1,0. Zwei schafften es dieses Jahr nicht, was im üblichen Rahmen liegt. Das durchschnittliche Ergebnis von 2,27 ist etwas besser als sonst.

Am Paul-Klee-Gymnasium in Gersthofen fielen die Abiturnoten in diesem Jahr sogar besser aus als sonst.
Bild: Marcus Merk

Stefan Keller, der stellvertretende Schulleiter, vermutet, dass dies an der Günstigerregelung liegt. Am Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf merkt man keinen Unterschied. „Die Zahlen sind exakt so wie letztes Jahr“, sagt Schulleiter Günter Manhardt. Von 82 Schülern schafften es zwei nicht. Ein Schüler erreichte einen Schnitt von 1,0. 19 dürfen sich über eine Eins vor dem Komma freuen. Plötzlich Online-Unterricht zu haben sei für die Schüler nicht einfach gewesen. Manhardt meint: „Es ist gelungen, das fair auszugleichen“.

Geschafft haben die meisten das Abitur also, aber was jetzt? Auf einen Abiball müssen viele verzichten, selbst die Zeugnisvergabe steht noch in den Sternen. „Offizielle Informationen gibt es ganz viele verschiedene“, sagt Elias Mira. „Ein richtiger Abschluss fehlt“. Normalerweise sei dieVerleihung in der Stadthalle Neusäß. Jetzt werde überlegt, sie in der Turnhalle oder im Freien abzuhalten. Voraussichtlich ohne Eltern. Dardan Gllareva sagt: „Von den anderen Schülern kann man sich so gar nicht verabschieden“. Beide fänden es schade, irgendwie bleibe das Ende in der Luft hängen. Aber zumindest Abitur haben sie.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren