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Gablingen

30.11.2020

Wie Corona den Alltag im Gefängnis auf den Kopf stellt

Die Corona-Pandemie sorgt auch in der JVA in Gablingen für verschärfte Maßnahmen. Weil viele Gefangene in Isolation müssen, wird der Platz knapp.
Foto: Marcus Merk

Plus Die Sorge vor einem Ausbruch des Virus ist im Gefängnis in Gablingen groß. Um das zu verhindern, gibt es massive Einschränkungen auch für die Gefangenen.

Es ist wohl der sicherste Ort im ganzen Landkreis Augsburg. Und doch sind auch die Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt in Gablingen nicht vor Corona gefeit. Bislang ist das Virus dort nur vereinzelt nachgewiesen worden. Um sich vor einem Ausbruch des Virus in der Anstalt zu schützen, sind die Einschränkungen groß. Denn der könnte fatale Folgen haben.

Gefangene, die in diesen Tagen ihre Haft antreten, starten in Isolation, sagt Gefängnischefin Zoraida Maldonado de Landauer. Das bedeutet: Einzelhaft für zwei Wochen. Nach dieser Zeit können die Gefangenen in eine Zelle mit einem Mitinsassen umziehen. Im Gefängnis gelten die Gefangenen in einer Zelle als Hausgemeinschaft, erklärt Maldonado de Landauer. Wer die Zelle verlässt, muss Maske tragen. Eine von vielen Maßnahmen, die das Leben im Knast seit Corona sichtbar verändert hat.

 

Wie Corona aus dem Gefängnis in Gablingen gehalten werden soll

Im Besucherraum finden sich Plexiglasscheiben, die zwischen den Gefangenen und ihre Gästen stehen. "Wir müssen versuchen, Corona aus unserem geschlossenen System zu halten", sagt Maldonado de Landauer. Denn: "Alles, was hier reinkommt, kommt von draußen." Zu Beginn der Pandemie habe es deshalb ein komplettes Besuchsverbot gegeben. Mittlerweile darf je ein Erwachsener und ein Kind einen Häftling besuchen. Das größere Risiko, das Virus in die geschlossene Anstalt zu bringen, sind aber die Mitarbeiter der JVA. Deshalb werden sie immer wieder auf Corona getestet, sagt die Gefängnischefin. Alle Mitarbeiter tragen Maske, es wird Abstand gehalten und Konferenzen finden so weit es geht telefonisch statt.

Plexiglasscheiben im Besuchsraum der JVA Gablingen zeugen von den Veränderungen durch Corona. Zu Beginn der Pandemie gab es ein striktes Besuchsverbot.
Foto: Justizvollzugsanstalt Augsburg

Eine Folge dieser Maßnahmen: Der Platz wird knapp. Momentan leben in der Einrichtung rund 500 Gefangene. "Das ist schon das obere Limit zur Zeit", sagt Maldonado de Landauer. Dabei wäre eigentlich Platz für über 600 Gefangene. Das Problem: Wegen den Hygieneregeln müssen viele Gefangene in Isolation. Sie brauchen eine eigene Zelle. Auch deshalb haben Justizbehörden Strafen aufgeschoben, um auch im Gefängnis mehr soziale Distanz zu schaffen.

Mittlerweile würden es aber wieder mehr Gefangene, sagt die Gefängnischefin. Darunter auch solche, die eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzen müssen. Eine Strafe, die vollzogen wird, wenn eine verhängte Geldstrafe nicht geleistet wird. "Das leuchtet mir nicht ein", meint die Gefängnischefin. Denn es wird eng in der JVA.

Kein Gruppensport oder Musizieren in der JVA Gablingen

Für den Staat ist es ein Spannungsfeld. Er ist verpflichtet, für die Strafgefangenen und Untersuchungshäftlinge in der JVA Gablingen für menschenwürdige Haftbedingungen zu sorgen. Gleichzeitig muss er sie vor einer Corona-Infektion schützen. Zum Teil mit Maßnahmen, die ihr Leben zusätzlich stark einschränken. Weg fällt zur Zeit so gut wie alles, das den Gefangenen ihren Alltag im Gefängnis erträglicher machen soll. Gruppensport zum Beispiel, gemeinsames Musizieren oder andere Aktivitäten in der Gemeinschaft.

"Das ist für viele Gefangenen eine zusätzliche Belastung", sagt Gefängnispfarrer Peter Trapp. Er kennt die Sorgen und Nöte der Gefangenen. Besonders begehrt sei zu dieser Zeit ein eigener Fernseher, sagt er. Den gibt es seit den Corona-Maßnahmen im Gefängnis kostenlos.

Die Corona-Pandemie sorgt auch in der JVA in Gablingen für verschärfte Maßnahmen. Weil viele Gefangene in Isolation müssen, wird der Platz knapp.
Foto: Marcus Merk

Wichtig für seine Arbeit seien vor allem die Gespräche mit den Gefangenen. Die finden zwar nach wie vor statt, allerdings mit Abstand und Maske. "Da geht viel verloren", meint der Pfarrer. Trapp sagt aber auch: "Die meisten können mit der Situation gut umgehen." Man dürfe nicht vergessen: "Lockdown, das ist im Gefängnis Alltag", sagt Trapp.

Wie sieht Weihnachten im Gefängnis aus?

Wie sehr sich dieser von dem draußen unterscheidet, das wird den Gefangenen besonders an Weihnachten vor Augen geführt. Für Insassen, die weder besuchende Angehörige noch finanzielle Unterstützung haben, gibt es traditionell Geschenke vom Lions Club. Überreicht werden die Päckchen mit Tabak und Schokolade normalerweise bei einem gemeinsamen Treffen. Doch das fällt dieses Jahr flach. Geschenke gibt es trotzdem - allerdings mit Abstand auf die Zelle geliefert. Und noch eine besondere Aktion gibt es zu Weihnachten: "Gefangene können ihren Kindern Geschichten vorlesen", erzählt Pfarrer Peter Trapp. Die werden dann auf CD gebrannt und zur Familie geschickt.

Ganz anders als üblich fallen heuer die Gottesdienste zu Weihnachten aus. Insgesamt 32 Mal finden die - wegen Corona in kleiner Runde - während der Adventszeit statt. Die dürften gut besucht sein, denn wie auch außerhalb des Gefängnisses sind die Gottesdienste eine der wenigen Veranstaltungen, die noch stattfinden.

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