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Landkreis Augsburg

08.06.2020

Wie ein Betrüger den TSV Lützelburg um viel Geld prellen wollte

Ein Betrüger hatte mit einer gefälschten Unterschrift auf einem Überweisungsformular fast 12.000 Euro auf ein französisches Konto gebucht.
Bild: Christian Flemming (Symbolbild)

Plus Ein Unbekannter fälscht die Unterschrift des TSV-Vorsitzenden und will knapp 12.000 Euro nach Frankreich überweisen. Doch Mitarbeiter des Geldinstituts vereitelten dies.

Aufatmen bei den Verantwortlichen des TSV Lützelburg: Ein Betrüger hatte mit der gefälschten Unterschrift des Vereinsvorsitzenden Heinz Müllenbeck auf einem Überweisungsformular fast 12.000 Euro auf ein französisches Konto gebucht. Doch der Schwindel wurde entdeckt, dem Verein entstand kein Schaden.

„Wir haben auf unserer Website eine Nachricht, dass wegen der Corona-Pandemie alle Vereinsaktivitäten eingestellt wurden“, erklärt Müllenbeck. Am Ende dieser Nachricht sei seine Unterschrift zu sehen. Die hat der Betrüger offenbar kopiert und dann geübt, sie nachzumachen. Müllenbeck betont: „Für den Verein erledigen wir fast alle Bankgeschäfte online – und wenn ich mal handschriftlich unterschreibe, sieht dies anders aus als auf der Vereinswebsite.“

Formular wurde in den Briefkasten der VR-Bank in Langweid eingeworfen

Eingeworfen wurde das Überweisungsformular offenbar in den Briefkasten der VR-Bank Handels und Gewerbebank eG in Langweid, hat der TSV-Vorsitzende inzwischen recherchiert. Dabei ist der Verein seit der Schließung der Bankfiliale in Gablingen der Filiale in Täfertingen zugeordnet. Der Überweisungsauftrag lautete 11.755,45 Euro.

Wie ein Betrüger den TSV Lützelburg um viel Geld prellen wollte

Wie TSV-Schatzmeister Oswald Lochbrunner bei der Bank erfuhr, wurde zunächst das Überweisungsformular geprüft. Dabei fiel es offenbar zunächst nicht auf, dass dort die falsche Unterschrift Müllenbecks gleich zweimal steht. „Das Geld wurde zunächst auf das auf dem Formular genannte Konto in Frankreich überwiesen“, so Lochbrunner. Danach sei die Überweisung noch einmal geprüft und das Geld am nächsten Tag wieder auf das Konto des TSV Lützelburg zurückgebucht worden. „Gott sei Dank ist uns kein Schaden entstanden. Fast 12.000 Euro hätten uns sehr wehgetan, zumal in der nächsten Zeit der Umbau unseres Vereinsheims ansteht.“

VR-Bank Bereichsleiter Werner Goschenhofer erklärt: „Wir haben verschiedene Kriterien, unter welchen wir jede Überweisung und auch jedes der wenigen Papierformulare prüfen, die bei uns eingehen.“ Zunächst werde die Unterschrift geprüft. Alle Signaturen der Kunden mit Kontovollmacht sind hinterlegt und können von Mitarbeitern auf dem Bildschirm abgerufen werden. In den Filialen arbeiteten oft langjährige Mitarbeiter. „Diese kennen die Kunden oft schon lange, wenn sie in der Filiale erscheinen“, so Goschenhofer weiter.

Beim Online-Banking gibt es eine doppelte Sicherung

Wenn es sich um ungewöhnliche Buchungen handle, würde zusätzlich kontrolliert und beim Kontoinhaber angerufen, ob diese in Ordnung sind. Überweisungsbetrug sei aber relativ selten, sagt der Bereichsleiter. Um sich gegen solche Fälle möglichst abzusichern, empfiehlt Goschenhofer: „Am sichersten ist Online-Banking. Da ist jede Überweisung auf jeden Fall doppelt gesichert.“

Weiter sollten keine unterschriebenen Belege einfach in den Mülleimer geworfen werden, sondern erst durch den Reißwolf gehen. „Außerdem sollte der Vereinsvorsitzende seine Unterschrift nicht öffentlich machen. Das ist auf der Vereinswebsite wohl nicht wirklich erforderlich.“

Heinz Müllenweber und Oswald Lochbrunner haben reagiert: „Wir haben mit der Bank vereinbart, dass jede Überweisung von zwei Bevollmächtigten aus dem TSV-Vorstand unterschrieben werden muss. „Außerdem werden wir ein zweites Konto eröffnen, dessen Nummer nicht veröffentlicht wird, und das erste nur noch für Einzahlung, zum Beispiel der Mitgliedsbeiträge benutzen“, sagt Kassier Lochbrunner. „Steigt dann das Guthaben über einen bestimmten Betrag, überweisen wir das Geld auf das zweite Konto.“

Im Jahr 2019 waren im Polizeipräsidium Schwaben Nord laut Sprecherin Maria Enslin insgesamt 5144 Betrugsdelikte zu verzeichnen, einen sehr geringen Anteil davon stellte der Überweisungsbetrug (52 Delikte) dar.

Polizei kennt viele Fälle von Betrug beim Überweisen

„Die Aufklärungsquote lag 2019 bei dieser Betrugsform in unserem Präsidium bei 21,2 Prozent.“ Seit 2014 seien die Fälle des Überweisungsbetrugs kontinuierlich von 102 (2014) auf 52 (2019) zurückgegangen.

Heinz Müllenbeck und Oswald Lochbrunner ärgerten sich allerdings über die Polizei: „Als wir in Gersthofen Anzeige erstatten wollten, verwies man uns darauf, dies online zu tun“, so Müllenbeck. Als das nicht gelang, hätten sie dies per E-Mail erledigt.

„In Zeiten der Corona-Pandemie kann es durchaus vorkommen, dass ein/e Anzeigenerstatter/in gebeten wird, die Anzeige schriftlich zu übermitteln“, so die Polizeisprecherin. Neben der Anzeigenerstattung online oder per E-Mail könne dies auch per Einwurf in den Briefkasten der zuständigen Dienststelle erfolgen. „Dies ist natürlich immer vom Einzelfall und den gegebenenfalls erforderlichen polizeilichen Sofortmaßnahmen abhängig.“

Grundsätzlich könnten Anzeigen aber nach wie vor persönlich bei den jeweiligen Dienststellen aufgegeben werden.

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