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Kreis Augsburg

13.09.2018

"Wir haben Angst": Schießt in Adelsried ein Jäger auf Spaziergänger?

In Adelsried häufen sich Zwischenfälle mit neuen Jägern.
Bild: Marcus Merk

Ein Jäger soll Schüsse in Richtung eines Spaziergängers abgefeuert haben. Wie Anwohner die Situation erleben - und was der Jäger selber sagt.

Es könnte so idyllisch sein. Eigentlich. Ein paar Apfelbäume stehen am Wegesrand, ab und zu spitzelt eine Ente aus dem Schilf an der Laugna, Spaziergänger führen ihre Hunde aus, Radfahrer genießen die Natur. Doch genau hier, im Landschaftsschutzgebiet zwischen Adelsried und Bonstetten, am beliebten Weldenbahnradweg, sollen sich in letzter Zeit bedrohliche Szenen abgespielt haben. Unter anderem wird einem Jäger vorgeworfen , in Richtung eines Menschen geschossen zu haben.

Die Polizei kann diese Vorwürfe bislang aber nicht bestätigen. Nach ersten Ermittlungen gehen die Beamten davon aus, dass keine konkrete Gefährdung von Personen bestand. Seit dem 1. September laufe im Gemeinschaftsjagdrevier Adelsried eine befugte Jagd auf Enten mit Schrotkugeln.

Jäger beteuert, dass er nicht in Richtung eines Menschen geschossen hat

Der betroffene Jäger betont gegenüber unserer Redaktion, dass er nie in Richtung eines Menschen geschossen habe. Er sei ein erfahrener Jäger und kenne die Regeln. Spaziergänger, die im Jagdgebiet des Mannes unterwegs waren, berichten allerdings anderes.

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Am vergangenen Mittwochabend war Mathias Neumann mit seinem Hund Buddy spazieren. Plötzlich seien mehrere Schüsse gefallen, erinnert sich der Mann. „Ich ging instinktiv in Deckung und rief, um auf mich aufmerksam zu machen“, sagt der Adelsrieder. Doch niemand habe ihm geantwortet. „Ich denke, die Schüsse schlugen hinter mir in den Bäumen ein“. Noch am selben Abend habe er die Polizei gerufen. Er geht davon aus, dass Jäger hinter den Schüssen stecken. Es ist nicht der erste Zwischenfall auf den Wiesen vor Adelsried.

Spaziergängerin: "Wir haben Angst"

Vor ein paar Wochen, erzählt Laila Kaiser aus Adelsried, war sie dort mit ihren beiden Hunden Albero und Carlos spazieren. Plötzlich sei ein dunkler Geländewagen auf sie zugerast. Ein Mann, augenscheinlich ein Jäger, habe ihr aus dem Wagen heraus gesagt, sie solle ihre beiden Hunde an die Leine nehmen. „Ich hatte sofort ein mulmiges Gefühl“, sagt Laila Kaiser. Die Hunde würden wildern, soll der Mann gesagt haben. Falls sie nicht an die Leine genommen werden, passiere etwas. „Dabei tun die beiden keinem Tier etwas zuleide“, meint die junge Frau. Umgehend habe sie sich auf den Heimweg gemacht. „Ich dachte, der schießt noch auf meine Hunde“. Seither gehe sie mit einem mulmigen Gefühl spazieren. „Wir haben Angst“, sagt Laila Kaiser.

Was Jäger überhaupt in der Nähe des viel befahrenen Radwegs und der beliebten Spazierwege auf den Wiesen vor Adelsried verloren haben, ist Helmut Seibold ein Rätsel. Er ist der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Adelried. Neun Jahre lang hatte er selbst die Jagdpacht in diesem Gebiet. „Da gibt es kaum etwas zu jagen“, sagt er. Abgesehen von ein paar Enten vielleicht. Aber das lohne sich nicht.

Tierquälerei? Angeschossene Ente wurde einfach liegen gelassen

Im April wurde die Pacht neu vergeben. „Ich habe eine neue Stelle und kann mich nicht mehr so sehr um die Jagd kümmern“. Deswegen habe er die Pacht abgegeben. Viele Bewerber habe es damals nicht gegeben, erinnert sich Seibold. Zusammen mit seinem Sohn und weiteren Jägern ist der Pächter seit April bei Adelsried auf der Jagd. Der Pachtvertrag ist auf neun Jahre angesetzt. Seibold wirft dem neuen Jagdpächter vor, sich nicht an die Regeln zu halten. Es seien deutlich mehr als die angemeldeten sechs Jäger unterwegs. „Wer weiß, ob die alle einen Jagdschein haben“, sagt Seibold. Außerdem sei eine Ente angeschossen und liegen gelassen worden. „Das ist Tierquälerei“. Es sollen ohne entsprechende Genehmigung nachts Rehe gejagt worden sein. Die Jäger sollen verbotenerweise aus dem Auto heraus geschossen haben. Und – wie der Adelsrieder Mathias Neumann sagt – sogar in Richtung eines Menschen.

Der betroffene Jäger bestreitet diese Vorwürfe. Gegenüber unserer Redaktion erklärt der russischstämmige Mann, ein erfahrener Jäger zu sein. Seit über 20 Jahren sei er in seiner Heimat schon auf der Jagd. Seit fünf Jahren auch in Deutschland. Weder habe er in Richtung eines Spaziergängers geschossen, noch sei ihm bekannt, dass Tiere angeschossen und liegen gelassen wurden. Auch würde er nie aus einem Auto schießen.

Jagdschein kann bei Verstößen entzogen werden

Wie das Landratsamt erklärt, sind Jagdpacht-Verträge grundsätzlich privatrechtlicher Natur. Die Jagdgenossenschaft verpachtet an den Jäger. Jagdpächter darf nur sein, wer schon seit mindestens drei Jahren einen deutschen Jagdschein besitzt. Entzogen werden kann die Lizenz, wenn gegen das Jagdgesetz verstoßen oder ein Verbrechen begangen wird, erklärt das Landratsamt. Im Jagdgesetz ist zum Beispiel geregelt, dass ausschließlich auf dem dazu bestimmten Gebiet gejagt werden darf. Außerdem ist geregelt, dass auch die Hege, also die Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestands, zu gewährleisten ist.

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14.09.2018

Dazu noch eine wichtige Info für Bürger und Hundebesitzer https://www.abschaffung-der-jagd.de/reaktionen/ausderbevoelkerung/wir-haben-unserem-jaeger-respekt-beigebracht.html

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14.09.2018

Betroffene Spaziergänger bitte ubedingt Strafanzeigen erstatten und schriftliche Beschwerde bei der zuständigen Unteren Jagdbehörde.. Dieser Jäger ist Waffenrechtlich unzuverlässig nach § 5 WaffG und somit eine Gefahr für Mensch und Tier. Er schiesst in Richtung Gehweg, wo Menschen spazieren gehen. Das ist strafrechtlich, einem versuchten Mord und Gefährdung der körperlichen Sicherheit, unter besonders gefährlichen Umständen mit Vorsatz, zu bewerten, weil er dabei billigend in Kauf nimmt, Menschen zu verletzen. Ein Gehweg ist ausserdem kein Jagdgebiet. Die Drohung gegenüber der Hundebesitzerin, stellt ebenfalls eine Waffenrechtliche Unzuverlässigkeit dar!

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