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Stadtbergen

16.09.2019

Wird die Stadtberger Kneippanlage zur Partyzone?

Die Kneippanlage am August-Abenstein-Weg in Stadtbergen erfährt großen Zuspruch. Einige Anwohner allerdings sind über den Trubel nicht begeistert.
Bild: Andreas Lode

Eine Gruppe Anwohner in Stadtbergen beklagt sich über Lärm und fordert begrenzte Nutzungszeiten. Der Stadt wiederum macht die Verschmutzung der neuen Anlage mehr Kopfzerbrechen.

Es hatte Jahre gedauert, bis die Kneippanlage „Am Schlaugraben“ in Stadtbergen endlich in Betrieb gehen konnte. Immer wieder war das Vorhaben im Gemeinderat diskutiert und dann doch aus Gründen der Sparsamkeit verschoben worden. Im Mai war Bürgermeister Paulus Metz dann der Erste, der im Storchenschritt durch das Wasser stapfen konnte. Die Anlage sei auf „einen riesen Hype an positivem Zuspruch gestoßen“, stellt er in der jüngsten Sitzung des Sicherheits- und Verkehrsausschusses fest, bevor es um Anwohnerbeschwerden und Sachbeschädigungen an der Anlage geht.

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Während des Sommers sind drei Schreiben beim Leiter des Stadtberger Ordnungsamtes Markus Voh eingegangen. Die Inhalte stellt er in der Ausschusssitzung kurz dar. In den Briefen beschweren sich Nachbarn des Kneippbeckens über den Trubel an der Anlage. Aus dem ruhigen und gesunden Stapfen seien immer wieder größere Zusammenkünfte und Feiern geworden. Kinder hätten in der Anlage gebadet und das Umfeld als Spielplatz genutzt. Die Anwohner beklagen auch, jedes Wort der teils „unappetitlichen Gespräche“ im eigenen Garten verstanden zu haben.

Konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation

In ihrem dritten und letzten Schreiben hätten die Anwohner konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation gemacht, so Voh. Sie wünschen sich ein Verbot des Aufenthalts am Becken nach 19 Uhr. Außerdem eine Mittagsruhe von 12 bis 14 Uhr und eine Altersbegrenzung für den Zutritt. Zusätzlich fordern sie eine Schallschutzwand und eine Nutzungsregelung: Die Kneippanlage soll nicht als Treffpunkt oder Spielplatz, sondern ausschließlich zum ruhigen Kneippen genutzt werden. Alle diese Punkte solle der Ordnungsdienst verstärkt kontrollieren.

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An dieser Stelle betont Voh: „Wir haben ein großes Problem. Der Ordnungsdienst konnte die Beschwerden bisher nicht in diesem Ausmaß bestätigen.“ Diese Aussage sorgte für Unruhe unter den Zuschauern. „Die sollen mal Sonntagnachmittag oder abends vorbeikommen“, so eine der deutlich verständlichen Aussagen.

„Enorme“ positive Rückmeldungen zur Kneippanlage

Ordnungsamtsleiter Voh schlug einen Ortstermin vor, um das tatsächliche Ausmaß der Lärmbelästigung zu beurteilen. Das hielt auch Bürgermeister Paulus Metz für richtig, besonders da die Beschwerden gar nicht von den direkten Nachbarn gekommen seien. Mit Hinweis auf die „enormen“ positiven Rückmeldungen zur Kneippanlage betont er: „Ich sehe zwar, dass es eine Belästigung gibt, aber auch die Bürger müssen ihren Teil tragen, genauso wie Nachbarn von Kindergartenanlagen oder Müllentsorgungsstellen.“ Zwischendurch musste Metz das Publikum sogar zur Ruhe ermahnen.

Auch im Ausschuss wurde das Thema kontrovers diskutiert. Günther Oppel (Pro Stadtbergen) kritisierte die Anlage und betonte: „Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht.“ Er sieht großen Handlungsbedarf. Roswitha Merk (CSU) findet es „grotesk“, dass der Ausschuss über eine gesundheitlich so wichtige Einrichtung wie die Kneippanlage diskutieren muss. Tobias Schmid (CSU) kritisierte den „Sprachduktus“ in den Schreiben der Nachbarn und plädierte für einen „verbindlicheren Ton“, und Bärbel Schubert (SPD) erklärt: „Jetzt wird es dann kühler, und wir müssen die Diskussion wahrscheinlich auf nächstes Jahr verschieben.“ Schade und traurig findet sie die Verschmutzung der Anlage.

Das scheint auch für die Verwaltung das dringlichere Problem zu sein. Bürgermeister Metz zählt auf: Gartenabfälle seien schon in dem Becken gefunden worden, ebenso wie große Mengen Speisequark oder packungsweise zerbröselte Kekse. Markus Voh zeigt ein Foto einer grauen Masse, die er sofort an ein Labor schicken ließ. „Wir mussten feststellen, ob es gewässergefährdend ist, schließlich wird die Anlage mit Grundwasser gespeist“, erklärt er. Sollte das zutreffen, würden auf den Verursacher hohe Geldstrafen zukommen – vorausgesetzt er kann ermittelt werden.

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