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Emersacker

25.10.2019

Wohnungs-Not: Kommen Mutter und Sohn (7) raus aus ihrem Container?

Seit sieben Monaten lebt eine 50-Jährige gemeinsam mit ihrem siebenjährigen Sohn in einem Container. In Zelten lagert die Frau ihr Hab und Gut. Um die Persönlichkeit der Betroffenen zu schützen, haben wir ihr Gesicht unkenntlich gemacht. 
Bild: Marcus Merk

Plus Eine 50-Jährige aus Emersacker und ihr Kind leben in einem Container – seit sieben Monaten. Nachdem die Geschichte öffentlich wird, wollen viele helfen. 

Viele Menschen wollen der in Not geraten Franziska Schuster* helfen. Sie lebt gemeinsam mit ihrem siebenjährigen Sohn in einem Container am Ortsrand von Emersacker (wir berichteten). Schuster sagt, sie finde keine Wohnung. Nun melden sich einige Vermieter, die der 50-Jährigen und ihrem Kind eine Wohnung anbieten möchten. Es gibt Hoffnung für die kleine Familie.

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Einige unserer Leser wollen für die Alleinerziehende spenden. Das sei aber nicht notwendig, sagt Schuster: „Ich will eine Wohnung, keine Almosen.“ Konkrete Angebote für eine neue Bleibe liegen vor. Vermieter aus Füssen oder Dasing meldeten sich. Zwei Angebote aus der nähren Umgebung gibt es. Auch die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises habe sich gemeldet, nachdem ihre Geschichte öffentlich wurde, sagt Schuster. Doch es gibt auch andere Erfahrungen: Eine mögliche Vermieterin sei abgesprungen, als sie aus der Zeitung von ihren aktuellen Lebensumständen erfahren habe, sagt Schuster.

Seit sieben Monaten leben Franziska S. und ihr Sohn im Container

Die Alleinerziehende und ihr Kind leben seit etwa sieben Monaten in dem Container am Ortsrand. Die Enge in der Behausung wirkt erdrückend. Schuster sagt, nachts werde es kalt. Die Stromkosten für eine Heizung seien zu teuer. Weil der Container schief stehe, funktioniere die Dusche nicht richtig. Schuster will raus aus den 36 Quadratmetern. Zurück in ein normales Leben. Zuletzt lebte die Mutter mit ihrem Bub in einer Wohnung nicht weit vom Container entfernt. Zwei Mal war sie verheiratet, elf Kinder habe sie zur Welt gebracht. Doch das Jugendamt habe ihr nur ihren jüngsten Sohn gelassen. Die Hintergründe sind unklar.

Wohnungs-Not: Kommen Mutter und Sohn (7) raus aus ihrem Container?

Um die Behausung der in Not geratenen Frau befindet sich ein Neubaugebiet. Schöne neue Einfamilienhäuser neben tragischer Notlösung. Eine der Nachbarinnen von Schuster sagt, die 50-Jährige könne nicht nur auf Hilfe von außen offen. Sie müsse sich auch selbst darum kümmern, aus ihrer Situation zu kommen. „Wir sind ein Sozialstaat, aber man muss auch was tun“, sagt die Nachbarin. Vielleicht hätte es gar nicht so weit kommen müssen, wenn man von Anfang an gemeinsam nach einer Lösung gesucht hätte. Schließlich gebe es eine Reihe von Möglichkeiten zur Hilfe, sagt die Nachbarin.

Weshalb findet die Alleinerziehende keine Wohnung?

Schuster sagt, die Miete in der alten Wohnung wurde zu teuer. Seit einem folgenschweren Unfall mache ihr das Bein zu schaffen. Wegen ihrer Verletzung habe sie nicht mehr arbeiten können. Doch es gab auch Streit mit dem Vermieter. Mietschulden sollen eine Rolle gespielt haben.

Die Gemeinde Emersacker half als Schuster und ihr jüngstes Kind plötzlich auf der Straße standen. Schon zuvor habe man sich um eine neue Wohnung bemüht, sagt Bürgermeister Michael Müller. Doch die Versuche waren erfolglos. Schließlich entschied sich die Gemeinde dazu, den Container zu mieten. Er steht auf einem erschlossenen privaten Grundstück. „Wir hatten keine andere Wahl“, sagt Müller. Der Container sei stets als Übergangslösung geplant gewesen. Ursprünglich für drei Monate. Theoretisch darf er noch bis Mitte April auf dem Grundstück am Ortsrand stehen. So regelt es ein Vertrag mit dem Eigentümer. Ein Teil der Kosten für die Miete des Containers werde mittlerweile vom Jobcenter gezahlt. Den Rest zahlt die Gemeinde.

Doch weshalb findet die 50-Jährige keine Wohnung? Sie sagt: „Der Container hat mir das Genick gebrochen“. Wenn potenzielle Vermieter erfahren, wie sie lebe, könne sie einen Mietvertrag vergessen. Ein Problem, das viele Obdachlose betrifft, erklären Experten. Wer keine feste Wohnung hat, finde so einfach auch keine.

Bürgermeister: Die Unterbringung im Container ist „prekär“

Das allein ist es aber nicht, meint Bürgermeister Müller. Es gebe viele Grautöne in der Geschichte der 50-Jährigen. Über die persönlichen Umstände der Frau will er nicht sprechen. Konkret hätte bereits drei Mal ein Angebot für eine Wohnung vorgelegen. Letztlich wurde daraus aber nichts.

„Wir machen alles, damit die Situation ein Ende findet“, sagt Müller. Die Unterbringung sei „prekär“. Doch der Wohnungsmarkt ist angespannt.

Schuster jedenfalls rechnet noch nicht damit, dass sie schnell aus dem bedrückend engen Container ausziehen kann. „Das glaube ich erst, wenn der Mietvertrag unterschrieben ist“, sagt sie. In Gedanken fragt sie sich schon, ob in das große Zelt vor dem Container wohl ein Weihnachtsbaum passen könnte.

*Um die Persönlichkeit der Betroffenen zu schützen, haben wird den Namen geändert und auf dem Foto das Gesicht unkenntlich gemacht.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Container in Emersacker: Das ist ein Armutszeugnis

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