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Rommelsried

17.03.2021

Zur Orgel in Rommelsried hat er eine besondere Verbindung

Carl Philipp Fromherz ist der neue Organist der Pfarrei in Rommelsried. Hauptberuflich ist er Chordirektor und Kapellmeister am Staatstheater Augsburg.
Foto: Siegfried P. Rupprecht

Plus Carl Philipp Fromherz ist der neue Organist der Pfarrei Rommelsried. Ihn beeindruckt in der Kirche das Zusammenspiel von Instrument und Raum.

Er spielt in erster Linie für Gott, dann für die Pfarrgemeinde: Carl Philipp Fromherz findet für sein Musikspiel deutliche Worte. Seit September ist er der neue Organist der Rommelsrieder Pfarrei und damit verantwortlich für alles, was musikalisch im Zusammenhang mit dem liturgischen Geschehen in der Kirche St. Ursula und Gefährtinnen steht. Und Musik ist für ihn ein Lebensinhalt.

„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, gesteht der 36-Jährige. Zur Orgel hat er dabei eine besondere Verbindung. Eine Kirche ohne Orgel sei wie ein Körper ohne Seele, meint er. In der Pfarrkirche in Rommelsried beeindruckt ihn vor allem das Zusammenspiel von Instrument und Raum. „Der Orgelklang kommt in der atmosphärischen Barockkirche hervorragend zur Geltung und verleiht dem Gotteshaus eine unglaubliche Aura“, verdeutlicht er. Er schwärmt, dass das in den 1860er-Jahren erbaute Instrument optimal räumlich angepasst sei, dem damaligen romantischen Zeitgeschmack entspreche und nicht zuletzt deshalb so magisch klinge.

Carl Philipp Fromherz will dem Spiel Kontur vermitteln

Wie alle älteren Kirchenorgeln stelle sie eine große koordinative Aufgabe dar. „Doch gerade das macht das Orgelspiel so faszinierend“, sagt er. Wichtig sei ihm, dem Spiel Kontur zu vermitteln. Es gebe nämlich kein anderes Instrument, das am Unreinen und Unsauberen im Tonsatz wie im Spiel sofort Rache nähme, zitiert er den Komponisten Robert Schumann. Fromherz ist einer von zwei Organisten in der Pfarrei. Er habe sich auf eine Ausschreibung beworben, erzählt er. „Dabei ist es im Allgemeinen schwierig, eine Stelle als Organist zu erhalten.“ Es gebe schlichtweg zu viele, meint er.

Seit 50 Jahren ist Christa Wall Organisitin in St. Martin in Günzburg. Die ehemalige Lehrerin begleitete in dieser zeit etwa 10000 Gottesdienste an der Orgel.
17 Bilder
Die Orgel ist das Instrument des Jahres 2021
Foto: Bernhard Weizenegger

Dabei informiert er, dass er kein gelernter Organist sei. Hauptberuflich arbeitet er seit Mai 2018 als Chordirektor und Kapellmeister am Staatstheater Augsburg. Aufgewachsen in Göttingen und Ulm erfuhr der 36-Jährige dort seine erste musikalische Ausbildung im Fach Violine/Viola. Nach dem Abitur begann er ein Jurastudium, das er jedoch zugunsten der Musik aufgab. Schließlich studierte er an der Musikhochschule Dresden Dirigieren, Klavier und Violine.

Sein Traum ist, in Italien eine Oper zu dirigieren

Seine berufliche Tätigkeit führte ihn nach einem Engagement als Korrepetitor zur Philharmonie ins ukrainische Dnjepropetrowsk. Als Dirigent erarbeitete er sich dort ein umfangreiches Opern- und Konzertrepertoire. Anschließend war er eine Zeit lang freiberuflich unterwegs, ehe er an das Theater Plauen-Zwickau kam. Am Staatstheater Braunschweig dirigierte er ebenfalls zahlreiche Repertoirevorstellungen. Einen Lieblingskomponisten habe er allerdings nicht, räumt er ein. Wichtig sei für ihn immer seine Arbeit mit dem aktuellen Werkgeber. In Augsburg studierte er unter anderem den Opernchor das Staatstheaters zu Anton Bruckners „Sinfonie Nr. 9 d-Moll“, Franz Lehárs „Die lustige Witwe“, zu „Jesus Christ Superstar“ und zum Fuggermusical „Herz aus Gold“ ein. Als Ziel nennt er, beruflich weiter voranzukommen. Dabei richtet er seinen Fokus auf die Bereiche Oper und Theater. „Doch der Markt ist sehr dicht.“ Nichtsdestotrotz wäre ein Traum von ihm, einmal in Italien eine Oper zu dirigieren.

St. Ursula und Gefährtinnen in Rommelsried ist im Kern ein romanischer Kirchenbau.
Foto: Siegfried P. Rupprecht

Keine persönliche Sorge bereitet Fromherz als Organist die derzeitige heftige Kritik an der Kirche. „Dazu habe ich keine Berührungsansätze“, macht er aufmerksam. „Das beeinflusst nicht mein Musizieren.“ Ihm sei vielmehr wichtig zu betonen, wie sehr er in Rommelsried Vertrauen und respektvollen Umgang vonseiten der Pfarreiverantwortlichen genießen dürfe. Diese Wertschätzung zeigt sich im Kleinen auch darin, dass es vor der Kirche sogar einen eigens ausgewiesenen Parkplatz für den Organisten gibt.

Die Kirche St. Ursula und Gefährtinnen

  • Die katholische Pfarrei Sankt Ursula und Gefährtinnen in Rommelsried gehört zur Pfarreiengemeinschaft Kutzenhausen. Die Kirche mit ihrem Zwiebelhaubenturm bildet unter anderem zusammen mit dem Pfarrhof ein denkmalgeschütztes Ensemble.
  • Der Chorturmunterbau geht auf einen romanischen Kern zurück. Die Kirche wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und später im Barockstil neu aufgebaut. Die oberen Turmteile errichtete wohl Georg Reiter um 1697. Das Langhaus wurde 1782 von Johann Müller neu erstellt und in den 1860er-Jahre verlängert und vergrößert.

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