So hatte sich das Christian Wohlrab, Geschäftsführer des Bauunternehmens Höfle und Wohlrab aus Thannhausen, nicht vorgestellt: Statt des Umbaus der historischen Zech-Stuben im Gessertshauser Ortsteil Deubach steht jetzt ein Abriss an. Der Grund ist einfach: Ein von Schädlingen und durch einen Wasserschaden zerfressener Dachstock und poröses Mauerwerk ließen keine andere Entscheidung zu, so Wohlrab. Er stützt seine Entscheidung auf ein Gutachten, das er im Frühjahr hat erstellen lassen. Für die Gemeinde Gessertshausen kam die Entscheidung zunächst überraschend. Doch dann gab es eine wichtige Entwicklung.
Reihenhäuser, insgesamt 28 Wohnungen in mehreren Gebäudeteilen, darunter in der ehemaligen Wirtschaft, eine Tiefgarage: So sollte das Gesamtkonzept für das Grundstück rund um die Zech-Stuben aussehen. Dies zumindest hatte Bauunternehmer Christian Wohlrab geplant, nachdem er 2021 Gebäude und Grundstück für 1,5 Millionen Euro, wie er jetzt sagt, von der Gemeinde gekauft hatte. Vor rund einem Jahr hatte er die Planungen vorgestellt und entsprechende Bauanträge bei der Gemeinde eingereicht. Der historische Teil des Gebäudes sollte erhalten bleiben. „Wir wollten uns damit auch den Rohbau sparen“, so Wohlrab.
Das Gutachten der Gemeinde Gessertshausen kann im Rathaus eingesehen werden
Doch während der Abbrucharbeiten waren Zweifel aufgekommen. Das Gebäude schien in keinem guten Zustand zu sein. Selbst ein Fachmann, schaltete er dennoch eine Gutachterin ein. Das Ergebnis der Untersuchungen war ernüchternd: Das Gebäude sei in einem derart schlechten Zustand, dass es in Teilen sogar einsturzgefährdet sei, berichtet Wohlrab. Am Abbruch führe kein Weg vorbei, so das Fazit der Untersuchung. Teilweise drang die Spitze eines Hammers tief ins weiche Holz ein, das wohl mal durch ein undichtes Dach geschädigt worden war. Außerdem seien, warum auch immer, tragende Balken abgesägt worden.
Wohlrab stellte das Ergebnis erst vor wenigen Wochen in einer nicht öffentlichen Sitzung dem Gemeinderat vor. „Als der Inhalt Bürgermeister, Rathausverwaltung und Kreisbaumeister erstmals eröffnet wurde, war die Sachlage ernüchternd“, berichtet Bürgermeister Jürgen Mögele. Tragende Wände und tragende Querbalken sowie der Dachstuhl seien in einem desolaten Zustand. In Absprache mit dem Eigentümer und dem Kreisbaumeister hatte die Gemeinde daraufhin ein zweites, „neutrales“ Gutachten, wie es Mögele nennt, beauftragt. „Das zweite Gutachten kam zum selben Ergebnis: Das Gebäude kann aus Sicherheitsgründen wie der Standsicherheit oder der Verkehrssicherungspflicht nicht erhalten bleiben“, so der Bürgermeister. Zu Abriss und Neuaufbau gebe es keine Alternative, so Mögele. Das Gutachten der Gemeinde könne im Rathaus eingesehen werden, teilt der Bürgermeister zudem mit.
Stammen die Zech-Stuben aus der Zeit von Elias Holl?
Für den Bauunternehmer bedeutet das: Er muss nun mit Abriss und Neuaufbau planen. Er hofft, dass er jetzt dennoch so schnell wie möglich weiterbauen kann. Die Zech-Stuben sind zwar der markante Mittelpunkt von Deubach, sind oder waren jedoch nie unter Denkmalschutz. „Hier gibt es nichts mehr, was schützenswert ist“, so Wohlrab. Über Jahrhunderte hinweg sei das Mauerwerk nicht fachgerecht gepflegt worden. Wie alt die Zech-Stuben tatsächlich sind, weiß er allerdings nicht. In einigen Quellen sei die Rede davon, dass sie möglicherweise sogar auf Elias Holl, den großen Augsburger Baumeister der Renaissance, zurückgehen. „Belege dafür gibt es aber nicht.“
Christian Wohlrab will dennoch, dass der Neubau äußerlich an die alten Zech-Stuben erinnern soll. Im Inneren könnten sich jedoch Veränderungen ergeben. „Wir haben Anfragen von Ärzten, die sich hier niederlassen wollen“, so Wohlrab. Zwei Praxen könnten im Obergeschoss eingeplant werden. Der Neubau ermögliche nämlich, dass auch die dafür benötigten Parkplätze mitgeplant werden können.
Einen ähnlichen Fall gibt es in Biburg
Der letzte Pächter aus der Gastronomie war übrigens aus den Zech-Stuben 2017 ausgezogen. Er hatte damals bereits auf die schlechten Zustände aufmerksam gemacht, die ein hygienisches und modernes Arbeiten kaum möglich machten. Die Vorkommnisse erinnern an die Alte Post in Biburg. Dort sollten ebenfalls in einem ehemaligen, historischen Gasthof Wohnungen eingebaut werden. Auch die Alte Post ist inzwischen abgerissen – wegen einer zu schlechten Bausubstanz.