Meitingen und das Unternehmen SGL Carbon sind eng miteinander verbunden. 1920 kauften die Gebrüder Siemens ein Grundstück in Meitingen am Lech. Dort, wo dank der Wasserkraft genügend preiswerte Energie vorhanden war. Heute arbeiten rund 1400 Menschen am größten Standort des inzwischen weltweit tätigen Unternehmens. Auch über die SGL-Werkskapelle und die örtliche Wohnungsbaugesellschaft sind die Marktgemeinde und die Firma verwoben. Da erschien es logisch, dass auch der Firmensitz in Meitingen ist. Der aber verblieb, trotz jahrelanger Bemühungen seitens der Beschäftigten in Meitingen sowie Anwerbeversuchen aus der Region, in Wiesbaden. Doch zum 1. Januar 2027 wird das Hauptquartier nun an den Lech verlegt. Die Freude darüber ist groß.
Worauf setzt die SGL Carbon in Meitingen künftig?
CEO Andreas Klein verkündete die Entscheidung, die die Aktionäre am Montag in der Hauptversammlung gebilligt hatten, am Donnerstag in Meitingen. Der Standort sei für die Firma besonders. „Hier ist die Schmiede für Innovationen. Meitingen ist ein wichtiges Fundament für die Zukunft.“ Nach harten Jahren vor allem im Carbonfaser-Geschäft setzt man nun auf neue Wachstumsfelder. Darunter etwa die Auskleidung sogenannter SMRs, kleine modulare Reaktoren mit Grafitverbundstoffen. Diese wiederum könnten auch in der Verteidigung und Sicherheitsindustrie verwendet werden. Auch in der Luft- und Raumfahrt will die SGL laut Klein „mitspielen“. Wir haben sehr viele Antworten für die Herausforderungen der Zukunft.“
Standortleiter Alexander Miehling berichtete, was sich noch alles am Standort getan hat. Nachdem in Meitingen 2025 rund 100 Beschäftigte entlassen wurden, bezog das Unternehmen Airbus Helicopters eine freigewordene Halle. Auch dessen Donauwörther Standortleiter Helmut Färber schaute am Donnerstag persönlich vorbei. Miehling sagte, die SGL Carbon sei stark durch etwa solche Partnerschaften, aber auch durch die Netzwerke zur Kommune und der ganzen Region.
Gemeinsam mit Europaminister Eric Beißwenger und Digitalminister Fabian Mehring wurde dann eine PV-Anlage in Betrieb genommen. Dies wird mit einem jährlichen Stromertrag von rund 4,6 GWh komplett ins Werk fließen und dort zehn Prozent des Bedarfs decken. Außerdem legte das Unternehmen am Donnerstag den Grundstein für eine Luftzerleger-Anlage. Zusammen mit der Firma Linde will die SCL Carbon künftig Stickstoff am Standort selbst erzeugen. So könnten pro Jahr 260 Lastwagenlieferungen wegfallen. Beißwenger betonte, in Meitingen würde nicht nur produziert, sondern für die Zukunft gebaut, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren.
Meitingen und die SGL Carbon sind eng verwoben
Digitalminister Mehring, der selbst aus Meitingen stammt und enge familiäre Verbindungen zu dem Unternehmen hat, betonte: „Die SGL hat immer, wenn es einem Geschäftsfeld nicht so gut ging, etwas Neues gesucht und aufgebaut. Das ist Transformation und Innovation at it‘s best – von diesem SGL-Spirit bräuchten wir mehr.“
Meitingens Pfarrer Gerhard Krammer segnete die neue Halle der Werkfeuerwehr. Diese weihte Michael Higl als Stellvertreter von Landrat Martin Sailer ein. Auch Higl, in Personalunion Meitingens Bürgermeister, hob die jahrzehntelange und enge Verbindung zwischen der Region und dem Unternehmen, etwa mit der Werkfeuerwehr beim Thema Katastrophenschutz, hervor. Zudem befindet sich die Meitinger Verwaltung, weil das Rathaus saniert wird, ebenfalls in einem Gebäude auf dem weitläufigen Gelände. Und erst in der jüngsten Sitzung hatte der Marktgemeinderat wieder über einen Bauantrag der SGL abgestimmt. „Wir machen vieles gemeinsam.“ Doch auch für Meitingens Bürgermeister ist die Verlagerung des Hauptsitzes ein Höhepunkt seiner Amtszeit.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren