Als in der Nacht vor zwei Jahren die ersten Anrufe von besorgten Bürgern bei Mathias Burger eingingen, ahnte er, dass es etwas Größeres werden könnte. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Affaltern engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für seinen Heimatort im Landkreis Augsburg. Wenige Stunden später wurden die Ausmaße des Hochwassers im Juni 2024 immer deutlicher. Burger und weitere Leser haben unserer Redaktion von ihren Erinnerungen an besondere Szenen vor zwei Jahren berichtet. Über ein Dorf, das über sich hinauswachsen musste, einen Strauch, der Schlimmeres verhindert und die Schönheit der besonderen Anblicke.
„Die Hochwasserlage erreichte innerhalb kürzester Zeit ihr Maximum“, berichtet Burger. Als das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth die Hochwasserlage „4 Plus“ ausrief, war schnell klar, dass die Einsatzkräfte über mehrere Tage gefordert sein würden. Im kleinen Affaltern mit rund 500 Einwohnern entwickelte sich der sonst ruhige Dorfbach innerhalb weniger Stunden zu einem stark angeschwollenen Gewässer. Straßen und Keller liefen voll, an vielen Stellen musste schnell gehandelt werden. Für die 42 Einsatzkräfte der Feuerwehr Affaltern folgten fünf intensive Tage.
Neben großem Verlust beeindruckte Burger die enorme Hilfsbereitschaft
An eine Situation kann sich Burger noch besonders genau erinnern: „Bei der Räumung eines Anwesens fanden wir plötzlich Munition für eine Panzerfaust.“ Sofort wurde die Polizei verständigt und der Bereich abgesichert. Nach kurzer Zeit konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. „Zum Glück stellte sich heraus, dass es sich lediglich um nicht mehr scharfe Übungsmunition handelte“.
Zu der körperlichen Belastung durch die Einsatzarbeiten kamen die emotionalen Eindrücke hinzu. Burger erinnert sich unter anderem an ein Ehepaar aus Eisenbrechtshofen, das erst wenige Wochen zuvor in sein neues Haus eingezogen war. Durch das Hochwasser wurde das gesamte Inventar im Erdgeschoss beschädigt und war nicht mehr zu retten. „Solche Situationen gehen einem natürlich nahe“, sagt Burger.
Glück im Unglück: Ein kleiner Strauch, der größeren Schaden verhinderte
Gleichzeitig habe ihn die große Hilfsbereitschaft beeindruckt. Viele Bürgerinnen und Bürger unterstützten die Einsatzkräfte mit Getränken, belegten Semmeln und Kuchen. Auch Menschen, die selbst nicht vom Hochwasser betroffen waren, halfen spontan mit. „Die Dankbarkeit der Menschen war überall spürbar“, erzählt Burger. Seine Erinnerungen sind deshalb auch positiv: „Es war eine enorme Teamleistung – von den Einsatzkräften, aber auch von der gesamten Dorfgemeinschaft.“
Hannes Grönninger aus Neusäß erinnert sich an eine besondere Szene aus der Kleingartenanlage „Am Eichenwald“ nahe dem Weldenbahn-Radweg. Hier war die Schmutter über die Ufer getreten und sorgte für geflutete Felder und Ortschaften. Der kleine Bach wurde zu einem reißenden Strom. Doch manches hätte auch noch schlimmer kommen können.
Grönninger beobachtete, wie ein Wohnwagen von den Fluten mitgezogen wurde – und ausgerechnet von einem Busch aufgehalten wurde und sich verkeilte. Als Glück im Unglück schätzte er die Situation ein: „Wäre dieser Wohnwagen nicht in den Sträuchern hängen geblieben, wäre die folgende Brücke am Weldenbahn-Radweg sicherlich vom Hochwasser weggerissen worden.“
Neben dem Leid erinnert sich Schwabmünchnerin an nie dagewesene Anblicke
Währenddessen kommen Susanne Werli aus Schwabmünchen deutlich sanftere Erinnerungen an die Wassermassen. Denn neben dem Leid und den Schäden rief das Hochwasser auch positive Ausnahmesituationen hervor. Werli empfand die Spaziergänge im gefluteten Luitpoldpark als besonders spannend: „Da schwammen die Enten auf den Spazierwegen und die rote Sitzbank stand fast komplett unter Wasser.“
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