Die Wände sind in einem hellen, sandfarbenen Grau gestrichen, die Dekoration ist schlicht. Das Tageslicht, das durch die große Fensterfront fällt, vermischt sich mit dem warmen Schein der Deckenlampen. Das Sabs Café könnte auch in einer Großstadt wie München oder Berlin stehen, tatsächlich ist es jedoch in Horgau im Augsburger Land zu finden. Obwohl modern eingerichtete Lokale und Kaffeestuben in Städten an nahezu jeder Ecke zu finden sind, stechen solche Orte im Landkreis heraus. Zwei Inhaberinnen erzählen, wie das Geschäft auf dem Land läuft und warum es wichtig ist, sich immer weiterzuentwickeln.
„Ich will, dass sich meine Gäste wie in einem Café in New York fühlen“, sagt die Inhaberin von Sabs Café Sabrina Kaiser. Auf einer Reise in die nordamerikanische Großstadt hatte sie sich viele Coffee-Shops angeschaut und festgestellt: Jedes Café ist modern eingerichtet und hat eine Siebträgermaschine. Als Kaiser von dem Urlaub zurückkam, hatte sie einen Plan, wie ihr eigenes Café aussehen sollte.
Klassische Angebote neben Trends: „Ohne Wurst und Käse geht es auf dem Land nicht“
Doch nicht nur die Einrichtung ist bei Sabs Café modern. Es gibt das lila Trendgetränk Ube Latte. Als der Hype um Dubai Schokolade groß war, gab es Dubai Cheesecake. Und der Matcha Latte ist von Kaisers Karte nicht mehr wegzudenken. „Die Leute sehen das auf Instagram oder TikTok und wollen das dann auch haben“, sagt Kaiser. Wenn sie es nicht anbieten würde, würde ein Teil ihrer Kundschaft woanders hingehen, ist sich die 36-Jährige sicher. Deshalb sei es wichtig, immer am Ball zu bleiben.
Trotz der Trends ist die Kundschaft in Sabs Café sehr durchmischt. Am Wochenende kommen Radfahrer vorbei. Unter der Woche gehören Rentner und Rentnerinnen zur Stammkundschaft. Neben den Trendangeboten gibt es beispielsweise auch klassisches Frühstück – zum Wohlgefallen der älteren Kundschaft. „Ohne Wurst und Käse geht es auf dem Land nicht“, sagt Kaiser.
Aber die Mischung von Trend und Tradition funktioniert, das Café läuft gut. „Ein älterer Herr kommt regelmäßig, weil er sagt, bei mir schmeckt der Kaffee einfach besser als zu Hause“, erzählt Kaiser. Und manchmal beobachtet sie auch ältere Gäste, die Fotos von ihrer Bestellung machen und das dann in den WhatsApp-Status hochladen oder ihren Enkeln schicken.
Das Auge isst mit: Ästhetik funktioniert besonders gut auf Social Media
Die ästhetisch ansprechenden Speisen und Getränke gehören beim Sabs zum Konzept dazu. „Ich glaube, viele Menschen nehmen sich zu Hause weniger Zeit dafür. Hier können sie es sich gut gehen und den Alltagsstress hinter sich lassen“, überlegt Kaiser laut. Und dann kommt noch das Sehen und Gesehen werden hinzu. „Das Ästhetische läuft natürlich auch gut auf Social Media“, sagt Kaiser. Man wolle dort zeigen, dass man sich etwas gönnt.
In Königsbrunn sticht das Eiscafé Icy Blossom mit seiner besonderen Einrichtung heraus: Die Wände sind in zartem Rosé gestrichen, ein Kirschbaum mit rosa Blüten dekoriert eine Ecke, Stuckleisten zieren die Decke. Inhaberin Alisha Hanna hat ihren kreativen Fantasien freien Lauf gelassen. Das selbstgemachte Eis lasse sich in der Atmosphäre ganz anders genießen. „Das Auge isst mit. Mit dem schönen Raum ist es dann ein ganz anderes Erlebnis“, sagt Hanna.
Das rosa Café würde sicher auch in einer Großstadt wie Augsburg auffallen – in Königsbrunn springt das Icy Blossom aber geradezu ins Auge. Andere Cafés oder Eisdielen in der Umgebung sind weniger modern und auffallend eingerichtet. „Ich mag, dass es ein aufgeräumtes und in sich schlüssiges Konzept ist“, sagt Hanna. Damit habe das Café einen hohen Wiedererkennungswert. Und das Konzept geht auf: Besonders bei jungen Familien und Menschen bis 30 Jahren ist das Eiscafé sehr beliebt.
Icy Blossom will sich mit Eigenkreationen weiterentwickeln
Auch über die Sozialen Medien zieht das Café Kundschaft an. „Man kann hier drin gut fotografieren, weil es schön eingerichtet ist“, sagt die Inhaberin. Mit Eigenkreationen will sich Hanna weiterentwickeln. So gibt es neuerdings eine Eissorte passend zum Namen Icy Blossom und sogenannte Floats: kalte Softdrinks mit einer Kugel Eis. Doch es gebe immer wieder Anfragen aus der Kundschaft nach Matcha Latte, den Hanna bisher nicht anbietet. „Ich überlege es mir noch. Es würde gut in den Laden passen“, sagt die Café-Besitzerin.
Hanna und Kaiser sind sich beide sicher: In der Augsburger Innenstadt könnten sie mit ihren Cafés womöglich mehr Umsatz machen. „Ich merke schon, dass das Geld aktuell bei den Leuten auf dem Land nicht so locker sitzt“, sagt Kaiser. Beide profitieren zwar von ihrem Alleinstellungsmerkmal im Landkreis. Der Gedanke an eine mögliche Konkurrenz macht sie aber auch nachdenklich. „Wenn in der Nähe weitere moderne Cafés öffnen würden, gibt es vielleicht ein Jahr später zwei Cafés weniger“, - und welches das dann sei, wisse man vorher nicht. Umso wichtiger sei es, immer wieder etwas anzubieten, was andere nicht haben.
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