Rückblende (4)

31.12.2015

Da legst dich nieder

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Landesliga-Spielleiter Stefan Schneider (links) und die beiden Abteilungsleiter Torsten Vrazic und Jürgen Erhard übergaben den Fairnesspreis an Ferdinand Wagner (2. von rechts).

Die kuriosesten Momente des Fußballjahres 2015. Warum Fairplay nicht immer belohnt wird

Es gibt Szenen im Fußball, die bleiben unvergessen. Dazu gehört der „Torfall von Madrid“. Durch ein vor dem Anpfiff umgefallenes Tor verzögerte sich am 1. April 1998 der Beginn des Halbfinalspiels der Champions League zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund im Santiago-Bernabéu-Stadion um 76 Minuten. Diese unfreiwillige Pause bei der Liveübertragung wurde von den Reportern Marcel Reif und Günther Jauch überbrückt. Für diese Moderation erhielten die beiden den Bayerischen Fernsehpreis 1998.

Ähnliches ist zu Beginn der Saison 2015/16 in Thierhaupten passiert. Dort fielen beim 4:2-Heimsieg des Ost-Kreisligisten gegen den VfL Ecknach sieben Tore. Aber nur sechs davon zählten. Den siebten Torfall verursachte SVT-Torhüter Florian Fetsch, der sich nach einem Freistoß, der über den Kasten ging, an der Querlatte hangelte. Plötzlich brach das Aluminium am Pfosten und das Tor fiel um. „Wir führen 4:0. Das Spiel wird doch jetzt nicht abgebrochen werden?“, war der erste Gedanke von Trainer Stefan Schmid.

Doch schnellstens wurde Ersatz beschafft, ein transportables Trainingstor herbeigeschleppt – und schon nach kurzer Unterbrechung konnte es weitergehen. „Das ist Organisation“, lobte SVT-Vorsitzender Werner Mayr, „während im Europapokal in Madrid 76 Minuten vergehen, bis ein neues Tor steht, zaubern wir das in Thierhaupten in acht Minuten.“

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Am Ende siegt die Ehrlichkeit – oder?

Der „Torfall von Thierhaupten“ war mit Sicherheit die kurioseste Szene des vergangenen Fußballjahres. Es gab aber noch weit mehr Bemerkenswertes: Als bei seiner Grätsche nach dem Ball der Sand aufwirbelte, hätte sich Ferdinand Wagner nicht träumen lassen, wie viel Staub diese Aktion bei den bayerischen Beach-Soccer-Meisterschaften noch aufwirbeln würde. Sein Treffer hätte das 1:1 für den DSC Lech Schwaben, ein Hobbyteam, bedeutet, so verlor man 1:2 und schied aus. „Wäre der Ball ohne weitere Berührung direkt in das Gehäuse gegangen und somit direkt aus dem Abwurf des Torwarts erzielt worden, hätte es aberkannt werden müssen“, erinnert sich Michael Tittmann vom BFV-Verbandsausschuss, der als Turnierleitung eingesetzt war. Als die Gegner protestierten, befragte der Schiedsrichter Ferdinand Wagner. „Da habe ich zugegeben, dass ich nicht am Ball war“, so der 25-Jährige treuherzig.

Noch während des Spiels, sogar den restlichen Tag, wurde Ferdinand Wagner von seinen Mitspieler aufgezwickt. Trotzdem blieb er auch bei der Siegerehrung am Ende des Tages dabei, dass es für ihn selbstverständlich war, hier die Wahrheit zu sagen. Mit dieser Geste gewann Wagner, der in der zweiten Mannschaft des TSV Meitingen kickt, den ersten bayerischen Fair-Play-Preis, der vor dem Landesliga-Spiel gegen die SpVgg Kaufbeuren von Spielleiter Stefan Schneider überreicht wurde. Er übergab neben der Urkunde auch ein Fair-Play-T-Shirt sowie einen Gutschein für den DFB-Fanshop.

Fast hätte man beim TSV Meitingen schon bald darauf eine weitere Bewerbung für eine Auszeichnung schreiben können. Im Spiel gegen den SC Ichenhausen hatte der Schiedsrichter schon auf Abstoß entschieden. Nach Protesten befragte er Meitingens Wolfgang Wippel, ob er den Ball noch berührt habe. „Ich glaube“, hat der Abwehrspieler treuherzig geantwortet. Zwar fand die Ecke noch nicht den Weg ins Tor, doch als der abgewehrte Ball erneut in den Strafraum geschlagen wurde, gelang Ichenhausen das 1:1. „Auf so etwas kann ich verzichten“, knurrte Trainer Ali Dabestani. Das Spiel wurde 1:2 verloren.

Dass man mit Fairplay auf die Verliererstraße geraten kann, musste auch Christoph Besser vom SV Ehingen/Ortlfingen erfahren. Er gab zu, einen Ball hinter der Linie mit der Hand abgewehrt zu haben. Dieser Treffer bedeutete im Derby gegen den TSV Meitingen II das 1:1, am Ende hatte man mit 1:2 das Nachsehen. „Lieber verlieren wir“, stärkte Trainer Hermann Duschl seinem Kapitän den Rücken, „auch wenn das vielleicht in letzter Konsequenz zum Abstieg geführt hat. Aber wir spielen Kreisklasse und nicht Champions League.“

Dass Ehrlichkeit am Ende siegt, wird nicht nur dadurch belegt, dass Wippel und Besser in diesem etwas anderen Jahresrückblick nochmals positiv erwähnt werden. Auch im Falle von Benni Schmoll ist es gut ausgegangen. Beim Bezirksliga-Derby gegen den Cosmos Aystetten zeigte sich der TSV-Kapitän als fairer Sportler. Dies hat der Schiedsrichter im elektronischen Spielbericht wie folgt positiv vermerkt: „29. Minute: Nach einer unübersichtlichen Aktion wollte ich auf Abstoß für Neusäß entscheiden. Der Neusässer Spieler Schmoll Benedikt gab daraufhin sofort ohne Aufforderung zu, dass er den Ball noch berührt habe. Aus dem darauf folgenden Eckstoß fiel das 1:1 für Aystetten.“ Bekanntlich siegt Ehrlichkeit – und so gewann der TSV Neusäß das Match auch mit 2:1.

Zwei Ären enden beim TSV Gersthofen

Beim TSV Gersthofen ging eine Ära zu Ende. Nicht nur, dass die Schwarz-Gelben nach acht Jahren auf bayerischer Ebene in die Bezirksliga absteigen mussten. Drei Spieltage vor Saisonende, als der Abstieg längst besiegelt war, trennte man sich von Trainer Ivan Konjevic. Er hatte den TSV 2006/07 nach 43 Jahren wieder in die Landesliga zurückgeführt und vor drei Jahren in ganz schweren Zeiten wieder übernommen. Ex-Profi Konjevic wechselt zur neuen Saison als Co-Trainer zum künftigen Bezirksliga-Konkurrenten SV Cosmos Aystetten. Dort musste er zusammen mit Chefcoach Paolo Mavros nach wenigen Spielen gehen. Völlig überraschend kam auch der Abgang von Marco Löring, der nach dem 2:1-Sieg gegen den SV Cosmos Aystetten seinen Rücktritt verkündete. Ob das mit der freien Stelle in Aystetten zusammenhängt, wird sich im neuen Jahr zeigen.

Der Sommer 2015 war geprägt von großer Hitze und schweren Unwettern. Florian Steppich, Arthur Fichtner, Martin Winkler und Nicolai Vrazic vom TSV Meitingen sowie Marvin Dörr, Maximilian Leicht, Marco Lettrari und Marco Baur vom TSV Gersthofen standen in einer Schwabenauswahl, die in Aindling zu einem Benefizspiel für die Tornadoopfer in Affing und Stettenhofen gegen den FC Augsburg antrat.

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