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Hinter den Kulissen

23.07.2020

Ein Gschmäckle aus dem Koffer

Centa Watzal aus Zusmarshausen wäscht seit 40 Jahren die Trikots beim TSV Zusmarshausen.
Bild: Marcus Merk

Plus Centa Watzal, die seit 40 Jahren die Trikots beim TSV Zusmarshausen wäscht, plaudert aus dem Nähkästchen. Warum das früher viel schwieriger war

Nicht nur die vielen Tausend Amateurfußballer befinden sich seit sieben Monaten in der unfreiwilligen Corona-Pause. Auch Centa Watzal weiß momentan oft nicht, was sie am Sonntagnachmittag machen soll. Denn dort ist sie regelmäßig anzutreffen, um mitzuverfolgen, was die Fußballer des TSV Zusmarshausen in den von ihr gewaschenen Trikots anstellen. Seit mittlerweile unglaublichen 40 Jahren ist sie dafür verantwortlich, dass die Herrenmannschaften der Grün-Weißen Woche für Woche in sauberen Jerseys antreten können.

„Mein Mann war immer auf dem Sportplatz, mein Schwager hat aktiv gespielt. Da hat es nichts anderes gegeben, als auf dem Sportplatz zu sein“, blickte Centa Watzal dabei lachend zurück. Als sie 1980 zu arbeiten aufgehört hat, hat ihre Nachbarin Sophie Schmid, die bisher für die Dienstkleidung der Zusmarshauser Kicker zuständig war, über den Zaun gerufen: „Du könntest doch jetzt auch mal die Trikots waschen.“ Und seitdem können sich die Zusmarshauser Kicker auf Centa Watzal verlassen.

„Heute ist das ja ganz einfach. Waschen, zusammenlegen, und schon hat sich der Fall“, erinnert sie sich an die Baumwollleibchen früherer Tage: „Die hat man oft vor dem Waschen noch mit der Bürste vom gröbsten Dreck befreien müssen, und hinterher mussten sie fein säuberlich gebügelt werden.“ Besonders schmutzig dürften die ihres Neffen Herbert Watzal gewesen sein, der über viele Jahre hinweg als Abwehrstratege die gegnerischen Stürmer gestoppt hat.

Was die geordnete Rückgabe der Trikots betrifft, ist Centa Watzal mit der ersten und zweiten Mannschaft sehr zufrieden, während die Alten Herren noch etwas Nachhilfe benötigten. „Vor allem im Umdrehen der Stutzen und Trikots“, plaudert sie aus dem Nähkästchen: „Manche bringen die verschwitzten Sachen auch nicht gleich nach dem Spiel bei mir vorbei, sondern erst ein paar Tage später. Da steigt dann oft ein ziemliches Geschmäckle aus dem Koffer auf.“

Sport spielt eine große Rolle in ihrem Leben. Regelmäßig unternimmt sie mit einer Gruppe Radtouren – neuerdings mit dem E-Bike – und läuft viel in den umliegenden Wäldern. Auch bei den Kleeblattläufen des Landkreises war sie mit den Nordic-Walking-Stöcken schon oft dabei. „Deshalb hat sie sich auch ihr jugendliches Aussehen bewahrt“, war sich die Delegation des TSV einig, die ihr zum 80. Geburtstag einen Besuch abgestattet hatte, um persönlich zu gratulieren.

Ganz früher hat Centa Watzal aktiv Tennis gespielt. Doch der Fußball ließ sie auch da nicht los. Ihre Mannschaftskameradinnen witzelten sogar, dass sie sich sogar während des Tiebreaks erkundigt habe, wie es bei den Fußballern stand. Auch heute ist sie Stammgast bei den Spielen des Kreisligisten, in dessen Reihen mittlerweile ihr Enkel Jonas aufläuft.

Obwohl sie jetzt eigentlich gemütlich die Hände in den Schoß legen könnte, sehnt Centa Watzal den tag herbei, an dem es mit dem Fußball weitergeht und sie wieder auf den Sportplatz gehen kann. Auch im Fernsehen läuft nichts. „Unmöglich! Mein Mann wird schon langsam grantig“, meint sie angesichts der Tatsache, dass die Geisterspiele in der Bundesliga vorbei sind und auch die Champions League noch etwas warten lässt, bis der Ball wieder rollt. Einen Vorteil habe die Fußballabstinenz aber doch. „Ich habe den Fernseher jetzt öfters für mich“, lacht Centa Watzal. Statt Robert Lewandowski oder Thomas Müller von ihrem Lieblingsverein FC Bayern München würden nun Romanfiguren von Rosamunde Pilcher auf dem Bildschirm erscheinen.

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