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Sportskanone

17.10.2019

Mit 15 Jahren Herr über 70 Pferdestärken

Herr über 70 Pferdestärken ist der 15-jährige Maximilian Troidl. Das Glück dieser Welt liegt für ihn auf Speedway-Motorrädern.
Bild: Marcus Merk

Maximilian Troidl aus Langweid fährt erfolgreich Speedway, eine besonders schnelle Form des Motorradfahrens. Schon als Dreijähriger startete er den Motor – zuvor musste er noch ganz schnell Radfahren lernen

Als Maximilian Troidl zum ersten Mal auf einem Motorrad sitzt, können andere Kinder in seinem Alter noch nicht einmal Fahrrad fahren. Drei Jahre war der heute 15-Jährige damals alt. Innerhalb weniger Tage lernte der Bub das Radeln, um auf der kleinen Maschine flitzen zu dürfen. Sein Ehrgeiz hat sich gelohnt: Inzwischen fährt der Schüler aus Langweid Speedway – eine besonders schnelle Form des Motorradfahrens – in der 2. Bundesliga.

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Als Maximilian Troidl als Dreijähriger bei einem Fest in Stadtbergen eine Motorrad-Vorführung des AMC Haunstetten sieht, ist dem Bub klar: Das will er auch. Dafür muss er allerdings Fahrradfahren lernen, und zwar schnell. „Ich bin nie Dreirad gefahren“, sagt der 15-Jährige heute. „Aber nach drei bis vier Tagen konnte ich schon Fahrrad fahren.“ Entspannt wirkt der Teenager, während er in seinem Elternhaus in Langweid von seinen bisherigen Erfahrungen erzählt.

Dass der drahtige Junge mit den kurzen braunen Haaren, einem freundlichen Lächeln und einer frechen roten Cap sonst mit einer rund 70-PS-starken Maschine mit bis zu 120 Stundenkilometern über sandige Strecken heizt, ist nicht gleich zu erkennen. Bilder, die entlang der Wendeltreppe hängen, verraten allerdings sein Hobby. Stolz zeigt seine Mutter Irene Troidl, die im Gespräch anwesend ist, die eingerahmten Bilder ihres Sohnes. Je weiter man die Treppe emporsteigt, desto älter wird der abgebildete „Maxi“. Seine Motorräder sind sozusagen mit ihm groß geworden.

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Mit vier Jahren das erste Motorrad bekommen

Zunächst fuhr der Bub nur in einem Seitenwagen an einem Motorrad mit, bevor er anschließend alleine auf einer kleinen Maschine sitzen durfte. „Mit vier Jahren habe ich dann mein eigenes Motorrad bekommen“, sagt Maximilian. „Das war eine PW50.“ Ein 3-PS-starkes Motorrad für Kinder, kaum größer als ein Schäferhund. Danach ging alles sehr schnell: Je älter der Bub wurde, desto größer und schneller auch seine Motorräder. Mit sechs Jahren durfte er das erste Mal mit einer KTM senior SX Speedway-Rennen fahren. „Mit neun Jahren ging es weiter in der nächsten Juniorklasse mit einer 125er Stuha-Speedway-Maschine“, sagt Maximilian. Die Sportart zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Die Maschinen besitzen keine Bremsen. Nur durch Driften und Austrudeln verringern die Fahrer die Geschwindigkeit, in der Kurve hilft ein Schleifschuh – ähnlich wie Sporen – die Kontrolle zu behalten. Mit rund 50 Stundenkilometern verlassen die Fahrer die Kurvenlage.

Dass ein 15-Jähriger bereits auf dem Motorrad sitzen darf, liegt an einer strengen Lizenz, die nur für die Trainings- und Wettkampffahrten gilt. „Wenn ich verletzt bin, muss ich die Lizenz abgeben“, sagt Maximilian. Ein Arzt kontrolliert zudem regelmäßig die Fahrtüchtigkeit der Sportler. Erst vor Kurzem musste der Langweider die Lizenz nach einem Sturz abgeben: Ein tiefes Loch im Muskel seines Oberschenkels zeugt noch von dem Unfall.

Davon lässt sich der Teenager aber nicht unterkriegen: Inzwischen fährt er die gleiche Motorstärke wie in der Erwachsenenklasse: Bis zu 70 PS brummen unter seinen Füßen. Um diese Kraft steuern zu können, muss Maximilian viel trainieren. „Ich mache viel Kraft- und Ausdauertraining“, sagt er. Zudem ist er mehrmals pro Woche für den Sport unterwegs: Basketball, Schießen und Motocross bieten ihm einen Ausgleich. „In meinem Freundeskreis bin ich der Aktivste“, sagt Maximilian lachend.

Für Training, Wettkämpfe oder andere Veranstaltungen reist die gesamte Familie mit einem großen Transporter quer durch Deutschland und ins angrenzende Ausland. Wegen Lärmschutz ist es nämlich nicht erlaubt, um jede Uhrzeit zu trainieren. Entsprechend viel sind die Troidls für Trainingsfahrten unterwegs. Neben der Strecke in Haunstetten fahren sie nach Olching, Landshut und Abensberg. Für den AC Landshut startet der 15-Jährige in der 2. Bundesliga, für Abensberg tritt er im Bayerncup an. Jeweils vier Mal pro Jahr finden die Wettbewerbe statt. „Wir sind eigentlich mehr Wochenenden unterwegs, als wir da sind“, sagt Irene Troidl.

Der Sport nimmt viel Zeit in Anspruch. Ein Blick in die nahe gelegene Werkstatt, in der nicht nur drei Motorräder stehen, sondern auch unzähliges Werkzeug und stapelweise Ersatzräder, zeigt: Ohne die Unterstützung der Familie ist der Sport nicht möglich. Durch die Begeisterung des Sohnes angesteckt, hat auch Vater Martin Troidl die Freude am Schrauben entdeckt. „Mit meinem Vater repariere ich kleinere Dinge am Motorrad“, sagt Maximilian. Die Kontrolle des Motors übernimmt hingegen ein Profi.

Maximilians Herz schlägt für den Motorsport, nach der Schule möchte er eine Ausbildung zum Mechatroniker beginnen und als Profi durchstarten. Der PS-starke Sport ist allerdings teuer, Sponsoren hingegen sind in der Randsportart noch selten. „Um von dem Sport leben zu können, muss ich in der englischen und polnischen Liga fahren“, erklärt der 15-Jährige. In beiden Ländern wird sein Sport professioneller gelebt als in Deutschland.

Ein Roller ist ihm viel zu langsam

Bald wird Maximilian 16 Jahre alt. Auf einen Rollerführerschein verzichtet er allerdings: zu langsam. „Ich warte lieber auf den Autoführerschein“, sagt er und drückt der Reporterin zum Abschied noch zwei Autogrammkarten in die Hand.

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