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Jugendfußball

03.07.2020

War der Abbruch nur die zweitbeste Lösung?

Die Nachwuchskicker dürfen ihre Künste derzeit nicht präsentieren. Die Saison 2019/20 wurde wegen der Corona-Pandemie abgebrochen.
Bild: Josef Abt

Durch die lange Pandemie-Pause geht in den Vereinen die Angst um, dass die Spieler davonlaufen. Wie Jugendleiter und Trainer der Landkreisklubs die Situation beurteilen und dagegen ankämpfen

Die Seniorenmannschaften hoffen darauf, dass die wegen Corona unterbrochene Saison 2019/2020 im September fortgesetzt werden kann. Für die meisten Nachwuchsmannschaften im Landkreis Augsburg ist die laufende Saison vorzeitig beendet. Lediglich die Mädchenmannschaften spielen weiter. Diese Entscheidung traf, wie berichtet, der Bayerische Fußballverband. Damit schloss sich der Verband dem Vorschlag der sogenannten Lösungsarbeitsgruppe (LAG) an, in der Vereinsvertreter aus ganz Bayern zusammen mit den BFV-Experten beratschlagten.

Diese unterschiedliche Handhabung werde durch die zum Teil großen Unterschiede im Spielbetrieb begründet, betont Bezirksjugendleiter Helmut Brandmayr aus dem Aindlinger Ortsteil Arnhofen. Die Abschlusstabellen wurden bei den Junioren auf Basis einer Quotientenregelung gebildet: Die bestplatzierte aufstiegsberechtigte Mannschaft und das auf einem Aufstiegsrelegationsplatz stehende Team steigen auf. Absteiger soll es nur dann geben, wenn Teams in der laufenden Saison bis dato punktlos geblieben sind. Aber solche Beispiele sind selten.

Ein Blick auf die eine oder andere Abschlusstabelle zeigt, dass nicht die Mannschaft mit den meisten Punkten aufgestiegen ist, sondern die mit dem besten Quotienten. Weil die Lösungsarbeitsgruppe des BFV entschieden hat, dass alle Mannschaften, die mindestens 80 Prozent der Punkteanzahl des besten Teams in der Liga geholt haben, einen Antrag auf einen nachträglichen Aufstieg stellen können, haben weitere Klubs die Chance aufzusteigen. Der Verbandsjugendausschuss, so Helmut Brandmayr, habe sich mit diesen Fällen beschäftigt und will die Vereine schriftlich informieren, wie die Sache ausgegangen ist.

War der Abbruch nur die zweitbeste Lösung?

JFG Lohwald

Groß ist zum Beispiel die Freude bei der JFG Lohwald. Dort werden die U17 und die U13 als Zweitplatzierte wohl den Sprung in die Bezirksoberliga machen. Die U15 steigt nach einer überaus erfolgreichen Saison als Erstplatzierter in die höchste schwäbische Liga auf. Die U19 und die U12 bleiben weiterhin in der Kreisliga. Am Sonntag ab 10 Uhr findet im Neusässer Lohwaldstadion ein Talentsichtungstag in Zusammenarbeit mit dem Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten FC Augsburg statt.

TSV Dinkelscherben

„Der Abbruch ist nur die zweitbeste Lösung“, meint Martin Hörtensteiner, obwohl die D-Jugend des TSV Dinkelscherben den Aufstieg in die Bezirksoberliga geschafft hat. Für den Jugendleiter der Lila-Weißen wäre eine Annullierung mit Start in der gleichen Liga angebracht gewesen: „In so einer Situation sollte der Leistungsgedanke im Jugendbereich ganz weit hinten stehen.“ Eine Fortführung der Saison hätte nach seinem Dafürhalten wahrscheinlich größere Probleme bereitet. „So kann man jetzt zumindest einen sauberen Altersschnitt machen“, sagt Hörtensteiner. Problem bei beiden Varianten, Abbruch oder Fortführung, sei es, Trainer für Trainings- und Spielbetrieb vorzuhalten beziehungsweise zu organisieren. Bis auf die F-Jugend stehen nach Erstellung eines Hygienekonzepts alle Mannschaften seit circa vier Wochen im Trainingsbetrieb. Doch der gestalte sich schwierig, weil ein zeitlicher Versatz zwischen den Gruppen gegeben sein muss. „Viel mehr Aufwand und Strampelei als vorher. Alles hängt in der Luft“, berichtet Hörtensteiner. „Solange Kontaktsport nicht möglich ist und Abstände eingehalten werden müssen, liegt der Fokus einfach auf der Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. Sie sollen ohne Druck Fußball trainieren. Ob es im September weitergeht, wage ich zu bezweifeln.“ So bleibt dem Jugendleiter nur die Hoffnung, dass die Kinder und Jugendlichen dabeibleiben und es dem Verein gelingt, sie weiter an den Verein zu binden.

TSV Meitingen

Als Jugendleiter des TSV Meitingen, der als Spielgemeinschaft Markt Meitingen eine Kooperation mit dem TSV Herbertshofen betreibt, war Stefan Schwarz ein Abbruch der Saison 19/20 lieber. „Somit konnten wir unsere D1, die auf einem Abstiegsplatz stand, in der Bezirksoberliga halten.“

Auch bei den A-Junioren kam der Abbruch sehr gelegen. „Mit zunehmender Dauer der Pandemie hatten sich immer mehr Spieler vom Fußball zurückzogen“, berichtet Schwarz, der sofort die Gespräche mit dem Meitinger SG-Partner in der A-Jugend, dem FC Langweid, aufnahm, um die neue Saison gleich vernünftig anzugehen.

Die meisten Mannschaften befinden sich nach den Richtlinien des BFV schon in Kleingruppen im Training. „Sportlich gesehen sind wir schon in der Planungsphase für die Saison 20/21“, sagt Schwarz: „Der eine oder andere Spieler kommt zum Probetraining. Andererseits haben wir auch schon Abgänge zu höherklassigen Vereinen zu verzeichnen. Man sieht, dass die anderen Teams trotz Corona auch planen.“ Bei den ganz kleinen Kickern geht es erst in den kommenden Wochen mit dem Training weiter. Schwarz: „Da wird sich noch zeigen, ob alle an Bord geblieben sind.“

Aus Trainersicht sei es schon sehr schade, wenn man eine ambitionierte Mannschaft hat und ein halbes Jahr keinen Wettkampf bestreiten kann. Dadurch leidet die sportliche Entwicklung der Spieler. Nach dem Abbruch der Saison fällt dann ein Jugendteam jahrgangsmäßig auseinander. „Nicht nur Spieler ziehen sich vom Fußball zurück, auch manch Trainer“, sorgt sich der Jugendleiter, der dann selbst versucht, die Jungs bei Laune zu halten, und Gespräche mit den Eltern führt. „Die wollen natürlich wissen, wie es weitergeht.“

Nachdem es keine Freiwilligen gegeben hatte, den von der TSV-Vorstandschaft geforderten Corona-Beauftragten, sprang Stefan Schwarz auch hier in die Bresche. „Bevor es daran scheitert, mach ich es halt selbst“, hat er als DFB-Stützpunkttrainer die Vorgaben in einer theoretischen und praktischen Schulung an seine Jugendtrainer weitergegeben. „Es trainiert immer nur ein Team auf dem Platz. Umgezogen und geduscht wird zu Hause. Jeder muss eine Erklärung der Eltern mitbringen. Sonst ist kein Training möglich“, lässt Schwarz wissen.

Sein Wunsch für die Zukunft ist ganz klar ein reibungsloser Start der neuen Saison im September. „Wir wollen wieder Wettkämpfe bestreiten und im Training auf keine Abstände Rücksicht nehmen“, hofft Schwarz, dass die Lage in Bayern ruhig bleibe und weitere Schritte zur Lockerung möglich seien.

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