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Weltbild

31.03.2015

223 Menschen werden arbeitslos

Nach zwölf Monaten hat die Weltbild-Transfergesellschaft geendet. Nicht einmal die Hälfte der entlassenen Mitarbeiter hat bislang einen neuen Job gefunden. 

Alexander Bader hatte sich die Sache genau überlegt. Sieben Jahre lang war der Mann aus Meitingen für ein Touristikunternehmen in Frankfurt tätig. Sieben Jahre lang war er gependelt. 2011 hatte Bader genug von der Fahrerei und dem Leben zwischen zwei Orten. Er gab den Job in Frankfurt auf und ging zurück in die Heimat. Der heute 39-Jährige fand beim Augsburger Verlagsunternehmen Weltbild eine neuen Job. Alles schien geregelt – bis zur großen Krise.

Wie so viele verlor Bader im vergangenen Jahr seinen Job. Allerdings nicht im Zug der Insolvenz, sondern kurz zuvor. Das heißt: Er bekam keine Leistungen der Transfergesellschaft, er wurde direkt arbeitslos. Ein Jahr ist seitdem vergangen. Bader ist noch immer ohne Anstellung. Mit dem heutigen Tag läuft sein Anspruch auf Arbeitslosengeld aus, er wäre ein Fall für Hartz IV. „Dabei war ich davor noch nie arbeitslos“, sagt er. Weil Bader vorgesorgt und Wohneigenheim hat, bekommt er nun keine staatliche Unterstützung mehr. Der 39-Jährige will erst einmal vom Ersparten leben. Die Ratenzahlungen für sein Haus sind gestoppt. Baders scheinbar gesicherte berufliche Existenz aber ist dahin.

Nur 241 haben einen neuen Job gefunden

Es ist eine Situation, vor der sich viele ehemalige Weltbild-Mitarbeiter fürchten. Auch die, die nach ihrem Ausscheiden in die Transfergesellschaft gewechselt waren. Zwölf Monate wurden ihnen 85 Prozent ihrer bisherigen Bezüge gezahlt, sie erhielten Unterstützung bei der Jobsuche und nahmen an Qualifizierungsmaßnahmen teil. Für 511 der ehemaligen Weltbild-Mitarbeiter endet die Transfermaßnahme heute. Wer keinen Job hat, gilt ab morgen offiziell als arbeitslos. Nach derzeitigem Stand gilt das für 223 der Betroffenen.

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Gerade einmal 241 haben bislang einen neuen Arbeitsplatz gefunden – das ist nicht einmal die Hälfte. 47 Betroffene haben zwar keinen Job, sie werden trotzdem nicht arbeitslos, weil sie andere Alternativen haben. Sie studieren zum Beispiel, sind in Rente oder in Mutterschutz. Damit liegt die Vermittlungsquote bei 56 Prozent, teilt die Transfergesellschaft Gedis mit. Zum Vergleich: Durch die Pleite von Manroland hatten vor gut drei Jahren 720 Menschen ihre Arbeit verloren. Tatsächlich arbeitslos wurden nach den Vermittlungsmaßnahmen nur 190, das entspricht einer Quote von rund 74 Prozent.

Ulrike Knörle von Gedis ist trotzdem zufrieden: „Gemessen an den Mitarbeitern, die wir hatten, ist das recht gut.“ Als problematisch bei Weltbild galt vor allem die Altersstruktur der Beschäftigten. Mehr als 100 der Gekündigten waren älter als 58 Jahre und hatten im Wettbewerb mit jungen Bewerbern häufig das Nachsehen. Das galt insbesondere für die Logistikmitarbeiter. Auch viele Teilzeitkräfte mussten lange suchen. Einfacher sei es bei den IT-Spezialisten oder den Führungskräften gewesen, berichtet Knörle.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es allerdings auch, dass Gedis nicht der optimale Partner in dieser Situation gewesen sei. Das Münchner Unternehmen sei in der Region nicht ausreichend vernetzt, die Kontakte in den Betrieben fehlten, so die Kritik. Knörle streitet das ab: „Viele haben erwartet, dass wir die Stellen auf dem Silbertablett servieren. Das kann aber keine Transfergesellschaft.“

Mitunter mussten die Arbeitsmarktexperten den Weltbild-Mitarbeitern die verfügbaren Jobs erst einmal schmackhaft machen. „Die Bedingungen am Arbeitsmarkt sind eben nicht die, die die sie gewohnt waren“, so Knörle. Die Bezahlung beim alten Arbeitgeber war überdurchschnittlich gut, die Arbeitszeit entspannt. Für die meisten galt eine 35-Stunden-Woche. „Viele haben auf etwas ähnlich Gutes gehofft“, berichtet auch Roland Fürst von der Arbeitsagentur in Augsburg, „da kostet es Zeit, bis die Leute auch mal loslassen.“

Fast 300 Bewerbungen geschrieben

Anders als die Menschen, die in die Transfergesellschaft wechselten, blieb Alexander Bader dafür kaum Zeit. Fast 300 Bewerbungen hat er in den vergangenen zwölf Monaten geschrieben, erzählt er. Viele Firmen hätten auf seine Anschreiben nicht einmal reagiert. Rund ein Dutzend Vorstellungsgespräche sprangen heraus. Bislang aber kein neuer Job. „Es geht an die Psyche“, sagt der 39-Jährige. Alexander Bader wirkt ratlos, wie er so dasitzt und erzählt von seiner Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann, seinem Touristikstudium an einer Fachakademie, seinen praktischen Erfahrungen als Mediengestalter, von seinen Sprachkenntnissen. „Ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig wird.“ Er würde gerne wieder in der Touristikbranche arbeiten oder als Mediengestalter, gerne auch im Eventbereich oder in einem Verlag. In München, Ingolstadt oder in der Region. Für Bader ist die Situation „zermürbend“.

Die Berater bei der Arbeitsagentur beschreiben den 39-Jährigen als „aktiven und eifrigen Kunden“. Warum es trotzdem mit dem Job nicht klappt? „Der Arbeitsmarkt in der Region ist in diesem Bereich nicht so gut“, sagt Roland Fürst. Er findet, der 39-Jährige müsste mobiler sein und sich nicht nur auf Jobs bewerben, die er als Tagespendler erreichen könnte; er müsste wegziehen. Bader hört diesen Ratschlag häufiger. Er würde gehen, aber nicht um jeden Preis, sagt er. „Ich habe mir doch hier etwas aufgebaut.“

Und so hofft Bader weiter, auf den neuen Job, irgendwo in der Region. „Ich habe nicht aufgegeben.“ So wie viele der ehemaligen Weltbild-Mitarbeiter. Laut Gedis-Expertin Knörle wird es einen weiteren Vermittlungsschub geben – spätestens dann „wenn den Leuten klar ist, dass sie jetzt weniger Geld bekommen.“

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