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Porträt

28.09.2017

30 Jahre im Einsatz für den Frieden

Christian Artner-Schedler bei einer Aktion von Pax Christi gegen den Waffenhandel.
Bild: Martin Pilgram

Was Christian Artner-Schedler als Referent bei Pax Christi erlebt hat und warum er sich vom Papst bestärkt fühlt

Friedensarbeit wurde sein Lebensthema. Seit dreißig Jahren wirkt Christian Artner-Schedler als Bildungsreferent bei der katholischen Friedensbewegung Pax Christi. Anfangs mit der Beratung von Kriegsdienstverweigerern, dann im versöhnenden Brückenschlag in die Sowjetunion und zu ihren osteuropäischen Nachbarstaaten sowie nach Israel und Palästina und schließlich im Training von gewaltfreier Kommunikation. „Christian ist für mich die Verkörperung von Pax Christi Augsburg. Er ist der Impulsgeber, seine Arbeit ist ganz zentral für unseren Verein“, sagt der Diözesanvorsitzende Prof. Jost Eschenburg.

Artner-Schedler hatte ein offenes Feld vor sich, als er 1987 vom eben neu gegründeten Trägerverein eingestellt wurde. Er hatte ein Theologiestudium durchlaufen, Zivildienst abgeleistet, hatte ein viertel Jahr in einem israelischen Kibbuz gearbeitet, war Bildungsreferent und zwei Jahre Alphirte. Wer wie er sich niemals vorstellen konnte, Dienst an der Waffe zu leisten und auf Menschen zu schießen, musste in den 80er-Jahren noch vor einer Kommission seine Gewissensnot glaubwürdig darlegen. Artner-Schedler stand diesen jungen Männern bei, überzeugend zu argumentieren, und begleitete sie in die Verhandlung.

Mit Gorbatschows Politik der Perestroika wurde es für Pax Christi Ende der 80er-Jahre auch leichter, in Kontakt mit Menschen in Osteuropa zu treten, die unter deutschen Kriegshandlungen und Besatzung im Zweiten Weltkrieg zu leiden gehabt hatten. Pax Christi lud sie nach Augsburg in Familien ein und reiste an historisch belastete Brennpunkte in Russland und ins Baltikum, um zur Versöhnung beizutragen. Die Aufklärung über deutsche Rüstungsexporte wurde zum Bildungsthema und zum Ausgangspunkt für die „Aktion Aufschrei“.

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Und das Training für Gewaltfreiheit. „Ich bin davon überzeugt, dass darin die einzige Chance liegt, aus der Gewaltspirale auszusteigen“, betont Christian Artner-Schedler. Schon in seiner Diplomarbeit widmete er sich der Bergpredigt von Jesus. Naiv ist der Theologe dabei kein bisschen: „Das heißt nicht, dass man selber immer gewaltfrei ist… Doch ich versuche, es vorzuleben.“ Mittlerweile fühlt er sich von Papst Franziskus darin „sehr bestärkt“, dass Gewaltlosigkeit und gerechter Frieden eng zusammenhängen. Die Trainings des Friedensreferenten in Kindergärten und Schulen berücksichtigen, dass zuerst in der eigenen Person Frieden einkehren muss. Eine Ausbildung zum Mediator und Anleiter für Zivilcourage verstärkten die Kompetenz von Christian Artner-Schedler. Er selbst habe keine Scheu, sich einzumischen, wenn im Bus Menschen angepöbelt werden. Deeskalieren möchte er dann.

Pax Christi zählt im Bistum Augsburg rund 300 Mitglieder, die oft hochengagiert mitarbeiten. Auch etliche Priester gehören dazu. Als Artner-Schedler 1987 als Friedensreferent angestellt wurde, war Klinikpfarrer Michael Mayer zusammen mit dem Vorsitzenden Winfried Vogesser die treibende Kraft. Der Referent wurde zuerst vollständig auf Spendenbasis finanziert. „Wir wollten unabhängig sein“, betont Prof. Eschenburg. Inzwischen zahlt die Diözese ein Drittel mit.

Feiern wird Pax Christi ihr Jubiläum am 21. Oktober mit einem Festabend. Im Dezember soll der Theologe Eugen Drewermann zur Frage „Warum Krieg?“ sprechen.

Pax Christi im Bistum Augsburg ist im Internet erreichbar unter

www.augsburg.paxchristi.de

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