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Augsburg-Stadt

11.05.2015

600 Erzieher demonstrieren in der Innenstadt

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4 Bilder
Mit Plakaten, Sprechchören und Gesängen protestierten Erzieher und Erzieherinnen in der Augsburger Innenstadt für mehr Wertschätzung und bessere Bezahlung.
Bild: Annette Zoepf

Tag eins des Kita-Streiks: In Augsburg demonstrieren die Erzieher, sogar Eltern haben Verständnis für sie. Doch es gibt Kritik an der Stadt.

János Korda ist sauer wegen der Folgen des Warnstreiks in den städtischen Kindertagesstätten. Seine beiden Kinder besuchen eine Einrichtung in Göggingen. Sein Unmut richtet sich aber nicht gegen die Erzieherinnen, sondern gegen die Stadt. „Sie haben beschlossen, dass kommenden Freitag alle Kitas zu bleiben. Damit spart sich die Kommune die Rückzahlung von Gebühren, was nach zehn Streiktagen fällig würde und ich muss einen Tag frei nehmen.“ Gestern kam sein Nachwuchs bei einer Bekannten unter.

Der Vermutung von Korda widerspricht Eva-Maria Hermanns, Chefin aller städtischen Kitas. Viele Kollegen hätten an dem Tag ohnehin Urlaub eingetragen. Wenn nun auch noch ein Streik dazu komme, sei die Situation „unberechenbar“. Auch falle die mögliche Rückzahlung, gemessen an dem jährlichen Defizit von 6,4 Millionen Euro, nicht so sehr ins Gewicht.

Verständnis für den Streik

Für den Protest der Pädagogen hat Korda hingegen Verständnis. „Aus meiner Sicht ist es zu wenig Gehalt für das was die Erzieherinnen leisten. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wer da sehr gutes Personal will, muss auch entsprechend zahlen.“ Für den Gipfel der G7-Staatsoberhäupter diesen Juni in Bayern 130 Millionen Euro auszugeben sei offenbar kein Problem, die bessere Bezahlung von Erziehern aber schon, kritisiert er.

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Dafür gingen gestern 600 Erzieher auf die Straße und machten ihrem Unmut lautstark Luft. Bekleidet mit roten Westen folgten sie dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi und bildeten eine Menschenkette vom Dom bis zum Rathausplatz. Mit Thrillerpfeifen ausgerüstet, forderten sie auf Transparenten, in Sprechchören und Gesängen mehr Wertschätzung und eine höhere Bezahlung. Es reihten sich auch Eltern, Vertreter von Parteien und Mitarbeiter anderer Sozialeinrichtungen in den Demonstrationszug ein.

Zwischen den städtischen Mitarbeitern und ihrem Arbeitgeber knirscht es wegen des Warnstreiks offenbar gewaltig. Selbst langgediente Erzieherinnen wollen sich deshalb nicht namentlich zitieren lassen, wenn es um das Verhalten der Stadt geht. „Sie spannen die Hauswirtschaftskräfte als Aufsichtspersonen ein, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. So viel Wertschätzung haben sie also für unsere Tätigkeit, dass die auch Hauswirtschaftskräfte erledigen können“, beklagt eine Mitarbeiterin. Eine andere Erzieherin hat den Eindruck, dass die Verantwortlichen bei der Stadt scheinbar glaubten, die Beschäftigten würden zeitnah einknicken und nicht die angekündigten zwei Wochen durchhalten. Dass macht sie auch daran fest, dass die Stadt ein Angebot von Verdi ablehnte, dass die Betreuung von Kindern während des Warnstreiks sicherstellt, wenn die Eltern zwingend auf den Betreuungsplatz angewiesen sind.

Die Gewerkschaft hatte vorgeschlagen, dass es in allen Sozialregionen Betreuungsmöglichkeiten zwischen 6.30 und 17 Uhr angeboten werden sollen und pädagogisch ausgebildetes Personal dort arbeitet. „In anderen Städten kam diese Vereinbarung mit Verdi zustande. Die Stadt Augsburg wollte aber, dass es nahezu im Normalbetrieb weitergeht. Hier wurde gezielt die Eskalation gesucht“, kritisiert Stefan Jagel, bei Verdi Augsburg zuständig für das Gesundheits- und Sozialwesen. Für die Stadt sei es nicht akzeptabel, dass Verdi darauf beharrte, 60 Prozent der Einrichtungen schließen zu wollen, so die Stadt in einer Mitteilung.

Passanten reihten sich in die Protestkette ein

Der Protest genießt augenscheinlich Rückhalt in der Bevölkerung. Passanten reihten sich in die Protestkette ein, Autofahrer hupten und zeigten mit dem Daumen nach oben. Thomas Weigl nahm sogar Urlaub, um die Pädagogen zu unterstützen. Er arbeitet seit 27 Jahren im Dominikus-Ringeisen-Werk als Erzieher, dass zum katholischen Arbeitgeber Caritas gehört. „Die Anforderungen sind inzwischen sehr hoch. Das sollte gewürdigt werden und wenn die kommunalen Mitarbeiter etwas erreichen, kommt das auch uns zugute“, sagt er. Die Kirchen zahlen ihre Mitarbeiter in Anlehnung an den Tarif im öffentlichen Dienst.

Teil nahmen auch Schülerinnen der evangelischen Fachakademie, sie wurden dafür freigestellt. „Wenn man mit Erzieherinnen redet, fragt man sich schon, ob man in dem Beruf bis zum Rentenalter durchhält wegen der stetig steigenden körperlichen und psychischen Anforderungen“, sagt Anna Wiedemann nachdenklich. Altersarmut sei ein Thema, dass sie umtreibe, ergänzt Angela Schiavo.

„Sehr zufrieden“ mit dem Zuspruch bei der Protestaktion ist Gewerkschafter Jagel. „Wir hatten mit rund 200 Teilnehmern an der Aktion gerechnet.“ Positiv fällt auch das Fazit von Hermanns für Montag aus. „Wir konnten eine vernünftige Notversorgung sicherstellen. Was allerdings am Mittwoch sein wird, weiß ich nicht. Wir planen von Tag zu Tag.“

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