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Augsburg

18.11.2019

Abgehängte Stadtteile: Was die Stadt für schnelleres Internet tun will

Glücklich ist, wer dank Glasfaserkabeln schnell durch das Internet surfen kann. Im Norden und Süden ist die Stadt in Sachen Glasfasertechnik teilweise noch unterversorgt.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Im Norden und Süden von Augsburg gibt es stellenweise keine moderne Glasfasertechnik. Das hat für ansässige Unternehmen und Haushalte gravierende Nachteile.

Wenn Walter Ittlinger vom ADAC Fahrsicherheitszentrum (FSZ) am Autobahnsee eine Telefonkonferenz mit den Zentren in Kempten und Regensburg machen will, kann er sich entscheiden, ob er die Kollegen sehen oder hören möchte. "Bild und Ton gleichzeitig geht bei unserer Internetverbindung nicht", sagt er. Die miserable Anbindung ist ein Problem, läuft beim ADAC mittlerweile vieles über Datenleitung. Selbst das Betriebssystem für die Buchungscomputer liegt in München. Auf eigene Kosten Glasfaserkabel bis zum Zentrum am Autobahnsee legen zu lassen, sei vollkommen unwirtschaftlich, so Ittlinger. Er hofft stattdessen auf den neuen 5G-Standard für mobiles Internet und Telefonie, der in einigen Jahren auch das FSZ mit vernünftigen Übertragungsraten versorgen könnte.

Aber vielleicht hilft auch eine Initiative der Stadt Augsburg, unterversorgte Unternehmen und Haushalte mit schnellem Internet zu versorgen. Die Stadt hat beschlossen, ins Breitbandförderprogramm des Bundes und des Freistaats Bayern einzusteigen. Für die südlichen Stadtteile Bannacker, Wellenburg und Siebenbrunn wurde ein vorzeitiger Maßnahmebeginn am Mitte Oktober genehmigt, für die Gebiete nördlich der Autobahn laufen Vorbereitungen.

Strenge Voraussetzungen für Fördergelder

Damit Fördergelder fließen, gibt es strenge Voraussetzung, erklärt Bürgermeisterin und Wirtschaftsreferentin Eva Weber (CSU): "Grundlegend für einen Einstieg sind hierbei unter anderem eine Unterversorgung von unter 30 Mega-Bit pro Sekunde und der fehlende verbindliche Wille eines Telekommunikationsunternehmens, eigenwirtschaftlich auszubauen." Kein Geld gibt es, wenn die in einem Gebiet ansässigen Unternehmen nicht bereit sind, den Anbieter zu wechseln oder entsprechende Geschäftskundentarife abzuschließen. In den jetzt ins Auge gefassten Gebieten hätte die Telekommunikationsunternehmen offenbar nicht die Absicht, von sich aus tätig zu werden, wohl weil es zu wenig zahlende Kunden gebe, so Weber.

Im Fall von Zuschüssen müsste sich ein Anbieter bereit erklären, die Anschlüsse zu legen und sagen, welche Verluste er beim Betrieb des Netzes macht. Diese Differenz wird ihm dann erstattet; rund 60 Prozent kommen von Bund und Freistaat, den Rest müsste wohl die Stadt drauflegen. In einem Markterkundungsverfahren spricht das Wirtschaftsreferat gerade mit Telekommunikationsunternehmen und lässt sie Ausbaupläne prüfen, so Weber. Im Mai hat der Stadtrat beschlossen, für das Gebiet Augsburg-Nord in das Breitbandförderprogramm des Bundes einzusteigen.

Breitbandausbau hat für die Stadt hohe Priorität

Für die Stadt hat der Breitbandausbau hohe Priorität, so Weber. "Digitale Wirtschaftsformen werden zum Wachstumstreiber der gesamten Wirtschaft", sagt sie. Die Digitalisierung durchziehe zunehmend alle Lebensbereiche der Menschen und die Geschäftsprozesse von großen und kleinen Unternehmen. "Digitalisierung ist für alle Lebens- und Arbeitsbereiche relevant."

Wie unangenehm es sich auswirkt, wenn das Internet nicht geht, erlebt Hildegard Duna, Geschäftsführerin von Elementbau Glogger, gerade im östlichen Lechhausen. Der Bereich wurde vor kurzem mit 50 Mbit/s versorgt – ein Anlass, die Telefonie des Unternehmens auf internetbasiertes Voice-over-IP umzustellen. "Ein totales Fiasko, wir waren wochenlang nicht mehr zu erreichen", berichtet Duna. Auch jetzt habe man gerade mal 10 Mbit/s zur Verfügung – viel zu wenig für Datensicherungen und andere Anwendungen. "Wir sind wieder zu Steinzeit-ISDN und DSL zurückgekehrt", so die Geschäftsführerin.

Geschäftsführerin Hildegard Duna klagt über "Steinzeit-ISDN".
Foto: Bernd Hohlen


Bei den Standort-Zufriedenheitsumfragen der IHK hat schnelles Internet in den letzten zwei Jahren den langjährigen Spitzenreiter "Verkehr" vom Platz Eins der Antworten verdrängt, sagt Peter Stöferle, Geschäftsfeldleiter Handel und Verkehr der IHK Schwaben. "Die technische Infrastruktur muss einfach passen", so der Wirtschaftsexperte. Augsburg sei dabei aber auf einem guten Weg.

Grundsätzlich ist Augsburg laut Angaben der Stadt mit schnellem Internet gut versorgt. 158.000 Haushalte und 35.000 Anwesen gibt es in Augsburg. 64.000 Haushalte könnten bei Bedarf auf bis zu 1000 Mbit/s zugreifen, rund 97 Prozent aller Anwesen seien mit bis zu 250 Mbit/s versorgt. Ein guter Durchschnitt, wie es heißt. Wo es sich rechnet, engagieren sich auch die Telekommunikationsunternehmen gerne. Derzeit plant beispielsweise Vodafone den Ausbau eines neuen Glasfasernetzes im Gewerbegebiet am Unteren Talweg für bis zu 120 Unternehmen. Der Ausbau soll noch in diesem Jahr beginnen, heißt es vom Unternehmen – sofern die Nachfrage stimmt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Warum wurde mit dem Breitbandausbau so lange gewartet?

Lesen Sie dazu auch: Mobilfunklöcher sollen bis 2024 Geschichte sein

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18.11.2019

Im Industriegebiet in Lechhausen um die Meraner Strasse herum gibt es oft nicht mehr als 6 Mbit/s. Komplett lächerlich für ein Industriegebiet in einer Großstadt. Bin deswegen mit meiner Firma umgezogen in ein anderes Gebiet wo immerhin 200 Mbit/s möglich sind. Damit lässt sich arbeiten und auch mal Cloud-Backups machen. War vorher unmöglich und ein echter Standortnachteil wenn man auf schnelles Internet angewiesen ist. Sogar bei uns im Dorf, wo ich privat wohne, sind 200 Mbit/s möglich.

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18.11.2019

Auch in Hochzoll an meiner Hausadresse dümpelt man vergleichsweise mit 18 Mbit/s brutto vergleichsweise langsam im Netz herum. Ein Verfügbarkeitstest bietet zwar seit kurzem 50 Mbit/s an ist aber laut schriftlicher Mitteilung von M-net nicht machbar da man von der Telekom technisch abhängig ist und diese noch nicht die technische Voraussetzung liefert Stichwort Leitungskapazität. Augsburg, anno ende 2019.

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