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Augsburg

11.09.2019

Ärger über Baustelle: Senioren kommen nicht in Grünanlage

Normalerweise haben die Bewohner und Besucher des Hospitalstifts einen direkten Zugang in die Grünanlagen beim Roten Tor. Seit einem Jahr ist der Durchgang wegen eines Brücken-Neubaus gesperrt.
Bild: Leonie Küthmann

Seit Herbst 2018 kommen Bewohner des Hospitalstifts nicht mehr in den Kräutergarten am Roten Tor. Warum sich die Fertigstellung der Fußgängerbrücke verzögert.

Eigentlich haben es die Bewohner im Hospitalstift gut. Sie haben die Grünanlagen am Roten Tor direkt vor der Tür. Besonders gerne gehen die Senioren in den Kräutergarten. Doch seit fast einem Jahr können die alten Menschen nicht mehr an den Kräutern riechen oder sich an Blumen erfreuen. Der Grund: Die Brücke, die direkt vom Eingang des Hospitalstifts zu den Kräutern führt, ist eine Baustelle.

Im November vergangenen Jahres musste die alte Brücke abgerissen werden. Die Tragfähigkeit und Standsicherheit sei nicht mehr gewährleistet gewesen, teilt das städtische Tiefbauamt auf Anfrage mit. Seitdem müssen die Senioren einen beschwerlichen Weg auf sich nehmen, um in den Kräutergarten zu gelangen. Die beiden Umwege dauern deutlich länger, ein Bewohner mit Gehstock erzählt, dass er 20 bis 30 Minuten nur für den Hinweg braucht. Die Alternativroute führt die Senioren über Kies, Stufen und ein paar steile Auf- und Abstiege. Für alte Menschen im Rollator wird der Weg ins Grüne so zum Hindernislauf, an Rollstuhlschieben ist hier gar nicht erst zu denken.

Hoffnung der Senioren schlägt in Verärgerung um

„Wenn Angehörige Bewohner im Heim besuchen, gehen sie gerne gemeinsam in den Kräutergarten, das ist nun nicht mehr möglich. Viele der Angehörigen sind ja selber schon etwas älter und können daher einen schweren Rollstuhl keinen Berg mehr hochschieben“, sagt Gertrud Kubullek. Sie ist seit mittlerweile 25 Jahren ehrenamtliche Betreuerin im Hospitalstift und macht zum Beispiel Gedächtnistraining mit den Bewohnern.

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Wie sehr den Senioren der Kräutergartenbesuch am Herzen liegt, merkt man auch an ihrer Heimzeitung. Dort steht gleich auf dem Titelblatt „Ab Hochsommer wieder direkt zum Kräutergarten. Fußgängerbrücke wird wohl Ende Juli fertig“. Doch dann passierte wochenlang nichts auf der Baustelle – und die Hoffnung der Senioren schlug in Verärgerung um.

Der Kräutergarten in den Wallanlagen ist bei den Augsburgern beliebt.
Bild: Madeleine Schuster

Stadt Augsburg plant Mitte November die Brücke in Betrieb zu nehmen

Irgendwann reichte es Gertrud Kubullek und sie tat ihren Ärger öffentlich kund. „Die Senioren sind hier fast wie eingesperrt.“ Und sie fügt hinzu, „anscheinend sind heutzutage die alten Leute nix mehr wert“. Auch Josef Späthling, 83, und Bewohner des Hospitalstifts, ist betrübt, wenn er aus dem Fenster direkt in den Kräutergarten blickt. „Wir wollen nicht stänkern, wir wollen einfach nur, dass das Tiefbauamt aktiv wird und uns eine neue Brücke hinstellt. Und wir sind traurig, weil uns versprochen wurde, dass das bis Ende Juli fertig ist“.

Tatsächlich hatte das Tiefbauamt geplant, das 200.000 Euro teure Bauvorhaben bis Ende Juli abzuschließen. Doch die Fertigstellung der Brücke verzögert sich. Es habe Lieferschwierigkeiten bei Brückenteilen gegeben, heißt es. Die Stadt plant jetzt den Weg über die Brücke Mitte November wieder in Betrieb zu nehmen. Bis dahin sollen alle Brücken- und Geländearbeiten abgeschlossen sein.

In den Kräutergarten werden die Senioren aber erst im nächsten Jahr wieder bequem gehen können, denn dieser ist ab dem 31. Oktober bis März geschlossen. Bis dahin bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den mühsamen Umweg zu laufen – oder aus dem Fenster in den Kräutergarten zu schauen.

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