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02.07.2010

Alle wollen in die alte Stadtbücherei

Früher mochte sie keiner, jetzt wollen sie viele: Die alte Stadtbücherei an der Gutenbergstraße weckt viele Begehrlichkeiten. Fotos: Anne Wall, Sonja Krell

Als klar war, dass die Stadtbücherei an den Ernst-Reuter-Platz ziehen würde, begann das Gerangel um das leere Gebäude an der Gutenbergstraße: Die Stadtverwaltung wollte dort einziehen, die Immobilienfirma Patrizia war als Kaufinteressent im Gespräch. Die damalige Kulturreferentin Eva Leipprand wollte Räume für Kulturschaffende einrichten, das Hochbauamt entwarf Pläne, wie man den Ganztagsschulbereich des Maria-Theresia-Gymnasiums dort unterbringen könnte. Und eigentlich hatte es auch mal die Idee gegeben, dort ein Bibliothekenzentrum zu schaffen, das auch Staats- und Stadtbibliothek einbezieht.

Wie so oft schuf die pure Not Fakten. Das Peutinger-Gymnasium wusste nicht mehr, wohin mit seinen Schülern. Für 300 000 Euro wurde also 2009 der Bau so hergerichtet, dass in Erdgeschoss und 1. Stock Gymnasiasten einziehen konnten. Die fühlen sich inzwischen dort ganz wohl, auch wenn Schulleiter Wolfgang Mutter das Provisorium nicht als endgültige Lösung sieht.

Im Keller entstand ein Aufenthaltsraum für Mitarbeiter des Grün-amtes. Die machen dort Pause, wenn sie in der Innenstadt unterwegs sind. Laster, Schubkarren und anderes Gerät haben sie in der alten Garage des Bücherbusses verstaut.

Just diese würde das MT-Gymnasium gerne abreißen lassen, um mit dem Grünstreifen daneben Platz für einen Pausenhof zu gewinnen. Denn der eigene Pausenhof ist mittlerweile durch den Bau einer Turnhalle mit Mensa geschrumpft. Außerdem haben sich die Lehrer den 2. Stock der Bücherei als Domizil ausgeguckt. "Wir haben im alten Lehrerzimmer winzige Arbeitsplätze. Das ist nicht ausreichend", argumentiert Schulleiter Peter Vervier. Bei einer Firmenauflösung ergatterte eine Lehrerin zwölf Schreibtische. Wie stille Mahner stehen sie schon am begehrten Platz.

Alle wollen in die alte Stadtbücherei

Den hat allerdings auch die benachbarte Staats- und Stadtbibliothek im Auge. Sie lagerte wegen statischer Probleme 500 000 Bücher nach München aus. 2014 muss sie die allerdings zurücknehmen. Und bis dahin ist der vom Stadtrat versprochene Dachausbau im eigenen Gebäude an der Schaezlerstraße sicher noch nicht realisiert. Dessen Beginn wurde aus Finanznot auf 2013 verschoben - vorerst.

"Die Platznot ist für die Bibliothek eines der größten Probleme", verdeutlicht ihr Leiter Dr. Helmut Gier. "Und ich weiß nicht, wie es 2014 weitergehen soll." Auch Gier hat schon einen Fuß in der Tür der Stadtbücherei, und zwar in Form eines seiner Archivare, der seinen Arbeitsplatz dort hat. Zwei Mitarbeiter des Kulturreferats arbeiten ebenfalls in der alten Bücherei.

Nun besichtigte der Bildungsausschuss den Bau, dessen Dach übrigens nicht mehr dicht ist. Schulreferent Hermann Köhler stellte die Begehrlichkeiten dar. Fazit: "Alle sind verständlich. Man muss sich aber fragen: Macht eine Investition in dieses Gebäude noch Sinn und wie sieht seine Zukunft überhaupt aus?" Städtebaulich gilt die Situation als unbefriedigend. Zwischen architektonisch hochrangigen Bauten sei die Bücherei ein Schandfleck, lästern Insider.

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