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Augsburg

16.02.2015

Angst vor Preisbremse: Vermieter erhöhen kräftig

Augsburg wächst: Es entstehen immer mehr Wohnungen. Die Mieten sind in den zurückliegenden Jahren um zehn Prozent angestiegen.
Bild: Peter Fastl

Wohnen ist in Augsburg noch einmal teurer geworden. Doch inzwischen gibt es Hoffnung, dass bald wieder mehr erschwinglicher Wohnraum entsteht.

Über einen Mangel an Arbeit kann sich Thomas Weiand zu Jahresbeginn nie beklagen. Meist hat es der Vorsitzende des Mietervereins mit den Nebenkostenabrechnungen seiner Mitglieder zu tun oder mit den unschönen Begleiterscheinungen des Winters: angefangen beim Schimmel im Schlafzimmer bis zum zugigen Flur.

Wohnraum-Angebot in Augsburg wird knapper

Doch in diesem Jahr sei es anders, sagt Weiand. Es sind vor allem drastische Mieterhöhungen, die seinen Mitgliedern ins Haus geflattert seien. 40 davon hat er bereits zur Überprüfung auf seinem Schreibtisch liegen. Viele Rentner oder Studenten, die bislang in günstigen Räumen mit einer Quadratmetermiete unter sechs Euro lebten, habe es erwischt. „Das bedeutet nichts Gutes für dieses Jahr“, prophezeit Weiand. Dabei sind die Mieten in Augsburg bereits in der Vergangenheit stark angestiegen – zum Teil um bis zu zehn Prozent.

Auch 2014 hat der Immobilienverband IVD eine spürbare Erhöhung der Preise in Augsburg registriert. So war für eine Bestandsimmobilie in guter Lage, im Frühjahr 2014 noch ein Quadratmetermietpreis von acht Euro zu zahlen, im Herbst waren es schon 30 Cent mehr. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. „Dafür bräuchten wir substanziell mehr Bautätigkeit“, sagt IVD-Sprecher Stephan Kippes. Schon heute sei das Angebot an Wohnraum knapp. Da Augsburg weiter wachsen wird, sei mit einer Entspannung nicht zu rechnen.

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Wohnbaugesellschaft: Täglich 20 Neuanfragen

Die aktuellen Mieterhöhungen, mutmaßt man beim Mieterverein, hätten allerdings mit der Nachfragesituation nur wenig zu tun. Es sei die „Furcht der Vermieter vor der Mietpreisbremse“, so Weiand. Während die Politik noch immer über gesetzliche Regelung zur Deckelung der Preissteigerungen diskutiert, wollten etliche Eigentümer vorher schnell noch kräftig zulangen. „Man versucht, rauszuholen, was geht.“ Dass es im vergangenen Jahr solche Tendenzen gab, muss auch Gabriele Seidenspinner einräumen. Sie ist Geschäftsführerin beim Eigentümerverband „Haus & Grund“ in Augsburg. Viele Vermieter fühlten sich durch die aktuellen Diskussionen gedrängt, sagt sie. „Es haben Leute die Mieten erhöht, die das eigentlich gar nicht vorhatten.“

Betroffen sind vor allem Viertel wie Pfersee, die immer begehrter werden. Weiand hat einen Fall auf dem Tisch liegen: Ein Eigentümer fordert dort für eine Drei-Zimmer-Wohnung, für die er bislang rund 480 Euro Miete wollte, plötzlich mit Verweis auf die sonstigen Mieten vor Ort fast 100 Euro mehr. „Mir scheinen die Werte, die da herangezogen werden, oft nicht vergleichbar zu sein“, sagt der Mietexperte. Die Folgen solcher Preissprünge sind offensichtlich: Für viele ist es schwierig, in Augsburg überhaupt bezahlbaren Wohnraum zu finden. Täglich gehen bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (WBG) etwa 20 Neuanfragen ein, dabei ist die Warteliste schon jetzt lang. „Mangel herrscht an allen Ecken und Enden“, sagt WBG-Geschäftsführer Mark Dominik Hoppe.

Immerhin: Es gibt Hoffnung. Die staatliche Förderung für den sozialen Wohnungsbau hätte sich verbessert, erklärt Rainer Heigl vom Wohnungs- und Stiftungsamt der Stadt. Nicht nur öffentliche Träger werden aktiv. „Es fragen auch immer mehr Private nach.“ Heigl glaubt, dass in diesem Jahr ein weiteres Projekt in Augsburg konkretisiert werden könnte.

Enormer Bedarf an geförderten Wohnungen

Bereits aktiv ist das Bauunternehmen Deurer. Auf dem Sheridan-Areal baute es 124 Wohnungen für einkommensschwächere Mieter, auf dem Reese-Areal sind es 151. Der Investor bekommt dabei eine ortsübliche Miete zwischen 8 Euro und 8,50 Euro pro Quadratmeter vom Bewohner gezahlt. Der Mieter erhält aber je nach persönlicher und finanzieller Situation einen staatlichen Zuschuss. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von rund 65000 Euro zahlt so etwa für eine 80-Quadratmeter-Wohnung knapp 600 Euro.

„Der Bedarf ist enorm“, sagt Geschäftsführer Markus Deurer. Die ersten geförderten Wohnungen im Reese-Park, die im Februar bezogen werden, seien neun Monate im Voraus weg gewesen. Derzeit sind in weiteren Bauabschnitten noch 20 bis 30 Objekte verfügbar. Deurer sieht private Investoren weiter in der Pflicht, wenn es darum geht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen: „Die Stadt allein kann das nicht hinbekommen.“

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