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Augsburg

18.05.2015

Anwalt klagt, weil er vor Gericht eine Robe tragen sollte

Bild: Uwe Anspach/dpa

Ein Anwalt trägt keine Robe, ein Augsburger Richter lässt einen Prozesstermin platzen. Hat er überreagiert? Bald geht es vor Gericht um 770 Euro. Und um die Ehre.

Die Justiz trotzt den Spielarten der Mode. In den meisten Gerichtssälen in Bayern dominiert seit Jahrzehnten der schwarze Farbton der Roben. Die Farbe gilt als Zeichen von Macht, Distanz und Eleganz. Der Münchner Rechtsanwalt Norman Synek liegt wegen des schwarzen Umhangs mit dem Augsburger Amtsgericht im Clinch. Er hatte zu einem Zivilprozess keine Robe mitgebracht und wurde deshalb von einem Augsburger Richter wieder nach Hause geschickt.

Rechtsanwalt Synek zieht deshalb nun selbst vor Gericht. Er hat den Freistaat Bayern verklagt. Vordergründig geht es in der Klage um 770,50 Euro Schadenersatz nebst Zinsen. Der Anwalt macht Fahrkosten geltend und verlorene Arbeitszeit, die er anders hätte nutzen können. Doch der Fall reicht weiter. Er wirft auch die Frage auf, ob man in Augsburg auf Traditionen beharrt, die womöglich überholt sind. An vielen Amtsgerichten – unter anderem in München – ist es nicht mehr üblich, dass Anwälte in Zivilprozessen Robe tragen müssen. Angemessene Kleidung genügt.

Ordentlich gekleidet war Norman Synek an jenem Tag im November vorigen Jahres, als er einem Mandanten aus Augsburg in einem Rechtsstreit beistehen sollte. Er trug Anzug, Hemd und Krawatte, als der Richter den Saal laut Protokoll um 13.35 Uhr betrat. Zwei Minuten später war die Sitzung schon wieder beendet. Der Richter hatte bemängelt, dass Synek keine Robe trägt. Der wies darauf hin, dass es an den Amtsgerichten keinen Robenzwang gebe. Nach einem Wortwechsel vertagte der Richter den Prozess um gut einen Monat. „Ich wurde weggeschickt wie ein Schuljunge“, ärgert sich der Anwalt. Das Verhalten des Amtsrichters hat er in einem Brief an den Gerichtspräsidenten als „Arbeitsverweigerung“ eingestuft.

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Augsburger Landgericht entscheidet über den "Robenstreit"

Am 9. Juni soll nun das Augsburger Landgericht über den Robenstreit entscheiden. Die Angelegenheit ist komplex, weil es kein Gesetz gibt, in dem eindeutig geregelt ist, an welchen Gerichten die Berufstracht angezogen werden muss. Norman Synek zitiert die Standesordnung für Anwälte, die für Zivilprozesse an Amtsgerichten keinen Robenzwang sieht. Amtsgerichtspräsident Bernt Münzenberg beruft sich dagegen auf das Gewohnheitsrecht und eine Bekanntmachung aus den 1960er Jahren. Er schreibt: „Vor dem Amtsgericht Augsburg tragen dort auftretende Rechtsanwälte – wie seit jeher – auch in Zivilsachen eine Robe.“

Anwalt Norman Synek betont, er sei kein grundsätzlicher Gegner der Berufstracht. Ihn habe vor allem gestört, dass ein Richter wegen einer fehlenden Robe gleich einen ganzen Gerichtstermin platzen lässt – aus Syneks Sicht eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen. Zum Prozess vor dem Landgericht werde er, – selbstverständlich – in schwarzer Robe erscheinen. Deren Ursprünge gehen übrigens auf den preußischen König Friedrich Wilhelm I. zurück. Der ordnete 1726 an, dass die Advokaten „wollene schwarze Mäntel“ tragen sollen, „damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennt“.

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