1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Anwalt missbrauchte Jungen: Mann muss für vier Jahre ins Gefängnis

Augsburg

08.12.2014

Anwalt missbrauchte Jungen: Mann muss für vier Jahre ins Gefängnis

Bild: Alexander Kaya

Ein 61-jähriger Jurist aus Augsburg muss für vier Jahre ins Gefängnis. Seine jungen Opfer suchte er sich in einem Segelklub am Ammersee. Er ging dabei perfide vor.

Getuschelt wurde in dem Segelklub am Ammersee schon länger. „Da kommt er ja, der Vergewaltiger“, hieß es unter Jugendlichen, wenn sie den Mann das Klubgelände betreten sahen. Die Opfer sind drei Jungs. Sie waren zehn, elf und 15 Jahre alt, als 2005 der Missbrauch begann. Von dem langjährigen Klubmitglied war bekannt, dass er Jurist ist und angeblich über gute Kontakte zur Polizei verfügt. Doch im April dieses Jahres wurde der 61-Jährige verhaftet. Der Augsburger ist Rechtsanwalt. Die Eltern eines 13-Jährigen hatten Anzeige erstattet.

Fotos zeigen nackte Jugendliche im Bad

Die Jugendstrafkammer des Landgerichts hat nun am Montag den Angeklagten zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs und des Besitzes tausender kinderpornografischer Fotos und Filme. Unter ihnen sind intime Aufnahmen, die der Anwalt heimlich mit versteckten Minikameras in seinem Haus machte. Sie zeigen nackte Jugendliche im Bad und wie sie sich selbst befriedigen. Auf einigen Aufnahmen ist ein kleiner Junge zu sehen, der tief zu schlafen scheint, während er vom Angeklagten missbraucht wird. Die Ermittler hegten lange den Verdacht, dass er mit Tabletten betäubt worden ist. Beweisen ließ sich das nicht.

Richter Lenart Hoesch ging im Urteil nicht mehr auf die in den Plädoyers zur Sprache gekommenen Taten ein. Dass die Jugendkammer keine härtere Strafe verhängte, hat der Angeklagte zum einen seinem frühen Geständnis zu verdanken. Von Polizisten auf seinem Segelboot am Ammersee festgenommen, hatte er kurz darauf alles zugegeben. Der verurteilte Anwalt profitierte außerdem davon, dass er sich verpflichtet hat, den Jugendlichen Schmerzensgelder zu zahlen. Die Beträge liegen zwischen 10 000 und 15 000 Euro. Das Strafrecht schreibt in diesem Fall vor, dass Angeklagte nach dem „Täter-Opfer-Ausgleich“ milder zu bestrafen sind.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Das Urteil ist für den 61-Jährigen gesellschaftlich der Ruin

Dennoch ist das Urteil für den 61-Jährigen, wie Richter Hoesch anmerkte, beruflich wie gesellschaftlich der Ruin. Der Fachanwalt für Familienrecht stammt aus einer angesehenen Juristenfamilie.

In ihren Plädoyers hatten die Staatsanwältin und zwei Anwälte der Opfer auch darauf hingewiesen, wie sehr die Jugendlichen bis heute unter den Taten leiden. Sie werden von Alpträumen geplagt, benötigen therapeutische Hilfe. Ein Jugendlicher hat seine Ausbildung zum Schiffbauer abgebrochen, ein Kind musste die Schule wechseln.

Eines der Opfer, ein heute 20-Jähriger, sagte im Prozess als Zeuge aus. Mit 15 hatte er gemeinsam mit anderen Jugendlichen auf einem Boot, das vom Angeklagten gechartert war, einen Segeltörn auf dem Mittelmeer unternommen. „Er habe den Angeklagten nicht abwehren können, er sei zu betrunken gewesen“, beschrieb der Zeuge die damalige Situation. Dies sollte sich für ihn noch einmal auf dem Ammersee wiederholen, auf der „Aurien“, einem Segler, der dem Anwalt gehört hat. Wie der Angeklagte im Prozess eingestand, hat er die Jugendlichen zu Trinkspielen animiert, an denen er selbst teilnahm und die Alkoholika dazu stiftete. Für den Jugendlichen wurden die Spiele noch aus einem anderen Grund lebensgefährlich. Er leidet seit Geburt an einem schweren Herzfehler, wurde operiert. Der Anwalt wusste davon.

Angeklagter entschuldigt sich bei Opfern und Familien

Der Jurist gilt als begeisterter Segler. Vom Verein wurde er als Prüfer eingesetzt. Bei Kindern und Jugendlichen war er, zum Jugendwart gewählt, beliebt. Dazu trugen auch Motorradfahrten bei, die er auf dem Vereinsgelände organisierte.

In seinem Schlusswort hat sich der Angeklagte bei den Opfern wie bei seiner Familie entschuldigt. Seine beiden Söhne und ihre Mutter waren an beiden Prozesstagen im Gerichtssaal anwesend. Der 61-Jährige will sich während der Haft einer Therapie unterziehen. „Ich will kein zweites Mal vor Gericht stehen müssen.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren