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Augsburg

21.06.2019

Anwohner im Textilviertel leiden unter einer Rattenplage

Volle Mülltonnen, die in regelmäßigen Abständen überquellen, sind für die Bewohner einer benachbarten Anlage im Textilviertel zum Problem geworden. Der Abfall lockt Ratten an.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus In einer gepflegten Reihenhaus-Anlage breiten sich die Nager aus. Ursache: der Müll auf einem Nachbargrundstück. Das gehört der Immobilienfirma Vonovia.

Wilhelm Nieszen reicht es. Er wohnt in einer Anlage mit sehr gepflegten Reihenhäusern an der Provinostraße im Textilviertel. Doch als er neulich mit dem Hund eines Nachbarn spazieren gehen wollte, lief ihm mitten am Tag vor der Haustüre eine Ratte über den Weg. Auch andere Bewohner klagen über eine massive Rattenplage. Bislang war das Problem nicht in den Griff zu bekommen – obwohl Behörden in dem Fall Druck machen.

Die Ursache des Übels liegt offenkundig in der Nachbarschaft. Die zwölf Reihenhäuser grenzen an einen großen Garten mit Abfalltonnen. Diese gehören zu einer Wohnanlage mit 60 Apartments an der Prinzstraße. Und dort, so klagen die Reihenhausbesitzer, quellen regelmäßig die Müllcontainer über. Abfalltüten werden dann auf dem Boden neben den Tonnen abgestellt. Die offen herumliegenden Essensreste ziehen wiederum Ratten und andere Plagegeister an, die sich stark vermehren und ausbreiten. „Es stinkt und wir haben eine Rattenplage“, klagt Eva Forner von der Reihenhaussiedlung. „Bei mir laufen die Ratten direkt an der Terrassentür vorbei.“ Die Zustände seien ekelerregend und nicht mehr tragbar.

Seit zwei Jahren ist die Rattenplage im Textilviertel richtig schlimm

Die Reihenhausbewohner erzählen, seit etwa zwei Jahren sei die Situation richtig schlimm. Immer wieder hätten sie den Hausmeister der benachbarten Wohnanlage in der Prinzstraße auf die Missstände hingewiesen. Vergeblich. Eigentümer des Wohnblocks ist der große deutsche Immobilienkonzern Vonovia. Auch dort habe man bei dem zuständigen Ansprechpartner seit Monaten keine Lösung erreichen können, sagt Eva Forner.

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Der Frust über die Zustände auf dem Nachbargrundstück war schließlich so groß, dass die Reihenhausbewohner über ihre Hausverwaltung das Augsburger Gesundheitsamt einschalteten. Hausverwalterin Susanne Strohmayr sagt, die Mitarbeiter dort seien sehr kooperativ gewesen und sofort vorbei gekommen, um Tipps zur Rattenbekämpfung zu geben. Was die Reihenhausbewohner aber besonders ärgert: Obwohl das Gesundheitsamt Auflagen gemacht habe, habe sich auf dem Müllplatz des benachbarten Wohnblocks nichts verbessert.

Beim städtischen Gesundheitsamt will man aus Datenschutzgründen zum konkreten Fall nichts sagen. Amtsleiter Dr. Ulrich Storr erklärt aber die geltenden Vorschriften, wenn Ratten zum Problem werden: Nach dem Infektionsschutzgesetz seien sie als „Gesundheitsschädlinge“ eingestuft. Um das Risiko gering zu halten, dass Krankheiten auf den Menschen übertragen werden, sei es wichtig, die Rattenpopulation so gering wie möglich zu halten.

Das Gesundheitsamt setzt den Eigentümern Fristen

Nach seinen Angaben führt die Stadt einmal jährlich in ihrem Kanalsystem eine Rattenbekämpfung durch. Aber auch private Grundeigentümer müssen handeln, wenn auf ihrem Areal Ratten gesichtet werden, so der Leiter des Gesundheitsamtes. Der Eigentümer müsse einen Schädlingsbekämpfer beauftragen, Futterquellen und Unterschlüpfe der Tiere müssten beseitigt werden. Storr betont weiter, das Gesundheitsamt informiere betroffene Grundeigentümer oder deren Hausverwaltung, dass die Rattenplage bekämpft werden muss, und setzte dafür eine Frist. Bei Bedarf kommen darüber hinaus städtische Mitarbeiter zur Beratung, damit der Abfall richtig entsorgt wird. Und was ist, wenn die Frist nicht beachtet wird? Storr zufolge kann dann ersatzweise die Stadt direkt einen Schädlingsbekämpfer beauftragen und somit in Vorleistung gehen.

Der Müll stapelt sich. So sieht es offenbar regelmäßig in der Anlage im Textilviertel aus.
Bild: A. Henneberger

Im Fall des Wohnblocks an der Prinzstraße, der von der Immobilienfirma Vonovia betreut wird, war die gesetzte Frist offenbar schon verstrichen. Auf Anfrage unserer Redaktion sagt Vonovia-Sprecher Matthias Wulff: „Bedauerlicherweise haben wir eine Meldung des Gesundheitsamts der Stadt Augsburg aus dem Monat Mai nicht bearbeitet.“ Nun sei aber sofort ein Schädlingsbekämpfer beauftragt worden, der sich die Anlage angeschaut habe.

Die Reihenhausbewohner nebenan vermuten, dass in dem Wohnblock die Mülltonnen für die Zahl der Bewohner nicht ausreichen, weil sie bereits nach wenigen Tagen überquellen. Wulff sagt jedoch: „Das Volumen der Abfallbehälter ist in Ordnung.“ Wegen Bauarbeiten an dem Wohnblock seien möglicherweise vereinzelt Bauabfälle außerhalb der Mülltonnen abgelagert worden. Die Anlage sei danach eigens aufgeräumt worden.

Die Anwohner wollen, dass das Ratten-Problem gelöst wird

Aus Sicht von Eva Forner handelt es sich bei der Rattenplage um ein längerfristiges Problem. „Wir wollen eine gute Nachbarschaft, aber wir wollen auch, dass dieses Problem gelöst wird“, sagt sie im Namen der Reihenhausbewohner. In der Anlage gebe es schließlich auch Kinder, die im Freien spielen und nicht gefährdet werden dürfen.

Bei Vonovia verspricht man nun Abhilfe. Wulff sagt, die Mieter in der Prinzstraße seien mit einem Aushang gebeten worden, keine Mülltüten neben den Tonnen abzustellen. Mitarbeiter vor Ort sollen die Situation im Auge behalten und erneute Müllablagerungen umgehend beseitigen. Mieter könnten sich darüber hinaus an den Objektbetreuer vor Ort und auch an den Kundenservice der Vonovia wenden, um auf mögliche Missstände hinzuweisen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Eva Maria Knab: Rattenplage: Wohnungsfirma schaute lange zu

Lesen Sie dazu auch diesen Artikel: Schädlingsbekämpfer rücken Ratten in Augsburg auf den Pelz

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Die Diskussion ist geschlossen.

21.06.2019

Die Vonovia ist viel zu groß.
Damit ist eine vernünftige Hausverwaltung, die irgendwo nur nicht in Augsburg sitzt, nicht möglich.
Da betreut warscheinlich ein Mitarbeiter 5.000 Wohnungen, und dem sind die Ratten egal. Weil der ja weit weg ist von dem Dilema.
Saftige Strafen helfen als einziges Mittel, sind aber nur sehr beschränkt möglich.

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