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Augsburg

10.02.2018

Auf den Spuren des Augsburger Faschings

Vier Tage lang wird der Fasching auf dem Rathausplatz gefeiert.
Bild: Michael Hochgemuth

Auf dem Rathausplatz herrscht seit Samstagvormittag nun für vier Tage närrisches Treiben. Warum manche davon begeistert, andere wiederum etwas enttäuscht sind.

Der Fasching in Augsburg ist nun auf dem Höhepunkt. Manche mögen das als Widerspruch sehen. Allzu oft wird das bunte Treiben in der Fuggerstadt belächelt. Die Faschingsgesellschaften, die sich jedes Jahr aufs Neue ins Zeug legen, und ihre Anhänger sehen das freilich anders. Die Vereinigung „Under oiner Kapp“, in der fünf Faschingsgesellschaften aus der Region zusammengeschlossen sind, startete am Samstag ihr viertägiges Programm auf dem Rathausplatz. Auf den Spuren der Augsburger Faschingsgaudi ...

Königliche Hoheiten auf dem Königsplatz, das passt. Am Samstagvormittag sammeln sich hier die Gruppen und Prinzenpaare der fünf Faschingsgesellschaften: Augspurgia, Faschings- und Freizeitclub Augsburg (FFC), Carneval Club Königsbrunn Fantasia (CCK), Narrneusia aus Neusäß sowie Lechana aus Gersthofen. Ein paar Musik-Gruppen sind auch dabei, wie etwa der Spielmannszug Gersthofen. Gleich ziehen alle gemeinsam durch die Fußgängerzone zum Rathausplatz. Trotz Temperaturen um die null Grad werden die Prinzenpaare in Cabrios chauffiert. Klar, dass die Verdecke offen sind. Schließlich will man den Zuschauern winken. Die Kostüme mit viel Glitzer und Federn halten nicht wirklich warm. Prinzessin Mona II. vom FFC friert etwas in ihrer dünnen Netzstrumpfhose, aber sie freut sich auf die Cabrio-Fahrt. „Ich habe extra den Vater einer Freundin bezirzt, dass er uns in seinem Auto fährt.“ Der ein oder andere Narr trinkt noch schnell ein mitgebrachtes Bier. „Während des Umzugs darf man ja nicht“, erklärt ein junger Mann.

Zuschauer winken den Prinzenpaaren zu

Noch ein paar Selfie-Fotos mit den Handys, es geht los. Der bunte Tross bewegt sich laut und fröhlich durch die Annastraße. Etliche Passanten, mit Einkaufstüten bepackt, schlängeln sich an der Meute vorbei. Dem Umzug schenken sie kaum Beachtung. Viele andere wiederum bleiben stehen, schauen zu, freuen sich und winken den Prinzenpaaren zurück. Wie die Königsbrunnerin Alexandra Dierker. Sie ist mit ihrer Familie extra für die Veranstaltung nach Augsburg gekommen. Doch dann ist sie überrascht.

„Wie, das war es schon ? Ich dachte, ich stehe hier eine Stunde“, sagt die Mutter, als der Umzug nach wenigen Minuten bereits vorbei ist. „Na, dann gehen wir vor zum Rathausplatz, da gibt es eine Bratwurscht.“ Auf der Facebookseite unserer Zeitung, wo wir ein Video von dem Einzug zum Rathausplatz zeigen, äußern ein paar Leser Kritik. „Auf den umliegenden Dörfern ist mehr los. Mit einem Cabrio durch die Stadt fahren kann ich auch und ein bisschen winken“, kommentiert etwa Harry Feueröcker. „Sowas ist schön? Langweiliges unkostümiertes Gelatsche“, schreibt Marion Merker. Das ist der Moment, in dem Jochen Heckel gerne eingreift und erklärt.

Den Einzug der Garden nicht mit Faschingsumzug vergleichen

Der Präsident des FFC Augsburg, der mit seinem knallgelben Jacket auf dem Rathausplatz nicht zu übersehen ist, betont, man dürfe das nicht mit einem Faschingsumzug vergleichen. „Das hier ist der Einzug der Garden auf dem Rathausplatz.“ Der Einzug und das Aufstellen des Narrenbaumes stünden an dem Samstag im Vordergrund. Damit werde das viertägige Faschingstreiben eingeläutet. „Natürlich wäre ein Faschingsumzug in Augsburg ein Ziel“, gibt der Vereinspräsident zu. „Viele Gesellschaften auch aus dem Umland würden das begrüßen. Aber da müsste auch die Stadt mitmachen und den Rahmen dafür schaffen.“ Dass die Veranstaltung immer wieder kritisiert wird, trifft ihn offenbar.

Die Bilder vom Fasching am Samstag in Augsburg
72 Bilder
Fasching auf dem Rathausplatz
Bild: Michael Hochgemuth

„Da steckt so viel Herzblut und Engagement der Faschingsgesellschaften drin“, sagt Heckel leidenschaftlich. „Außerdem machen wir in Augsburg Straßenfasching, während sonst alles nur in Hallen stattfindet.“ Aus den Lautsprechern an der Showbühne tönt laute Musik. Immer wieder wird über das Mikro die Stimmung angeheizt. „Augsburg, seid ihr noch da?“ - „Ihr seid spitze!“ - „Augsburg, alle Hände nach oben!“ - „Ihr seid ein geiles Publikum!“ Gruppen der Faschingsgesellschaften füllen den ganzen Tag das Programm mit ihren Aufführungen. Wie etwa die Revuetänzer der Augspurgia. In aufwendigen Rokoko-Kostümen tanzen sie zu Rock me Amadeus von Falco. Die Faschingsaktiven geben auf der Showbühne alles. Sie haben viel Spaß dabei, das merkt und sieht man ihnen an. Auf dem Rathausplatz selbst schunkeln oder tanzen immer wieder ein paar Menschen mit. Es wird Bier oder Kaffee getrunken, Bratwurst gegessen, kleine Kinder drehen Runden im Karussell. Aber viele Besucher ziehen bald wieder weiter. Auch, weil es kalt ist.

„Es ist ganz nett hier“, sagt Adam Klepka, der mit Ehefrau Claudia und den gemeinsamen Kindern aus dem Univiertel vorbei schaut. „Aber vor der Bühne zu stehen, macht man vielleicht ein halbe Stunde. Dann reicht es. Die Umzüge auf dem Land, wie in Welden oder Mering sind da wesentlich schöner“, sagt der Familienvater und fügt hinzu: „Und spannender für die Kinder.“

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Bild: Michael Hochgemuth

Info: Bis Faschingsdienstag ist auf dem Rathausplatz täglich von 12 bis 19 Uhr ein buntes Treiben angesagt. Am Rosenmontag und Faschingsdienstag geht es auch in der City-Galerie in den Endspurt, wo mehrere Faschingsgesellschaften ebenfalls täglich im Einsatz sind. Am Montag startet dort um 12 Uhr der Kinderfasching, am Dienstag geht’s um 11.15 Uhr los. Um 19 Uhr ist an diesem Abend das große Finale.

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