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Gastspiel

01.07.2014

Auf der Kogge tanzen die Puppen

Auf ihrer Kogge versammeln die Puppenspieler Silke Technau und Stephan Schlafke vom Kobalt Figurentheater Lübeck eine skurrile Mannschaft.
Bild: Kobalt Figurentheater

Kobalt Figurentheater aus Lübeck begeistert im Abraxas mit lebensfrohen Stücken

Was für eine Gesellschaft: Ratsherr Weihrauch ist pleite, Pater Franz Benedikt ist unsterblich verschossen in Wirtin Kathi, der fiese Felix will alle erpressen, landet aber zur Strafe als Bürste beim Leichtmatrosen, der Käpt’n ist ständig besoffen, nur Steuermann Hannes hält Kurs, wenn er nicht gerade mit Roswitha turtelt. Zu guter Letzt hat der jugendliche Jerome mit Julius ein delikates Problem. Es geht wahrlich turbulent zu auf der „Kogge der Gestrandeten“. Das Kobalt Figurentheater Lübeck hat das verwickelte Seemannsgarn gesponnen, das am Wochenende die Fans des Puppenspiels als weiteren Schritt auf „klapps 2015“ zu im Abraxas begeisterte. Die kleinen Zuschauer hatten ihren Spaß mit der Prinzessin auf der Erbse.

Stephan Schlafke und Silke Technau mit Dreispitz, Filzjoppe und Stiefeln spielen auf offener Bühne zwischen Fässern, Kisten und Takelage. Sie führen klobige, raubauzige Handpuppen, schlaksige Marionetten und flatterhaften Kopfpuppen, zwischendurch fällt der Vorhang für ein zauberhaftes Schattenspiel mit Folien unterschiedlicher Dimension. Ihre markigen Seemannslieder begleitet Felix Kroll auf dem Schifferklavier, als stünde ihm ein ganzes Orchester zur Verfügung. In Augsburg wagten die Kobalt-Leute mit ihrer „Kogge“ erstmals einen mobilen Auftritt außer Haus, sie überzeugten voll und ganz.

Die Kogge ist eine Welt für sich: Menschen, die im wahren Leben gestrandet sind, leben auf dem Schiff ohne klaren Kurs und Ziel, sie spüren Freiheit und neue Chancen, machen ihr Glück. Raue Schalen knacken, Geheimnisse verraten sich. Und was Menschen verschweigen, plappert Papagei Freddy aus. Die recht verschiedenartigen Figuren haben die Kobalt-Leute geschenkt bekommen und – mal umgekehrt – die temporeiche Geschichte ihnen auf den Leib geschrieben.

Mit ebenso viel Witz können sie aber auch bedächtig ein Märchen spielen. Der Königsfamilie verpassen sie als spaßige Kommentatoren die Hühner Carlotta und Heinrich, die respektlos ihr Ei auf den Thron legen und von der Gardinenstange gackern. Ein vernünftiger Vater, eine gütige Mutter, ein aufbegehrender Sohn („Mädchen sind alle albern!“) – alles scheint vertraut. Bis die patschnasse Prinzessin von der Wiese eintrifft, ein ungezwungenes Naturkind und emanzipiertes Mädchen. Und siehe da: Sie gewinnt die Herzen aller und macht nicht nur dem Prinzen Lust auf Leben und Liebe. Alles ist plötzlich verwandelt, weil Zwänge nicht mehr gelten. Einfach fantastisch!

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