Für Claudia Meitinger ist es eine wunderbare Nachricht am Ende eines schweren Corona-Jahres: Am Mittwoch wurde die Informatikerin an der Hochschule Augsburg als "Professor des Jahres" ausgezeichnet. Die 41-Jährige hat es beim Wettbewerb der Unicum-Stiftung bundesweit auf Platz 1 geschafft. In ihrem Fach gilt sie als eine herausragende Hochschullehrerin, die Studierenden in besonderer Weise hilft, ihren Weg zu finden - und das aus mehreren Gründen. "Ich habe mich dermaßen gefreut", sagte Meitinger in einer ersten Reaktion auf die begehrte Auszeichnung.
Die Unicum-Stiftung will junge Leute bei der beruflichen Orientierung fördern. In einem Wettbewerb kürt sie deshalb regelmäßig Professoren und Professorinnen, die für ihre Studierenden Wegbereiter von Karrieren sind. Durch die coronabedingte Schließung der Hochschulen waren die Bedingungen in diesem Jahr besonders schwierig. Es seien große Barrieren zwischen Lehrenden und Lernenden, Arbeitgebern und Berufseinsteigern entstanden, so die Stiftung. Sprechstunden, Praktika, Jobmessen, Erfahrungsaustausch - all das habe höchstens virtuell stattfinden können. Und doch gibt es Hochschullehrkräfte, die diese Krise als besondere Herausforderung verstanden haben. Eine Fachjury benannte Claudia Meitinger nun als beste ihres Fachbereichs in der ganzen Republik. Ein Anlass zur Freude auch für die Augsburger Hochschulleitung. Präsident Gordon Thomas Rohrmair sagt, die Professorin unterrichte mit Herzblut und Leidenschaft. Sie sei ein Vorbild für Fordern und Fördern im besten Sinne der Lehre.
Claudia Meitinger ist eine lokal verwurzelte Wissenschaftlerin
Meitinger ist eine lokal verwurzelte Wissenschaftlerin, die Auslandserfahrung mitbringt. Die 41-Jährige stammt aus Hilgertshausen (Kreis Dachau) und hat in Aichach Abitur gemacht. In Aichach lebt sie auch jetzt. An der Hochschule Augsburg ist sie seit 2013 als Professorin für technische Informatik tätig. Eines ihrer Spezialgebiete ist die Mensch-Maschine-Interaktion. Generell sind es Forschungsfelder, die sich nicht jedem auf die Schnelle erschließen. Doch der Professorin liegt viel daran, den Nutzen dieser Technik für den Alltag der Menschen deutlich zu machen. "Mit technischen Assistenzsystemen können wir beispielsweise komplizierte oder ungeliebte Tätigkeiten enorm erleichtern", sagt sie.
In der Lehre will Meitinger wissenschaftliche Stoffe so vermitteln, dass Studierende auch Spaß an der Sache haben und einen Bezug zum realen Leben finden. Das ist etwa bei einem Hühnerstall-Monitoring der Fall: Das Projekt befasst sich mit der Nutzung des Funkstandards Long Range. In diesem Projekt geht es darum, aus weit verstreuten Hühnerställen auf Wiesen Daten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Eierzahl abzurufen, um damit einen aktuellen Überblick auf einer eigenen Webseite zu bekommen. Meitinger hat dieses Projekt zusammen mit ihrem Kollegen Martin Bayer betreut. Die Informatikerin hat mit Studierenden auch schon mal einen Kartenspieler-Roboter entwickelt. "Unsere Fragestellung war, wie man mit echten Karten spielen kann, auch wenn einem ein Mitspieler fehlt. Wir haben dann einen Spieler durch einen Roboter ersetzt."
Claudia Meitinger versucht, für ihre Studierenden immer ein offenes Ohr zu haben. Sie sei davon überzeugt, dass jeder oder jede irgendetwas wirklich gut kann, sagt sie. Eine große Herausforderung in der Pandemie sei nun aber, den Kontakt zu Studierenden auch online nicht abreißen zu lassen. Besonderes Engagement für ihre Studierenden bescheinigt auch Unicum-Jurymitglied Michaela Geierhos, Professorin für Data Science an der Universität der Bundeswehr München: Sie lobt Meitingers "hervorragende praxisnahe Vorlesungen", aber auch ihre guten Verbindungen zur Industrie. Meitinger habe ein sehr gutes Gespür, welche Studierenden zu welchen Unternehmen passen, sämtliche Abschlussarbeiten seien jederzeit super betreut worden.
Leuchtende Nikolausstiefel als Überraschung an der Uni Augsburg
Für die Professorin ist ihr Beruf auch ihr Hobby. Daheim programmiert sie gerne. Oder sie setzt sich an die Nähmaschine, um nachts leuchtende Nikolausstiefel mit eingebauten Mini-Computern herzustellen. Auch mit solchen lustigen Geschenken will sie ihren Studentinnen und Studenten eine Freude machen.