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Augsburg
08.10.2021

Pelzhändlerin in 3. Generation: Darum steht Sabine Burkhardt hinter ihrem Beruf

Sabine Burkhardt führt in dritter Generation Pelze Burkhardt in der Johannisgasse.
Foto: Silvio Wyszengrad

Pelze Burkhardt gibt es seit hundert Jahren in Augsburg. Wie Inhaberin Sabine Burkhardt die Debatte um Pelz erlebt und was die Zukunft bringen könnte.

Sabine Burkhardt ist mit Leib und Seele Kürschnermeisterin. "In diesem Beruf kann ich etwas mit meinen Händen machen und sehen, was am Ende rauskommt. Manchmal begegnen mir meine Modelle in der Stadt, und dann kann ich sagen: Mensch, das hast du gemacht." Seit 2007 führt die 60-Jährige ihr Geschäft in der Johannisgasse, das sie damals von ihrem Vater übernahm. Doch die Wurzeln des Betriebs reichen weiter zurück. Gegründet wurde er 1921, also vor 100 Jahren, von der jüdischen Familie Kohlmaier. Die verkaufte das Geschäft 1936 der politischen Entwicklung wegen an Sabine Burkhardts Opa und Mitarbeiter Reinhold Burkhardt, Kohlmaiers gingen in die USA. Damals hatte das Pelzgeschäft seinen Sitz noch in der Grottenau, doch seitdem hat sich viel verändert.

Sabine Burkhardt kann sich noch gut erinnern, wie es früher im Geschäft von Opa und Papa war: "Ich bin da praktisch hineingeboren worden und dort aufgewachsen." Wenn sie als Kind müde war, habe sie sich ins Lager zurückgezogen und dort auf den kuscheligen Fellen geschlafen. Auch ein Kleidungsstück aus zurückliegenden Tagen hat sie noch: eine Pelzjacke ihrer Mutter. "Die ist mittlerweile über 60 Jahre alt und ich habe sie schon mehrmals umgearbeitet, um sie aktuell zu halten", erzählt Burkhardt. Das Kleidungsstück wurde gekürzt, gefärbt und mit Leder ergänzt. "Pelz können Sie Jahrzehnte tragen, weil Sie sie vielfach umarbeiten und reparieren können", erzählt die Expertin.

Pelz-Verkäuferin: Tiere aus schlechter Haltung haben schlechtes Fell

Ihre Ware sei also nachhaltig und passe zum Zeitgeist. Die Diskussionen, ob Pelze wegen des Tierschutzes noch getragen werden sollten, findet Burkhardt daher nicht immer fair. "Wir haben Massentierhaltung und essen auch weiter Fleisch, aber niemand geht öffentlich auf die Konsumenten von Fleisch los." Man trage auch wie selbstverständlich Lederschuhe oder beziehe Autositze mit Leder. Dabei sei auch dieser Werkstoff nur Haut, aber eben ohne Haare. Viele ihrer Kundinnen und Kunden, erzählt Burkhardt, trauten sich aber kaum noch, Pelz öffentlich zu tragen - aus Sorge, angegangen zu werden. Dabei falle das Fell auch als Abfallprodukt an. Beispielsweise wenn Füchse bewusst geschossen werden, um eine Überpopulation zu verhindern, Bisamratten seien in vielen Regionen eine Plage. Sie werden deshalb ebenfalls geschossen. "Sollen wir das Fell dann einfach wegschmeißen?", fragt sich Burkhardt.

Sabine Burkhardt arbeitet Pelzjacken und Mäntel gerne um - auch zu Decken.
Foto: Silvio Wyszengrad

Bei Fellen, die sie aus Zuchten bezieht, achte sie in Zusammenarbeit mit dem Händler auf die Einhaltung des Tierwohls. "Tiere, die schlecht gehalten werden, haben auch ein schlechtes Fell. Damit will ich gar nicht arbeiten." Unterstützung erhält die 60-Jährige von Kollegen: Am 8. Oktober ist WePreFur-Tag - ein Wortspiel aus dem Englischen "We prefer" (wir ziehen es vor) und "fur" (Fell). Mit diesem Label garantieren Deutschlands Kürschner, dass die verarbeiteten Rohstoffe ausschließlich aus nachhaltiger Jagd stammen. Es ist ein Gegenentwurf zur Masse der Billigbekleidung aus Fernost, heißt es in einer Mitteilung des Zentralverbands des Kürschnerhandwerks, die auch vom Augsburger Pelzmoden-Atelier Glock unterstützt wird.

Doch zurück zu Sabine Burkhardt. Noch ist sie mit Leib und Seele im Einsatz. Nach ihr, also der dritten Generation, wird es Pelze Burkhardt aber nicht mehr geben. Sabine Burkhardt hat keine Kinder und damit auch keine Nachfolger. Jemanden außerhalb der Familie zu suchen kommt für die Kürschnermeisterin nicht infrage. "Das Geschäft ist schwierig geworden", begründet sie diese Entscheidung.

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Die Hochzeit ihres Handwerks lag aus ihrer Sicht in den 70er- und 80er-Jahren. Gerade durch Fernsehserien wie "Denver Clan" sei der Pelz stark beworben worden und galt nicht selten als Statussymbol. Damals hatte Pelze Burkhardt bis zu zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und übernahm Lohnarbeiten für Kollegen. Heute beschäftigt Sabine Burkhardt nur noch eine Näherin, die Nachfrage sei zurückgegangen. Die Gründe seien zum einen die angesprochenen Debatten um den Pelz. Zum anderen habe es eine Zeitlang Pelzmode auch in jedem Kaufhaus gegeben. "Das hat den Fachgeschäften viel kaputtgemacht." Auch das Werteverständnis der Kundschaft habe sich verändert: Während für die Karibik-Kreuzfahrt oder das aktuellste Smartphone mehrere Tausend Euro ausgegeben werden, schlucken viele bei den Preisen in Sabine Burkhardts Laden. 1400 Euro für einen Mantel oder um die 500 bis 800 Euro für eine Jacke werden nur schwer akzeptiert. Dabei bekäme man bei ihr ein Produkt aus natürlichen Stoffen, ohne Plastik und etwas, das viele Jahre Bestand hat.

Dass es das Kürschnerhandwerk wegen der aktuell schwierigen Lage bald nicht mehr geben wird, glaubt Burkhardt dennoch nicht. Zwar hat sich die Innung bereits aufgrund fehlender Mitglieder aufgelöst, es gebe aber in Augsburg noch Geschäfte, die ausbilden oder junge Nachfolger haben. Burkhardt ist überzeugt: "Aussterben wird meine Branche nicht, dafür ist der Beruf viel zu schön."

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