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Augsburg-Stadt

07.12.2015

Augsburg? So besonders wie kaum eine Stadt

Der Stadtgraben vor der östlichen Stadtmauer schützte nicht nur die Stadt, sondern war auch ein wichtiger Antriebskanal für drei Wasserwerke und eine Papiermühle, aus der später die Papierfabrik Haindl (heute: UPM) entstand. Das Wasser war für Augsburg von Anfang an bedeutend. Deshalb bewirbt sich die Stadt mit diesem Thema auch um den Titel Welterbe.
Bild: Martin Kluger

Der Autor Martin Kluger hat ein Buch zur Unesco-Bewerbung geschrieben. Wer es liest, erfährt, warum das Wasser für die Stadt von Anfang an so wichtig war. 

Ein Kind geht in der reißenden Wertach unter. Die Eltern rufen Bischof Ulrich zu Hilfe, den Schutzpatron der Augsburger Kirchen. Ihm werden zahlreiche Wasserwunder zugesprochen. Tatsächlich wird das Kind am darauffolgenden Tag am Ufer der Wertach gefunden – unversehrt und wohlbehalten.

Viele Legenden wie diese ranken sich um Bischof Ulrich, oft haben sie in irgendeiner Weise mit Wasser zu tun. Doch woher kommt es, dass Augsburg einen Heiligen verehrt, der in enger Verbindung mit diesem Element steht? Für den Augsburger Autor Martin Kluger ist die Antwort klar: Wasser spielte in der Stadt von Anfang an eine besondere Rolle. Die Frage, wie man es von Lech und Wertach in die höher gelegene Ansiedlung transportiert, beschäftigte die Bewohner. Die Suche nach Lösungen führte dazu, dass sich zahlreiche Experten ansiedelten – mit Erfolg: „Im 15 Jahrhundert gibt es in Deutschland nur gut ein Dutzend Städte, die über eine technische Wasserhebung auf Augsburger Niveau verfügen“, sagt Kluger.

400 Seiten stark

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Die Entwicklung dieses spannenden Themas hat er nun in einem Buch zusammengefasst. Unter dem Titel „Augsburgs historische Wasserwirtschaft“ beschäftigt sich Kluger mit den Kanälen und Stadtgräben, mit den Wasserwerken, den Monumentalbrunnen und vielen anderen Aspekten. Den Untertitel seines über 400 Seiten starken Werks hat er bewusst gewählt: „Der Weg zum Unesco-Welterbe“.

2018 kann sich Augsburg bei der Organisation für den Titel bewerben. Die Voraussetzung dafür hat die Deutsche Kultusministerkonferenz geschaffen: Sie setzte Augsburg auf die Vorschlagsliste für neue Welterbe-Kandidaten, die Zug um Zug abgearbeitet wird. Die Stadt hat eine Agentur beauftragt, die notwendigen Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen. Es ist die Agentur, die auch die Hamburger Speicherstadt auf dem Weg zum Welt-erbe begleitete.

Das Buch von Martin Kluger wird auch für diese Agentur eine wichtige Hilfestellung werden: In einem umfassenden Register sind alle Inhalte nach Stichwörtern sortiert. Die neue Veröffentlichung ist nicht nur spannend, sondern auch das einzige so ausführliche Nachschlagewerk, das zur Augsburger Wasserkunst existiert.

Gewässersystem wird aufgelistet

Doch es ist nicht nur für Fachleute gemacht, auch andere Leser können interessante Details erfahren: „Im Zuge der Recherchen und der Bewerbung sind wir auf viele Dinge gestoßen, die nicht bekannt waren“, sagt Martin Kluger. So fanden er und der Augsburger Historiker Franz Häußler heraus, dass es einst nicht nur neun, sondern zehn Wassertürme gab, die die Stadt versorgten. Zum ersten Mal ist im Buch auch eine Auflistung des Gewässersystems enthalten: Die Lechkanäle haben demnach eine Gesamtlänge von über 76 Kilometer, die Wer-tachkanäle bringen es immerhin auf knapp zwölf Kilometer. Im Gegenzug sind aber auch noch viele Fragen unbeantwortet. Zum Beispiel die nach Augsburgs erstem Wasserwerk, das angeblich nicht richtig funktioniert haben soll. „Es gibt noch vieles, das erforscht werden könnte“, weiß Kluger. Für die Bewerbung um den Unesco-Titel ist jedoch ausreichend Material vorhanden.

Welches Potenzial das Thema birgt, ist laut Kluger zumindest unter Fachleuten unumstritten: Experten wie der Städteplaner Prof. Karl Ganser, der im Buch einen Klappentext geschrieben hat, attestieren Augsburg große Chancen. In der heimischen Bevölkerung soll das Buch aber noch für mehr Aufklärung sorgen. Viele Bürger wüssten noch nicht, wie besonders die Augsburger Wasserversorgung einst war, sagt Kluger: „Sie ist quasi das Denkmal einer Stadtverwaltung, die das Thema über 500 Jahre vorbildlich behandelt hat.“

Angereichert ist der Band mit zahlreichen historischen Abbildungen, Zeichnungen und Fotos von der aktuellen Situation in Augsburg.

Info Das Buch „Augsburgs historische Wasserwirtschaft – Der Weg zum Unesco-Welterbe“ von Martin Kluger ist im context Verlag erschienen. Es hat 432 Seiten und kostet 39,90 Euro. Es ist ab sofort im Handel erhältlich.

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