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Augsburg: Wird der Mittlere Graben versuchsweise für Autos gesperrt?

Augsburg

Wird der Mittlere Graben versuchsweise für Autos gesperrt?

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    Die Bürgerliche Fraktion fordert eine versuchsweise Sperrung des Mittleren Grabens in Augsburg für den Durchgangsverkehr.
    Die Bürgerliche Fraktion fordert eine versuchsweise Sperrung des Mittleren Grabens in Augsburg für den Durchgangsverkehr. Foto: Anne Wall (Archivbild)

    Der Bauausschuss des Stadtrats hat am Donnerstag einem etwa 1,4 Millionen Euro schweren Maßnahmenpaket zur Verbesserung des Radverkehrs zugestimmt. Konkret geht es um Radwege in der Neusäßer Straße, Fahrradabstellplätze neben dem Rathaus auf dem Fischmarkt, einen neuen Belag in der Domkurve und die Prüfung, inwiefern am Mittleren Graben (zwischen Perlach- und Leonhardsberg) die Radweglücke geschlossen werden kann. Die Beschlüsse fielen weitgehend einstimmig.

    Es sei ein "beachtliches Paket", so Grünen-Stadtrat Deniz Anan in einer Gesamtbewertung. Augsburg entwickle sich eindeutig zur Fahrradstadt. Gegen den Radweg in der Neusäßer Straße, für den zwei Autospuren wegfallen, stimmte AfD-Stadtrat Markus Striedl. Tiefbauamtsleiter Gunter Höhnberg erklärte, dass die Neusäßer Straße auch künftig, wenn die Uniklinik mehr Verkehr nach sich ziehe, noch genug Kapazitäten haben werde.

    Neusäßer Straße: Experten befürchten keinen Engpass

    Größere Diskussionen gab es um den Mittleren Graben, wo die Stadt im kommenden Jahr den Abwasserkanal sanieren muss und in diesem Zug probieren möchte, Verbesserungen für Radler zu erreichen. Angesichts der Tram-Wendeschleife und der engen Bebauung habe man es aber mit schwierigen Verhältnissen zu tun, warnte Höhnberg vor zu hohen Erwartungen.

    Die Bürgerliche Fraktion stellte darüber hinausgehend den Antrag, die Bauarbeiten dazu zu nutzen, die stark belastete Achse entlang des Grabens im Rahmen eines Verkehrsversuchs für den Durchgangsverkehr In Nord-Süd-Richtung zu sperren. "Wir wollen nicht die ganze Innenstadt für den Autoverkehr sperren, aber punktuell sollte man schon schauen, wo man Durchgangsverkehr rausbekommt", so Stadträtin Beate Schabert-Zeidler. Im Falle des Versuch wäre der Abschnitt zwischen City-Galerie und MAN nur noch für Anlieger, Radler und Linienbusse befahrbar. Der Durchgangsverkehr müsste über Berliner Allee oder Lechhauser Straße die Altstadt umfahren. Eine Ausdehnung auf die Ost-West-Achse (Karlstraße/Grottenau), so Schabert-Zeidler, sei nicht möglich, weil der Ausweichverkehr dann unkanalisiert in Wohngebiete laufen würde.

    Der Autoverkehr in Augsburg soll insgesamt weniger werden

    Abgestimmt wurde darüber noch nicht, Grünen-Stadtrat Anan merkte aber an, dass hinter solchen Versuchen ein Konzept stehen müsse. "Wenn man eine Durchgangsstraße sperrt und den Rest offen lässt, verlagert es sich einfach nur", so Anan. Nötig sei, den Autoverkehr insgesamt zu verringern, etwa durch mehr öffentlichen Nahverkehr. CSU-Stadtrat Peter Uhl sagte, dass es nach Ende der Coronapandemie wichtig sein werde, Kunden in die Innenstädte zurückzuholen, unabhängig vom Verkehrsmittel. Die City-Galerie dürfe für Besucher aus dem Norden nicht abgekoppelt werden, gab Uhl zu bedenken.

    Das sind die Forderungen des Radbegehrens

    Radwege Es soll mehr Radwege geben. An jeder Straße, an der Geschwindigkeiten über 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden, fordern die Aktivisten baulich abgetrennte Radwege. Gefordert wird ein lückenloses Radwegenetz.

    Sicherheit Kreuzungen sollen so gestaltet werden, dass Autofahrer langsamer abbiegen müssen. Das soll zusammen mit einer besseren Sichtbarkeit von Radlern die Sicherheit erhöhen.

    Abstellplätze Im öffentlichen Raum sollen mehr Radabstellplätze entstehen, bevorzugt an Orten des öffentlichen Lebens und Nahverkehrs-Knoten. Auch in Wohngebäuden wollen die Aktivisten mehr Abstellplätze – bei Mehrfamilienhaus-Neubauten soll künftig ein Radstellplatz pro 25 Quadratmeter Wohnfläche (aktuell ein Platz pro 30 Quadratmeter) für Bauherren verpflichtend sein. Auch für Radanhänger/Lastenräder soll mehr Platz in der Stellplatzsatzung der Stadt festgeschrieben werden. Bei bestehenden Gebäuden sollen Eigentümer bis zu 25 Prozent der vorhandenen Parkplätze in Radstellplätze umwandeln dürfen.

    Kommunikation Gewünscht wird ein jährlicher Fortschrittsbericht. Bürger sollen über eine Online-Meldeplattform die Möglichkeit haben, störende oder gefährliche Wegstellen zu melden.

    Weiteres Vorgehen Bisher wünschten die Radler, dass die Stadt die Forderungen bis 2025 umsetzt oder planerisch auf den Weg gebracht hat. Wenn der Platz nicht ausreiche, solle dieser zulasten des Autoverkehrs umverteilt werden. Das wollen die Initiatoren weiterhin, möchten wegen der absehbar schwierigen Finanzlage der Stadt aufgrund Corona aber das Gespräch mit der Stadtspitze suchen, was machbar ist und was nicht. (skro)

    Abgesehen vom Mittleren Graben sollen alle anderen Projekte in diesem Jahr umgesetzt werden. Bei den 20 Abstellplätzen auf dem Fischmarkt gebe es, so Anan, Signale aus dem Klimacamp, den betreffenden Teil des Platzes freizumachen, um die Bauarbeiten zu ermöglichen. Bürgerlichen-Stadträtin Schabert-Zeidler forderte die Stadt auf, auf dem Fischmarkt mehr Plätze einzurichten. Aufgrund von Feuerwehr-Anfahrtswegen, so Baureferent Merkle (CSU), sei dies nicht möglich.

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